Full text: Hessenland (3.1889)

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Die Reichsabtei Hersfeld bis zur! 
Mitte des dreizehnten I a h r - 
Hunderts. Von Philipp Hafner, 
Gymnasiallehrer. Hersfeld, Verlag von 
Hans Schmidt 1889. (147 S.) Preis 2 M. 
Verfasser hat bei der am 31. Juli v. I. zu 
Hersfeld abgehaltenen 54. Generalversammlung des 
Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 
über den gleichen Gegenstand einen Vortrag gehalten, 
welcher großen Beifall fand. In dem angezeigten 
Schriftchen liegt uns dieser Vortrag in vielfach er 
weiterter Gestalt vor, zugleich durch fortlaufende 
zahlreiche Quellennachweise belegt. Da der Inhalt 
bereits in dem vorjährigen Bande des Hessenlaudes 
(S. 265 — 266) den Lesern vorgeführt worden ist, 
beschränken wir uns hier auf Angabe der Titel der 
einzelnen Kapitel: I. Die Abtei Hersfeld von ihrer ? 
Gründung bis zum Ende der Karolinger. II. Die 
Abtei zur Zeit der sächsischen Kaiser. III. Dieselbe 
zur Zeit der salisch-fränkischen Kaiser. IV. Dieselbe 
zur Zeit der Hohenstaufen. V. Die inneren Ver 
hältnisse der Abtei während des letzten Zeitraums. 
Bon den Beilagen sei hier besonders erwähnt eine 
bisher ungedruckte Hersfelder Urkunde, betr. die Be 
lehnung des Markgrafen Friedrich von Meißen mit 
Gütern und Städten im jetzigen Königreich Sachsen 
durch Abt Heinrich von Hersfeld (23. Juli 1292). 
Allen, die sich für die alte gemüthliche Lullusstadt 
interessiren, sei das Schriftchen warm empfohlen. 
A. 
Hessisches E h r e n b ü ch l e i n. Kurzer Abriß 
der Landeskunde und Geschichte. Kassel 1885. 
(Gustav Klaunig). II. 64 S. 8". 
Auf keinem Gebiete der deutschen Spezialgeschichte 
hat sich seit zwei Jahrzehnten der Dilettantismus 
so breit gemacht, als auf dem der hessischen. Dieser 
Umstand ist in mehr als einer Hinsicht sehr zu be 
klagen. Abgesehen davon, daß für bessere wissen 
schaftliche Leistungen der Boden entzogen wird, ver 
liert das Publikum auch den rechten Maßstab für 
die Werthschätzung guter Arbeiten und beklagt sich, 
wenn es nicht blos angenehm unterhalten wird. 
Andererseits steigen die Dilettanten zu wahrhaften 
Geschichtspäpsten auf, die um so gefährlicher sind, 
als ihnen, die keine Selbstkritik zu üben vermögen, 
auch jede andere Kritik als persönliche Kränkung erscheint. 
Wer das oben genannte Werkchen verfaßt hat, ist 
mir zwar nicht bekannt, da der Verfasser sich leider 
nicht genannt hat. Allein der selbstbewußte Ton, mit 
dem kritiklose Behauptungen als geschichtliche Wahr 
heiten aufgetischt werden, läßt den Dilettanten erkennen. 
Was mich besonders veranlaßt, das bereits vor vier 
Jahren erschienene Buch jetzt noch einer Besprechung 
zu unterziehen, hat seinen Grund darin, daß ich kürz 
lich im Gespräche Ansichten über unsere vaterländische 
Geschichte begegnete, deren Verkehrtheit eben in diesem 
! „Ehrenbüchlein" wurzelte. So wollen wir einige 
Proben hier folgen lassen, soweit der Raum ausreicht. 
S. 2. Die Bataweu seien, heißt es, aus dem Ober 
lahngau ausgewandert, „wo noch die Grafschaft Batten 
berg.^ Dies wird nicht etwa als Vermuthung, sondern 
als Thatsache ausgesprochen, obwohl wir über die Sache 
nichts weiter wissen, als die Mittheilung des Tacitus, 
daß die B. ein Zweig der Chatten seien, aus bcm 
Lande ausgewandert wegen innerer Zwistigkeiten. 
Die Erklärung, daß Battenberg nicht zu Batzcnberg 
oder Bassenberg geworden (vergl. Batava castra — 
Pazouua, Passau), bleibt uns der Verfasser schuldig. 
Etwas milder heißt es auf S. 22: Selheim in 
Oberhessen, früher Saliheim, „bürste“ der Aus 
gangspunkt der salischen Frauken gewesen sein. Ab 
gesehen davon, daß der Verfasser, wollte er sich 
anders historisch richtig ausdrücken, sagen müßte: 
der Ort wird wahrscheinlich Saliheim geheißen 
haben, — denn die älteste belegte Form ist Seleheim 
— so wird auch verschwiegen, daß die Nächstliegende 
Ableitung von ahd. sal — Hans ist, as. seli, nhd. 
Saal, wie ahd. auch z. B. die Form selihüs — 
Saalhaus sich findet. Nun gibt es außerdem der 
Sale- oder Seleheim mehrere, z. B. eines 
bei Schwellungen in Thüringen; ferner Selnl un 
weit der Lippe in Westfalen, Zeelhem bei Diest; es 
gibt ein Seli buch in der Grafschaft Wied am 
Rhein, jetzt Selbach; dgl. bei Vilmar au der Lahn, 
jetzt Seelbach; dgl. bei Heilbronn, jetzt Söllbach; es 
gibt ein Selihobon am Chiemsee, ein Selihurst in 
Westfalen, — die alle mit gleichem Anspruch als 
Ausgangspunkte der salischen Franken gelten konnten. 
Was Rich. Schröder i. I. 1880 über die Salier 
und die Herkunft der Franken überhaupt in Sybel's 
Hist. Ztschr. Bd. 43, S. 1 ff. schrieb, ist dem Ver 
fasser offenbar fremd geblieben. 
Was aber ist nach dem allen,so möchten wir fragen mit, 
so gänzlich haltlosen und in der Luft schwebenden 
Vermuthungen über die Herkunft dieses oder jenes 
Volksstammes für die Geschichtsforschung gewonnen? 
Nichts! im Gegentheil, da sie den unbefangenen 
Blick des Lesers trüben, sind sie geradezu ein Unrecht, 
und allenfalls den Steinen zu vergleichen, welche 
muthwillige Knaben dem ernsten Wanderer in den 
Weg werfen. 
Auf S. 21 lesen wir erstaunt Folgendes: „Einige 
Jahre nachher ward aber, schon gleich bei einem der 
mordbrennerischen Einfälle der Römer, ihre alte 
Hauptstadt an der Edder in Asche gelegt. Mattiakunl 
oder gekürzt Mattium, im achten Jahrhunderte 
Matziachi, dann Metzach, heute Metze — ein Dorf.« 
Mattium kommt vor, Metze dergleichen; die 
übrigen Namen — sind Erfindung, um so dreistere 
Erfindung, als gleich das Jahrhundert beigesetzt wird, 
wo die Form Matziachi vorkommen soll. Metze 
wird zuerst im Jahr 1074 genannt und heißt da 
„Mezehe". Tacitus nennt Ann. XI, 20 den
        

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