Full text: Hessenland (3.1889)

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Bonifatiusfeste im Jahre 1844 nahmen noch Theil 
folgende in Marburg neu-, bezw. wieder- immatrikulirtc 
Studiosen aus Fulda: Albert HerquePchMmand von 
Kei^-Franz Kern (si), Theodor Morchutt (si), Karl 
Uckermann, Hermann Weber, Ferdinand Zwenge^^- 
Als Gäste waren die zu Marburg wohnenden, aus 
Fulda stammenden Professoren, Beamte u. s. w. 
geladen. Es waren dies Professor Dr Konrao 
Büchel, die Privatdocenten Dr. Konstantin Zwenger 
und Dr. Franz Knorz, die Obergerichtsräthe Justus 
Rang und Ludwig Heinrich Wiederhold, Obergerichts- 
secretär Anton Knorz, Hauptmann Gümpel, die Aktuare 
Friedrich Fleischmann von Amöneburg und Karl 
Weinzierl von Rosenthal, mehrere Geistliche der Um 
gegend u. s. w. 
Eine sich noch im Besitz des Schreibers dieses 
befindliche Fahne*), welche auf der eineu Seite das 
Fuldaer Stadlwappen, auf der anderen den Land 
grafen Philipp den Großmüthigen als den Stifter 
der Universität zeigte, wurde auf dem Festplatz auf 
gepflanzt ; die aus Fuldaer Musikern bestehende 
Marburger Kapelle empfing die Festgenossen bei 
deren Ankunft auf der Spiegelslust mit dem Vor 
trage der Melodie der prächtigen Bonifatius-Hymne, 
der s. g. Fuldaer Marseillaise, Meister Doll löste die 
Böller, dann spielte die Musik ermunternde Stücke. 
Die Studiosen Gegenbaur, Etzel und Hornfeck halten 
weihevolle Gedichte zur Verherrlichung des Festes 
verfaßt; die Chargirten der in Marburg bestehenden 
Corps waren der Einladung zum Fest gefolgt und 
trugen durch ihre Anwesenheit gleichsam als Reprä 
sentanten der Marburger Studentenschaft zur Er 
höhung der Festfreuden und einer äußerst gemüth 
lichen, während der ganzen Feier der Feste herrschenden 
Stimmung wesentlich bei. Die herrliche Natur, der 
treffliche aus Horas bei Fulda bezogene kühle Gersten 
saft ließen Alters- und Standes- — sowie studentische 
Korps-Unterschiede leicht vergessen; man fühlte sich 
frei von den fesselnden Banden des Alltagslebens 
und den beschränkenden Verkehrs- und Umgangsformen 
und genoß nur mit Frohsinn die eilenden Stunden! 
Neben dem heimathlichen Bier waren aber auch 
alle Speisen Fuldaer Ursprungs. So das Brod, 
das „hausbacken" sein mußte, wie der Alderman 
stud. Kreisler sich ausdrückte, der Schwartenmagen 
(nach Kreisler s. g. „Wintergut"), Nonnenseufzer, 
deren Darbietung ungetheilten Beifall fand, endlich 
aber die so beliebten und damals ganz vortrefflichen 
Knoblinen. Auf langer Stange paarweise aufgehängt, 
nachdem sie an Ort und Stelle gekocht waren, wurden 
sie zum Ergötzen aller von den Studiosen Kreisler 
und Groß auf der Schulter getragen und den Fest 
*) Die Fahne, von Maler Bodenstein gemalt, hat später 
noch häufig bei Studenten-Aufzügen ihre Dienste leisten 
müssen. So u. a. im Zuli 1845, bei dem Sängerfeste in 
Marburg, bei welchem Stud. Hermann Scheuch als Fahnen 
träger fungirte. 
genossen noch dampfend dargeboten, deren jeder sich 
ein Paar von der Stange entnahm. 
Nachdem den heimathlichen Speisen ungetheiltes 
Lob gespendet und wacker zugesprochen war, setzten 
sich alle Anwesenden unter Vorantritt der Musik 
in Marsch und nahmen an einem Punkte 
der Spiegelslust Aufstellung, von welchem aus 
man das Rhöngebirge erblicken konnte. Dort wurde 
das Gegenbaur'sche Festlied „Laßt mir der 
Heimath trautes Banner wallen" angestimmt, von 
Professor Büchel in warm empfundenen Worten 
der gemeinsamen Heimath und der alma mater 
Philippina, welche die Söhne Buchoniens mit 
geistiger Nahrung zur Reife brächte, gedacht und beiden 
ein begeistertes Hoch ausgebracht. Hiernach wurde der 
Rückweg nach dem Festplatz angetreten. Beim Scheine 
bunter, grünweißer (der Fuldaer Stadtfarben) Lampen 
wurde noch manches der zu dem Feste besonders aus 
gewählten Lieder in gehobener Stimmung gesungen 
und gegen Mitternacht der Heimweg mit Fackel 
beleuchtung durch den damals noch nicht so wie jetzt 
wegsamen Bergwald angetreten. 
So endete ein in solcher Art wohl nicht oft vor 
kommendes Fest, welches durch keine Mißhelligkeit 
gestört, vom Geiste wahrer Freundschaft und Fröh 
lichkeit durchdrungen, allen Teilnehmern eine nur 
angenehme Erinnerung geblieben ist. Gar mancher 
ruht schon lange unter grünem Rasen, nur 15 
athmen noch das rosige Licht. Ihnen schrieb ich 
dies zur Erinnerung, unsern Nachkommen zum Ge 
dächtniß und zur Erkenntniß studentischen Treibens 
vor 45 Jahren! 
I. Schwank. 
Als Landgraf Heinrich der Eiserne im 
Jahre 1328 die Regierung Hessens antrat, hatte 
sich die Bevölkerung der Stadt Kassel in so hohem 
Grade vermehrt, • daß er die Erbauung eines neuen 
Stadttheils für nöthig hielt und auch alsbald damit 
begann. Da die Straßen in demselben, die sgn. 
Freiheit, sehr bald entstanden, beschloß er zur Krönung 
des Werkes den Bau eines mächtigen Domes, welcher 
dem heiligen Martin geweiht wurde. Der Bau fiel 
aber in eine sehr unglückliche Zeit, namentlich hatte 
im Jahre 1348 die Pest zahlreiche Opfer gefordert 
und in den Jahren 1340 bis 1350 hatten mehrfach 
große Wasserfluthen die Ernten vernichtet. Da es 
außerdem häufig an den nöthigen Geldmitteln fehlte, 
so war im Jahre 1364 von den beiden geplanten 
Thürmen erst einer bis zum ersten Umgang fertig 
gebracht. Die Vollendung dieses Thurmes bis zur 
Schließung der Kuppel und Aussetzung des Knopfes 
fand erst zweihundert Jahre später unter Philipp dem 
Großmüthigen in den Jahren 1564 und 65 statt.
        

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