Full text: Hessenland (3.1889)

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An der Spitze des Klosters stand ein Probst 
und eine Priorisin. Weltliche Schutzherrn waren 
die in der Nähe wohnenden Grafen von Schauen 
burg. Was die inneren Verhältnisse betrifft, so 
gehörten die Augustiner zu den Bettelorden, und 
waren daher nicht nur die Kloster-Insassen für 
ihre Person, sondern auch das Kloster selbst arm 
und auf die Mildthätigkeit ihrer Mitmenschen 
angewiesen. Einen wesentlichen Faktor in der 
Geschichte des Klosters bilden daher die zahlreichen 
Schenkungen an dasselbe. Es besaß im Laufe 
der Zeit ansehnliche Gutsbezirke in den Gemar 
kungen von Kirchditmold, Harleshausen, Wahlers 
hausen, Wehlheiden, Niederzwehren, Kirchbaune, 
Besse, ja sogar Zierenberg. I Im Jahre 
1217 nahm Landgraf Ludwig IV. der Heilige 
von Thüringen als Herr von Hessen das Kloster 
Weißenstein in seinen Schutz und verlieh ihm 
die Zollfreiheit wegen seiner Bedürfnisse in allen 
seinen Städten, und die nachfolgenden Landgrafen 
von Hessen gewährten verschiedene weitere Privi 
legien. 
Die Ordenstracht war wollene Kutte mit Kapuze 
und weißer Unterkleidung. Ueber die innere 
Geschichte des Klosters und seiner Bewohner, auch 
der Oberen, sind wir nur mangelhaft unterrichtet, 
Insbesondere wissen wir nichts Näheres über 
die Beschäftigung der Kloster-Insassen, ob sich 
dieselben etwa dem Jugend-Unterrichte widmeten, 
wie die Benediktiner-Mönche des Klosters 
Hasungen, dessen Schule berühmt war in Hessen 
und darüber hinaus, ebensowenig ob sie sich, wie 
allerdings vermuthet wird, mit Gartenkultur 
befaßten. Wenigstens war in vielen Klöstern 
die Ausfüllung der Zeit zwischen den verschie 
denen religiösen Uebungen des Tages vorzugs 
weise durch Beschäftigung mit Ackerbau, als zur 
Kräftigung des Körpers dienlich, vorgeschrieben. 
Leider hat sich das Kloster Weißenstein nicht 
immer in Reinheit der Sitten erhalten. Dafür 
spricht der Umstand, daß im Jahre 1483 sein 
oberster geistlicher Herr, der Erzbischof von 
Mainz, die Aufsicht über dasselbe dem Prior des 
Augustiner-Klosters zu Bodecke im Hochstifte 
Paderborn übertrug und dazu mit sehr um 
fassender Vollmacht. Dieser sollte unter Zu 
ziehung eines von ihm erwählten Ordens- oder 
Welt-Geistlichen das Kloster, so oft er es für 
nöthig erachte, im Jahre besuchen und über alle 
Ausschreitungen und Vergehen zu Gericht sitzen, 
Beichtväter bestellen und Bußen und Strafen 
verhängen u. s. w?) 
Uebrigens wurden dem Kloster auch jetzt ver 
•* *) Haas. Versuch einer hessischen Kirchengeschichte 
(1782) S. 304 fg. 
*) Zusti, S. 44 fg. 
schiedene Zuwendungen zu Theil. So versprach 
Landgraf Wilhelm I., der Aeltere, als seine 
Tochter Mechthilde in das Kloster eintreten 
wollte, diesem eine Summe von tausend Gulden 
baares Geld oder ebensoviel an Früchten nach 
Gefallen des Convents, und letzterer stellte mit 
der Priorin Margaretha von Treißbach, als 
Prinzessin Mechthilde wirklich eingekleidet wurde, 
Quittung über die gedachte Summe aus (1500), 
deren Zahlung durch Anweisung auf den Zoll 
in der Stadt Kassel erfolgte, von der sie außer 
dem noch verschiedene Einnahmen bezogen.') 
Die große Kirchenreformation im 16. Jahr 
hundert, insbesondere die Synode zu Homberg, 
1526, führte den Untergang der Klöster in 
Hessen herbei. Die Nonnen des Klosters Weißen 
stein erhielten Abfindungen an Geld oder 
Naturalien, die genannte Priorin Margarethe 
von Treißbach 120 Gulden, die Ordensschwester 
Magdalene Dippel 6 Viertel Korn. Im Ganzen 
wurden 14 Verzichtbriefe, welche theils von 1527, 
theils von 1528datiren, ausgefüllt. Das Kloster 
gebäude , nur von einem Vogte und einem 
Oekonomieverwalter bewohnt, blieb bis zum An 
fange des folgenden Jahrhunderts. Da ließ Land 
graf Moritz der Gelehrte dasselbe abbrechen 
und an der Stelle ein stattliches Schloß erbauen. 
(25. Juni 1606) Dieses, vollständig massiv auf 
geführt , bestand aus einem Haupt- und zwei 
Flügelgebüuden, welche ein nach dem Walde hin, 
auf der Westseite, offenes Viereck bildeten. Nur 
das Hauptgebäude wurde zur fürstlichen Wohnung 
eingerichtet, die Seitenflügel dienten zu wirthschaft- 
lichen Zwecken. In Winkelmann's Beschreibung 
der Fürstenthümer Hessen und Hersfeld (Bremen 
1697) 2 ) findet sich eine ausführliche Schilderung: 
„Dos Schloß an sich selbst und dessen mitler 
Bau ist voller schöner Fürst!. Gemächer und 
Sälen, haben einwärts den krosxsot gegen 
den Wald, außenwärts aber über ein sehr 
breites Thal gegen Cassel, welches man allda 
wie auch sonst noch etliche Meilen Wegs weit 
sehen kann; die anderen beyden Seiten sind, 
wegen der guten Viehzucht des Orts, lauter 
Ställe und Scheuern, auch andere zur Hauß- 
haltung gehörige Gebäu, doch alles von Stein. 
Auf der Süder-Seiten liegt in der hoch er 
hobenen Ringmauer ein schöner weit um 
fangener Lustgarten, darbey auch ein fein 
x ) Zusti S. 47. fg. Auf das Obige beziehen sich auch 
Posten in den Kasseler Stadtrechnungen (Vereins-Zeitschrift 
N. F. III. Suppl.) S. 140 u. 143 v. 1513, S. 167 v. 1520 
5 Gl. denen v. Weißenstein; S. 169 v. 1520: 3 Pf. den 
Jungfern vom Weißenstein vom Brauhause auf der Fulda: 
Einnahmen, welche sie mit anderen Klöstern gemeinsam hatten. 
r ) Th. I S. 288; vgl. Piderit S. 152; Geschichte und 
Beschreibung von Wilhelmshöhe (1805) S. 27 fg.
        

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