Full text: Hessenland (3.1889)

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Jung theilnahm, anschloß. Die alten Herren, sowie 
die aktiven Mitglieder des Corps waren Uber die 
Sympathicen und Aufmerksamkeiten, die ihnen von 
der Bürgerschaft entgegengebracht wurden, geradezu 
entzückt und gaben in einer großen Danksagung ihren 
Empfindungen Ausdruck. (Frkf. Ztg). 
— Am 11. Juni fand die feierliche Enthüllung 
des Hutten-Sickingen-Denkmals auf der 
Ebernburg unter zahlreicher Betheiligung von 
Festgenossen statt. Professor Oncken von Gießen 
hielt die Festrede. Nachdem Buchhändler Schmithals 
die Stiftungsurkunde verlesen hatte, fiel die Fülle 
von dem Denkmal, dessen Anblick stürmischen Jubel 
hervorrief. Das Denkmal trägt die Inschrift: „Den 
Vorkämpfern deutscher Einheit und Größe: Ulrich von 
Hutten und Franz von Sickingen". 
Todesfälle. Am 7. Juni starb zu Kassel 
nach längerem Leiden der Geheime Regierungsrath 
a. D. Eduard Wendelstadt. Derselbe war 1815 
zu Hersfeld geboren, hat sonach ein Alter von 74 
Jahren erreicht. Allgemein wird das Hinscheiden 
dieses durch seine persönliche Liebenswürdigkeit aus 
gezeichneten Mannes auf das Lebhafteste beklagt. Er 
war ein, namentlich um das Emporblühen der Land 
wirthschaft in Hessen, hochverdienter Beamter von 
edelstem Charakter, der sich durch seine vertrauen 
erweckende Freundlichkeit und Leutseligkeit, durch sein 
treues, biederes Wesen die Herzen Aller, die mit ihm 
in Berührung kamen, zu gewinnen wußte. Nekrolog 
folgt später. — Am 20. Mai verschied zu Gers- 
feld im Alter von 42 Jahren der Pfarrer Joseph 
H offmann, gebürtig aus Fulda, der vor seiner 
Ernennung zum Pfarrer im Jahre 1886, 14 Jahre 
als Kaplan der katholischen Pfarrgemeinde in Kassel 
eine gesegnete und ehrenvolle Thätigkeit entfaltet hat. 
Das Andenken dieses würdigen Priesters wird von 
Allen, die ihn kannten, hochgehalten werden. 
Hessische Kücherschau. 
Die Stadt R a u s ch e n b e r g in Ober- 
tz e s s e n. Geschichte und Beschreibung von Eduard 
B r o m m. Mit zwei Illustrationen und einer 
Karte. Marburg, Oscar Ehrhardts 
Universitäts-Buchhandlung. 30. 116S. 
1,50 M. 
Seitdem durch das Erscheinen von Wencks aus 
führlicher hessischer Landesgeschichte (1783 - 1803) 
und der leider unvollendet gebliebenen „Geschichte 
hessischer Städte und Stifter" des kurhessischen Ar 
chivars C. B. N. Falckenheiner der Sinn für 
Einzelforschung in Hessen geweckt wurde, sind eine 
Reihe von Geschichten und Beschreibungen einzelner 
Städte, so von Treysa, Jesberg, Hersfeld, Kassel, 
Schmalkalden, Gelnhausen, Hanau, Ziegenhain u. a. 
erschienen, die den Bewohnern ein zusammenhängendes 
Bild der Entwicklung ihrer Stadt von der Grün 
dung bis zur Gegenwart bieten sollen. Diesem 
Zwecke entspricht auch die Schrift über Rauschenberg 
von Eduard Bromm. Um indes das in schöner 
Waldfrische gelegene Städtchen auch weiteren Kreisen 
bekannter zu machen, hat der Verfasser dem ersten 
Theile, welcher die innere Geschichte behandelt, eine 
ausführliche Beschreibung der Stadt in ihren jetzigen 
Verhältnissen folgen lassen und giebt als Anhang 
eine Reihe, zum Theil recht interessanter Bolkssagen, 
sowie einige Gedichte, in welchen die Stadt und Um 
gebung verherrlicht werden. Dem ersten Theil ist 
ein Illustration: „Rauschenberg vor 300 Jahren, 
nach Merlan," beigefügt, die Illustration vor dem 
2. Theil zeigt uns die Stadt in der Jetztzeit. Am 
Schluffe befindet sich noch eine Karte der Stadt und 
Umgebung, welche die Einzeichnung der in dem 
Texte angegebenen Spaziergänge enthält. 
In dem ersten Theile, welcher die äußere Ge 
schichte der Stadt behandelt, betont der Verfasser die 
Zugehörigkeit Rauschenbergs zum Wohrathale. Ur 
sprünglich befand sich auf dem Burgholzer Berge 
eine wahrscheinlich im 10. Jahrhundert von der 
Abtei Fulda gebautes Schloß. Nach dessen all 
mählichem Verfall, wohl auch hauptsächlich mit Rück 
sicht auf eine geschütztere Lage, wurde das Schloß 
Rauschenberg auf einem Kegel, welcher den letzten 
Ausläufer des von Schönstadt sich hinziehenden Berg 
rückens bildet, gegründet. Was die Uranfänge des 
Ortes Rauschenberg betrifft, so nimmt der Verfasser, 
entgegen der Ansicht Landau's, den Oekonomiehof der 
Burg und einzelne Wohnungen der Burgsassen als 
Entstehungsursache an. Interessant sind sodann die 
Schilderungen von der Vergrößerung der Stadt und 
ihrer Befestigung (es werden beidemale 3 Perioden 
unterschieden), sowie der Versuch des Verfassers, die 
Stelle im Walde genau zu bestimmen, wo Landgraf 
Wilhelm verunglückte. (S. 43.) 
Im zweiten Theile, der beschreibender Natur ist, 
interessiren am meisten die Angaben über die Trüm 
merreste auf dem Schloßberge, welche den bestehenden 
Ansichten auf Grund genauerer Ortsuntersuchung 
gänzlich widersprechen. 
In dem ersten Theile hätte der Verfasser vielleicht 
noch auf die freilich schwer zu lösende Frage hin 
weisen können, wie es kam, daß (nach der Urkunde 
des Grafen Gottfried von Ziegenhain dat. 1. Ok 
tober 1291 bei Wenck, Urk. II. S. 231) auf der 
ganzen Strecke von Wohra bis zum Burgholzer 
Walde, — „in loco qui dicitur Wara usque ad sil- 
vam Burgholz“, — die Jagd nicht ziegenhainisch 
war, sondern dem Landgrafen Heinrich von Hessen 
zustand. Ferner behandelt der Verfasser S. 31 aus 
führlich die Frage, wo denn der Hausbesitz der 
Grafen von Ziegenhain zu suchen sei, da doch der
        

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