Full text: Hessenland (3.1889)

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selb, Hofmarschall a. D. Freiherr von Verschuer, 
Kabinetsrath Schimmelpfeng, Kammerdirector Preser 
rc. rc. bei. Superintendent Rollmann hielt an der 
Familiengruft die Trauerrede. Vielfach nahm er 
Bezug auf das Testament des Verewigten, welches 
tief bewegliche Einblicke in dessen Gemüths- und 
Seelenleben gewahrten und Zeugniß ablegten von seiner 
liebevollen Gesinnung und zarten Fürsorge für die 
treue Gefährtin seines Lebens, die Gräfin Ludoviea 
von Schaumburg, geb. von Alten, und seine beiden 
Söhne. Die „Fuldaer Zeitung" ist in der Lage, 
den Anfang des Testaments authentisch mitzu 
theilen. Wir lassen denselben hier folgen: Nach 
den einleitenden Worten heißt es: „Zunächst ein 
Abschiedswort an meine Lieben. Nach einem wechsel 
vollen und schicksalsreichen Leben, nach vielem Bitte 
ren und Herben, das ich erfahren und nachdem ich 
von Ort zu Ort gewandert ohne Rast und Ruhe, 
war es mir beschieden, wenn auch außerhalb des 
deutschen Vaterlandes und unter nie erlöschendem 
Heimweh doch mit Dir, meine innig geliebte Ludo- 
vika, mir ein stilles und sicheres Dasein zu gründen. 
Ich danke Dir für die Liebe, die Du mir zu 
gewendet, für die Treue, die Du mir bewahrt und 
für die Fürsorge, die Du mir stets bewiesen hast. 
Pflege Dich und finde Dich in die Verhältnisse, wie 
ich sie Dir nach meinem Tode bieten kann. 
Ich bitte Dich, vergiß alle bitteren Stunden, die 
wir verlebt haben und laß mich in bcni Gedanken 
von Dir scheiden, daß Du in Liebe und Freundschaft 
meiner gedenken willst. 
Lebe wohl, Gott beschütze Dich und nehme unsere 
Söhne in seine Obhut. Euch, meine beiden Söhne 
sage ich diesEhret euere Mutter, auf daß es Euch 
wohlergehe auf Erden, denn ihrer treuen Liebe zu 
mir verdankt Ihr Alles. Lasset mich hoffen und 
versprecht mir dies, daß Ihr mit Eurer Mutter im 
innigsten Verkehr bleibt und sie so oft als möglich 
besucht. Laßt es Euch insbesondere angelegen sein, 
daß sie die Freude habe, zu Weihnachten oder an 
sonstigen Gedenktagen, die vereint zu verleben unsere 
schönste Familienfreude war, Euch bei sich zu sehen, 
Gedenket bei den ersten Weihnachten auch ein wenig 
an mich, wenn ich nicht mehr bei Euch bin. 
Alle meine Wünsche für Euch fasse ich in den 
einen zusammen: Werdet Eurer Mutter ihres Alters 
Stolz und Sonnenschein. 
§. 1. Meine Leiche soll in Fulda beigesetzt wer 
den. Hier habe ich mein Domizil gehabt, bis das 
Jahr 1866 kam, und hier will ich unter hessischer 
Erde in Frieden ruhen. Der Begräbnißplatz auf 
dem Todtenhof soll so gewählt werden, daß für zwei 
Gräber darauf Raum ist und soll mit einem ein 
fachen eisernen Gitter umzäunt werden. Mein Wunsch 
ist, daß dermaleinst auch meine Gemahlin hier neben 
mir ihre Ruhestätte finde; haben wir uns doch in 
Fulda dereinst gefunden und von da unsere gemein 
same Reise durch das Leben angetreten, möge sie 
daher gebe Gott erst in vielen, vielen Jahren, mir 
auch im Tode dahin nachfolgen nach dem Wort: 
Wo Du begraben bist, will ich auch begraben sein. 
Meinen beiden Söhnen soll das Recht und die 
Möglichkeit gesichert sein, wenn sie wollen, neben 
bent Grabe ihrer Eltern zu ruhen. — 
Ich lebte und sterbe in der Hoffnung auf die 
Barmherzigkeit Gottes. Mein Grab soll mit einem 
Marmorstein bedeckt werden, auf welchem mein 
Wappen und die Inschrift stehen soll: 
Hier ruht 
Friedrich Wilhelm, Fürst von Hanau, 
Graf von Schaumburg, 
geboren Wilhelmshöhe den 18ten November 1832 
gestorben — 
Die „Züricher Zeitung" widmet dem Prinzen 
Friedrich von Hanau einen warmen Nachruf, in dem 
sie ganz besonders dessen Wohlthütigkeitssinn hervor 
hebt. In der That, der Verewigte ist stets' ein 
wohlwollender, edeldenkender Mensch gewesen und wenn 
er auch in seinar Jugend nicht frei von Verirrungen 
gewesen sein mag, so ist er doch geläutert aus den 
selben hervorgegangen. In den letzten Jahrzehnten 
war er in der Schweiz ansässig, wo er sich ein glückliches 
Familienleben und ein behagliches Heim am Gestade 
des Züricher Sees gegründet hatte. Durch sein Testa 
ment hat er sich und seiner Familie ein ehrendes 
Denkmal gesetzt. Friede seiner Asche. 
Hessische Dücherschau. 
— Das soeben erschienene Juniheft der „Deutschen 
Rundschau" enthält die Fortsetzung von Julius 
Rodenberg's literarischem Essay: „Franz 
Dingelstedt. Blätter aus seinem Nach 
laß." Hatte Julius Nodenberg in dem ersten Ab 
schnitte die Jugendzeit Franz Dingelstedt's in Rinteln 
behandelt, so beschäftigt er sich in dem vorliegenden 
zweiten Abschnitte mit der Universitütszeit des Dichters 
in Marburg und der hannoverschen Episode. Wir 
behalten uns vor, auf diese zweite Abtheilung des 
hochinteressanten Essay gleichwie auf die erste in 
einer späteren Nummer unserer Zeitschrift zurück 
zukommen. — Dasselbe Heft der „Deutschen Rund 
schau" bringt noch eine andere sehr bcachtenswerthe 
Abhandlung von einem hessischen Schriftsteller: „Die 
Wehrkraft Italiens" von Otto Wachs, 
Major a. D. Der Verfasser war früher kurhessischer 
Offizier, zuletzt königl. preußischer Major im 2. 
hannoverschen Infanterie-Regiment Nr. 77. Durch 
seine gediegenen militärwissenschaftlichen Arbeiten hat 
er sich einen sehr geachteten Namen in der literarischen 
Welt erworben,
	        

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