Full text: Hessenland (3.1889)

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steinernes Lusthcmß mit einem ansehnlichen 
Saale, worunter gleich wie zu Cassel ein 
schön zinnernes Bad, auf der anderen Seiten 
wie unten am Berge sind schöne Bäume und 
Kuchen-Gärten, vorni Walde aber und unter 
dem Lustgarten heraus viel stattliche Fisch-Teiche, 
wie auch einer im Walde, darbey eine sehr 
lustige Grotte gebauet, mit einem Spring- 
Brunnen und allerhand Mineralischen Sachen 
gezieret; oben auf ist ein Altan, und auf 
beyden Seiten mit geschweiften hohen Mauern 
und Bildwerken, welches aber alles, wie auch 
die schönen Portalen von lebendigen Heckwerk 
um den Teich her, in den leidigen Kriegs 
wesen sehr verderbet worden." 
An der nach Kassel zu gelegenen Seite des 
Schlosses') befand sich nachfolgende Inschrift in 
Stein ausgehaueu, darauf sich beziehend, daß 
Landgraf Moritz das Schloß seinen 3 Söhnen, 
Otto, Moritz, Wilhelm, von denen die beiden Ersteren 
vor ihm verstorben und Wilhelm unter dem 
Namen Wilhelm V., der Beständige, in der Re 
gierung folgte, widmete, ja sogar dieselben als 
Gründer hinstellte: 
Anno 1606. 25. Juny tres fratres fun- 
dam jecerunt Otto, Mauritius junior, 
Hass. Landgrav. A. aetatis 6, Wilhelmus, 
Hassiae Landgravius A. aetatis quarto. 
') Schminke. Beschreibung der Stadt Kassel (1767) 
S. 415; Geschichte der Regenten von Hessen-Kassel 
(1882) S. 89. 
Auf jenen großen Festtag der Fahnenweihe der 
Bürgergarde sollte schon nach einem halben Jahre 
ein Tag folgen, welcher ihr Ansehen schwer 
schädigte und in der Folgezeit für sie sehr be 
deutungsvoll wurde, namentlich aber erkennen 
ließ, daß, nach dem am 30. September erfolgten 
Regierungsantritt des Kurprinzen und Mitre 
genten, ihre Wirksamkeit von oben herab nur 
gering geachtet wurde. 
Bei einer zwischen dem Kurprinzen und der 
Kurfürstin über die von dieser versagte Aner 
kennung der morganatischen Gemahlin ihres 
Sohnes als Schwiegertochter eingetretenen Span 
nung, hatte die Bürgerschaft lebhaft für ihre so 
hoch verehrte Kurfürstin Partei ergriffen, und 
Der ohnfern vom Eingänge des linken Flügels 
befindlickie Brunnen trug eine Inschrift, welche 
der von Moritz dort verlebten frohen Stunden 
gedachte: 
Urbs habeat curas, qui me mihi reddit agellus 
Exigit ingenius gaudia mixta jocis. 
Hortule, fac placeas, fac hortule dulcis, in- 
emtas 
Ut fundat domino libera mensa dapes. l ) 
Beide Inschriften sind von dem hochgelehrten 
Landgrafen selbst verfaßt, welcher gern im Schloß 
Weißen st ein weilte, das er Mauritiolum 
Leucopetraeum , villa Mauritiana, 
Morizheim, nannte, und dort Ruhe und Erho 
lung von seinen angreifenden Regieruugs- 
geschäften suchte und fand. Leider wurden durch 
die nachfolgenden Kriege, insbesondere den 
dreißigjährigen Krieg, welcher nach Moritzens 
Rücktritt von der Regierung mit seinen Schrecken 
auch das Hessenland heimsuchte, viele seiner An 
lagen bei Weißenstein zerstört, u. A. auch die 
bereits oben erwähnte und nach ihm benannte 
Moritz-Grotte, welche an der Stelle der 
späteren Pluto-Grotte zu suchen ist. 
') Zn deutscher Uebersetzung: 
Sorgen behalte die Stadt, das Gut, das mich wieder mir 
selbst giebt. 
Fordert Freude, gemischt mit anmuthendein Scherz. 
Sorg' zu Gesallen, mein Gärtchen, sorg', süßestes Gärtchen, 
zu liefern 
Frei für den Tisch des Herr» ein nicht zu erkaufendes 
Mahl! 
(Fortsetzung folgt.) 
wurde, als das Gerücht sich verbreitete, sie habe 
sich in Folge dieser Differenzen entschlossen, Kassel 
für immer zu verlassen, eine Deputation an sie 
abgesandt, um sie zum Aufgeben dieses Ent 
schlusses zu bewegen. Die Kurfürstin gab zu 
stimmende Antwort und erklärte als Zeichen, 
daß sie ihre Absicht aufgegeben, am 4. December 
das Theater besuchen zu wollen. 
Da wollte es nun ein unglücklicher Zufall, an 
welchem der Kurprinz keine Schuld trug, daß sie 
an diesem Tage nicht im Theater erscheinen 
konnte. Es war versäumt worden, ihre Loge zu 
heizen unb zu beleuchten und die vorausgesandte 
Dienerschaft hatte die Eingänge zu derselben ver 
schlossen gefunden. Darüber entstand in der 
Dassels Würger in Waffen 
Ein geschichtlicher Rückblick 
von 
W. Aogge-Ludrvig. 
(Schluß.)
        

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