Full text: Hessenland (3.1889)

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Als dieser Knopf, welcher so groß war, daß er 
260 Maß Wasser faßte, dreihundert Jahre später, 
im Jahre 1877, entfernt und durch einen neuen er- 
setzt wurde, fand man in demselben ein jetzt im Archiv 
des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 
aufbewahrtes Pergamentblatt, dessen Inhalt, soweit er 
noch entzifferbar ist, folgendermaßen lautet: 
„Das Oberste achteckichte theil dieses Glocken Thormes 
sampt dem umbgang uff dem viereckichten stuckwerk 
ist angefangen worden zu bawen Im Jahre nach 
Christi unsers erloesers gebürt 1564 und vollendet 
im Jahre 1565. Unnd ist der gndst Rcgiernde Fürst 
des Landes zu Hessen gewesen Landgrave Philips 
von gott gnaden der Elter, welcher vier föne mit 
frewlin Cristine Hertzogin zu Sachsen erzeugt. Land 
grave Wilhelm, Ludwig, Philips und Georg, und 
damals das 62 Jahr seines (Lebens erreicht hatt. 
Decanus und Pfarher des Stiffts war M. Bar- 
tholomaeus Meier von Alsfelt, Caplan — — us 
Jmmenhusen, Luxerintenckons und pfarher in der 
alten) studt M. Casparlanius von Kauffungen, Caplan 
daselbst M. Michael Heroldt von Eschwege und in 
der Neuenstadt Johann Erhardt von Kirchhain, Bürger 
meister der (Alt)stadt erstlich (Licie)rarius Waldenstein, 
darnach — — —. 
Bawemeister von dieses (Werk) Hanß von Ulm 
unseres gn. F. unnd H. Baumeister, Werkmeister zum 
steynwerk Meister Jakob L . . . . lin, zum Holtzwerck 
Meister Dham von Rotenb(urg). Unnd hat hierzu 
unser gn. F. unnd H.stewert (jähr?)lich an Hundert gülden 
den andern — — stadt Kassel und des Stiffts." 
W. 
Alexander Herman n von W a r t e n s l e b e n 
und sein Dragoner-Regiment. Das !. hessische 
Husaren-Rcgiment Nr. 13, früher kurhessisches Leib- 
Husaren-Regiment,*) welches am 21. November- 
vorigen Jahres das 75jährige Fest seiner Wieder 
errichtung (21 November 1813) und gleichzeitig das 
200jährige Fest seines Bestehens feierte, hätte dieses 
letzte Fest schon im November 1867 begehen können, 
denn im Jahre 1667 ist sein Urstamm auf Befehl 
der Landgräsin Hedwig Sophie, einer Schwester 
des großen Kurfürsten, welche die Regierung für 
ihren minderjährigen Sohn Karl führte, errichtet 
worden, und zwar in 4 Kompagnien bestehend, die 
wegen ihrer rothen Uniformen, die „rothen Reiter" ge 
nannt wurden. (Siehe Wilhelm Beck, die „n uere 
Kriegsgeschichte der Hessen", -1. Band, Seite 14.) 
Diese „rothen Reiter" sollten vermuthlich die Wieder 
errichtung des berühmten „rothen Reiter-Regimentes" 
bedeuten, das im Jahre 1631 errichtet wurde 
*) Vergl. „Hessenland", Jahrgang 1887, Nummer 7 u. 8. 
und nach dein „Westphälischen Frieden" wieder 
einging. 
Die .rothen Reiter" blieben in der Formation 
von 4 Kompagnien bis in den November 1683, wo 
sie, auf Befehl des Landgrafen Karl, durch den 
Obersten A l e x ander Her m a n n v o n Wartens- 
leben, durch Anwerbuug von 2 neuen Kompagnien, 
zu einem Dragoner-Regiment formirt wurden, das den 
Namen „D r a g o n c r - R e g i m e n t v o n W art e n s - 
leben" erhielt. (Siehe Beck, Seite 38 und Stamm- 
und Rangliste des Kurfürstlich-Hessischen Armee-Korps 
vom Jahre 1866.) 
Dieses Dragoner-Regiment zeichnete sich, unter 
verschiedenen Namen, in allen Kriegen und bis in 
die neueste Zeit rühmlich aus. In der Schlacht an 
dem Speierbach, den 15. November 1703, eroberte 
es, als „Dragoner-Regiment Erbprinz Friedrich", im 
Verein mit dem Regiment „Gensd'armcs, dem Regiment 
„Karabiniers" und dem Regiment „Leibdragoner", 
4 Dragonerfahnen, 16 Estaudarten und 3 Paar 
Pauken von den Franzosen. (Siehe Beck, Seite 75.) 
A l cx a n d er H erm a n n von Wartensleben, 
der erste Kommandeur und Chef des Regimentes 
war im Jahre 1650 in Westphalen geboren und 
wurde, in Gemeinschaft mit den landgräflichen Prinzen, 
am Hofe zu Kassel erzogen. Er trat nicht gleich in 
hessische Kriegsdienste, sondern, wie dies damals stark 
in der Mode war, in französische Dienste, in denen 
er bis in das Jahr 1673 verblieb. Nach Hessen 
zurückgekehrt, ernannte ihn die Landgräsin-Regentin 
zum ältesten Hauptmann im Infanterie-Regiment 
von Brügge und im Jahre 1675 zum Major im 
Jnfantcrir-Regiment von Uffemkeller, welches 
zu dem Korps gehörte, das die Regentin den Dänen 
gegen die Schweden zur Hülfe sendete. In diesem 
Feldzuge fand der 25jährige Major von Wartens 
leben mehrfach Gelegenheit sich besonders hervorzuthun. 
Im Jahre 1680 ernannte ihn der Landgraf Karl 
zum Oberstlieutenant bei dem 1. Bataillon des 
Infanterie-Regimentes „Prinz Philipp", und kurz 
darauf zum Kommandeur der Garde; dann machte 
er die Feldzüge der Jahre 1683 und 1684 in 
Ungarn mit, und wurde im Jahr 1685 Oberst und 
Chef des 1. Bataillons des Infanterie-Regimentes 
„Prinz Philipp". 1686 wurde er Kommandant der 
Festung Ziegenhain und gleichzeitig Oberamtmann 
der Grafschaft Ziegenhain. 
Als der Landgraf Karl im Frühjahr 1688 der 
Republik Venedig ein Infanterie-Regiment von 10 
Kompagnien, das Regiment „Prinz Karl", unter 
dem Oberstlieutenant du Mont zur Hülfe gegen 
die Türken, und zwar nach Morea sendete, erhielt 
der Oberst von Wartcnsleben den Auftrag dieses 
Regiment in Venedig vorzustellen und daun dasselbe 
bis an den Ort seiner Bestimmung zu begleiten. 
In Venedig angekommen, stellte Wartensleben das 
Regiment dem Dogen Markus Antonius Giust in iani
        

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