Full text: Hessenland (3.1889)

174 
Bei jeder Arbeit, ja selbst Nachts in Träumen, 
Faßt dieses Fernweh mich mit Geierkrallen, 
Gefesselt suhl' ich mich in heim'schen Räumen, 
Ach, könnt' ich doch in fremde Länder wallen. 
Und weiter, weiter, bis zum Meer dem fernen, 
Dann ließ' ich tragen mich auf seinen Wellen, 
Den Himmel über mir mit gold'nen Sternen, 
Wegweiser mir zu jenen heil'gen Quellen. 
So endlich wird gestillt das heiße Sehnen, 
Das von der Seele hier will nimmer lassen, 
Da giebt es keine Schmerzen mehr und Thränen, 
Das höchste Ziel, dann darf ich es umfassen. 
Emilie Wepkcr. 
Kiebeslist. 
Arethusa steht im Bade, 
Als Alpheus sie erblickt 
Und der Nymphe vom Gestade 
Seiner Liebe Zeichen schickt. 
Doch Diana war zur Stelle 
Und verwandelt rasch und setzt 
Nach Sizilien sie als Quelle, 
Wo sie duft'ge Fluren netzt. 
Arethusa netzt die Fluren, 
Netzt sie mit der Götter Gunst, 
Doch Alpheus folgt den Spuren 
Und belacht Diana's Kunst: 
Von Arkadien, unter'm Meere, 
Bahnt der Flußgott sich die Bahn, 
Und vor solcher Sehnsucht Schwere 
Wird die Nymphe Unterthan. 
Sank dann eine Nektarschale 
Zu Olympia in den Fluß: 
Stieg im Arethusathale 
Sie empor bei Syrakus. 
Und noch heute sind die Triebe 
Edler Sehnsucht voller List, 
Weil so listig wie die Liebe 
Nichts auf dieser Erde ist. 
Kart Sreser. 
"""* Aus alter und neuer Zeit. 
Marburger Erinnerungen. I. Boni- 
fatiusfest. Das Studentenleben in Marburg zu 
Anfang der vierziger Jahre war ein ganz eigen 
artiges, indem sich dasselbe eines Theils an das 
aus den dreißiger Jahren Ueberkommene, Her 
gebrachte anlehnte, dies festhielt und pietätsvoll be 
wahrte, anderen Theils aber auch den Strömungen der 
Neuzeir, namentlich derjenigen Zeitrichtung Rech 
nung trug, wie sie sich in den Dichtungen und 
Schriften voll Herwegh, Prutz, Hoffmann von Fal 
lersleben, Freiligrath, Lenau rc. rc. aussprach. Es 
vermochten jedoch diese geistigen und theilwe.ise geist 
reichen Ausführungen jener begabten Männer beim 
Marburger Studenten nicht den Zug des Historischen 
und die Anhänglichkeit an das Hergebrachte, auf 
hessischem Boden Entsprossene zu verwischen; im 
Gegentheil — bewußt oder unbewußt - fühlte das 
Gemüth des Marburger Studenten sich getrieben, 
bei jeder sich bietenden Gelegenheit — und wo 
fehlle eine solche jemals bei dem erfindungs- und 
phantasiereichen Musensohne? — seiner Anhänglich 
keit an das von den Vorfahren Ueberkommene und 
Beobachtete in studentischer Weise Ausdruck zu ver 
leihen und dieses solchergestalt der Vergessenheit zu 
entziehen. 
Diesen Gedanken und Gefühlen Rechnung zu 
tragen, fühlten sich vor Allen die Corps berufen. 
Waren sie doch unbestritten und anerkannt die Ver 
treter der Studentenschaft und wurden als solche 
auch von den Nichtcorpsstudenten, die theils einem 
der Corps sich als „Mitkneipanten" anschlossen, 
theils von allen studentischen Interessen und Be 
wegungen aus diesem oder jenem Grund als sog. 
Kameele oder Wilde fern hielten und damit ihre 
Gleichgiltigkeit gegen alles studentische Leben und 
Streben zu erkennen gaben, willig betrachtet. 
So faßten denn auch eine Anzahl aus Fulda ge 
bürtiger Corpsburschen in Marburg den Entschluß, 
das Andenken des Apostels der Deutschen, des hei 
ligen Bonisatius, dessen herrliches Denkmal, die 
genialste Schöpfung des berühmten Künstlers Werner 
Henschel, am 17. August 1842 zu Fulda feierlich 
enthüllt worden war, durch ein Fest auf der Spiegels 
lust bei Marburg in akademischer Weise, gepaart 
mit Humor und Jovialität, sowie im Anklang und 
unter Anlehnung an das spezielle Fuldaische zu 
feiern und damit der Anhänglichkeit an ihre engere 
Heimath unverhohlen Ausdruck zu geben. 
Das Fest fand am 16. Juni 1843 auf der 
Spiegelslust statt und wurde am 28. Juni 1844 
wiederholt. An dem ersteren betheiligten sich von 
den damals in Marburg studierenden Fuldaern die 
Studiosen: Martin Altmannsperger (f), Joseph von 
Boxberger (f), Ludwig von Dernbach (f), Eugen 
Etzel (f), Jakob Gegenbaux ^Wilhelm Grau (f), 
Magnus Groß, Justus Hohmann, Friedrich Hornfeck ('s), 
Gustav Hupfeld, Karl Knies, Wilhelm Kreisler (f), 
Christian Laberenz (-s), Ferdinand Merz (si), Amand 
Nehm (f), Joseph Rübsam (f), Hermann Scheuch, 
Leonhard und Anton Schultheis, Joseph Schwank, 
Justus Thomas, Julius Will (f); an dem zweiten
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.