Full text: Hessenland (3.1889)

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willkommen, wie die Katzenelnbogischen. Wozu nun 
dergleichen schiefe Anschauungen ins Volk tragen! 
Unser Raum geht zu Ende! Dennoch können wir 
vom „Ehrenbüchlein" nicht scheiden, ohne noch des 
Verfassers Kenntnisse in der neueren Geschichte einer 
Stichprobe zu unterziehen. 
Er sagt S. 42: „Wilhelm VIII., unter dessen 
Regentschaft der erste dieser (der schlesischen) Kriege 
ausbrach, hatte ebenso wenig als sein katholischer 
Sohn Gesinnungs-Theilnahme für König Friedrich II. 
von Preußen u. s. w. Demgemäß stand dann auch 
in beiden ersten schlesischen Kriegen Hessen-Kassel ... 
mit England gegen den preußischen Friedensbrecher 
und dessen französischen Bundesgenossen im Feldes 
Die Worte ftnb ebenso abgeschmackt als falsch. 
Ein jedes Kind weiß, daß im österreichischen Erb 
folgekriege hessische Truppen sowohl für als gegen 
die Sache Kaiser Karls VII. fochten. Gegen 
Preußen haben sie gar nicht im Felde gestanden. 
Was aber das Verhältniß Hessens zu Preußen i. a. 
und das Wilhelms VIII. (damals noch Statthalter) 
zu Friedrich II. i. b. betrifft, so genügt ein Blick in 
den Band 2 der Politischen Correspondenz Friedrichs 
des Großen, Berlin 1879 (!), um zu erkennen, daß 
solches ein durchaus freundschaftliches war. 
Ich lasse einiges zum Beweise hier folgen: 
1) Verhandlungen zwischen Preußen und Hessen- 
Kassel wegen eines Vertrages (abgeschlossen 23. März 
1743): Preußen übernimmt die Garantie der hessischen 
Lande, Hessen die von Schlesien und Glatz. 
2) Wilhelm in Berlin (26. Maibis2. Juni 1743) 
3) Associationsproject des Prinzen Wilhelm zwischen 
verschiedenen Reichsstünden, darunter Preußen und 
Hessen. S. 403. 
4) Einladung des Prinzen Wilhelm nach Berlin 
und Aufmerksamkeit des Königs für denselben, den 
13. Oktober 1743. S. 444, 446 (der König schenkt 
ihm kostbares Porzellan). 
5) Sendung des hessischen Ministers v. d. Asse 
burg nach Berlin (Dez. 1743); es heißt in dem 
Schreiben des Königs an den Prinzen darüber 
(S. 486): J’accepte avec un contentement infini 
168 temoignagesd’amitie et d’affection 
que Votre Altesse vient de me donner dans la 
lettre du 27 novembre. 
Wer da weiß, in welchen: vertrauten Briefwechsel 
Wilhelm VIII. stets mit Friedrich II. gestanden hat, 
(das Verhältniß beider war derartig, daß der König 
beim Tode des Landgrafen sagte, er habe seinen 
besten Freund verloren;) wer ferner erwägt, daß es 
nur die Begeisterung für den großen König war, die 
den Erbprinzen Friedrich von Hessen bewog, den 
Lockungen Oesterreichs zu widerstehen und in preußische 
Dienste zu treten, der kann die Unterstellungen des 
„Ehrenbuches" nur als frivole bezeichnen. 
Die Geschichtsschreibung ist eine ernste Wissen 
schaft, kein Spiel für Dilettanten, um ihre über 
flüssige Zeit todt zu schlagen. Am wenigsten aber 
sind Leute dazu berufen, welche die Geschichte so 
schreiben, wie sie ihrer Meinung nach sein soll, 
nicht wie sie wirklich war. Die hessische Geschichts 
schreibung erfreut sich vielleicht nicht hoher Protektion. 
Um so mehr muß das hessische Volk dahin streben, 
sich seine Geschichte rein und unverfälscht zu erhal 
ten. Da kann man nur wünschen: Gott bewahre 
uns vor solchen Forschern! Denn mit diesem „Ehren 
büchlein" können wir keine Ehre einlegen. 
Kugo Urunner. 
Aufruf 
für eine« Anssich tstyur in anf dem 
Milstein. 
Unter den Bergen des schönen Hessenlandes hat der 
int Kaufunger Wald sich erhebende Bilstein bei Groß 
almerode durch seine unvergleichliche Aussicht von jeher 
in besonderem Grade die Wanderer und Freunde eines 
edlen Naturgenusses angezogen und gefesselt. 
Leider wird neuerdings in Folge des Emvorwachsens 
der Bäume die Aussicht mehr und mehr beeinträchtigt. 
Eine Freilegung derselben durch Abholzung läßt sich 
nicht ermöglichen. Auf vielseitige Anregung hat sich 
deshalb die in Großalmerode bestehende Sektion des 
Niederhessischen Touristen-Bereins in Verbindung mit dem 
Werrathal-Verein — Sektion Witzenhausen —' zur Er 
richtung eines Aussichtsthurmes auf dem Bilstein ent 
schlossen. Schon find für diesen Zweck namhafte Betrüge 
bereit gestellt. Noch aber ist der größere Theil der be 
trächtlichen Kosten aufzubringen. Wir richten deshalb 
an alle Naturfreunde und Touristen, namentlich auch an 
alle den Natnrgenuß pflegenden Vereine die herzlichste 
Bitte, durch Geldspenden das Werk zu unterstützen und 
so zur Erhaltung der Bilsteinattssicht in ihrer seitherigen 
Schönheit beizutragen. 
Die Unterzeichneten nehmen etwaige Gaben mit großem 
Dank entgegen. 
Jde, Oberförster, 
Vorsitzender des Werrathal-Vereins 
„Sektion Witzenhausen". 
Martin, Amtsrichter, 
Vorsitzender des Niederhess. Touristen-Vereins 
„Sektion Großalmerode". 
Briefkasten 
C. P. Wächtersbach. Besten Dank und freundlichsten 
Gruß. 
K. Sch. Vockenheim. Läßt sich für diese Nummer 
beim besten Willen nicht bewerkstelligen. 
? Bockenheim. Wollen Sie gefälligst Ihre 
Adresse angeben, damit wir Ihnen brieflich antworten 
können. 
Pr. W. F. Marburg. Sie haben uns durch Ihre 
Zusendung sehr erfreut. Besten Dank. Abdruck folgt in 
der nächsten Nummer. 
Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zwenger in Kassel. — Druck von Friedr. Scheel in Kassel.
        

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