Volltext: Hessenland (3.1889)

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1866 beu Feldzug gegen Oesterreich, 1870/71 
als Oberst den gegen Frankreich mit, und nahm 
u. a. an den Schlachten von Gravelotte, Beau 
mont, Sedan und St. Quentin theil. Ist jetzt 
General-Lieutenant und Divisions-Commandeur 
zu Darmstadt. 
Prinz Wilhelm von Hessen-Darmstadt, ein 
Bruder des vorigen, geboren 1845, wohnte im 
Feldzuge gegen Frankreich 1870/71 den Schlachten 
von Mars la Tour, Gravelotte, Noisseville, 
Orleans, der Cernirung von Metz und verschie 
denen Gefechten bei. 
Prinz Alexander, ein Sohn des Groß 
herzogs Ludwig II. von Hessen-Darmstadt, geb. 
1823, nahm als kaiserl. russischer Generalmajor 
und Kommandeur der Kavallerie 1845 an dem 
Feldzug gegen die Bergvölker im Kaukasus in 
hervorragender Weise theil, weshalb er mit dem 
Ritterkreuz des Militair-St.-Georgordens dekorirt 
wurde, trat 1853 als Generalmajor in die k. k. 
österreichische Armee. 185? kämpfte er in Italien 
gegen die Franzosen und Piemontesen, wurde 
Feldmarschalllieutenant und erhielt das Ritter 
kreuz des Maria-Theresia-Ordens. 1866 wurde 
er vom König von Württemberg im Feldzug 
gegen Preußen zum Kommandeur des 8. deut 
schen Bundeskorps ernannt. 32 Orden, darunter 
der k. preußische Militairorden xour Io inorito 
und der kurf. hessische Militair-Berdienstorden 
pour In vortu militaire schmückten seine Brust. 
Indem wir noch anfügen, daß in hessen- 
kasselschen Diensten auch folgende Offiziere dienten: 
Prinz Karl Leopold von Anhalt (als General- 
lieutenant), 
Graf von Frieß, 
Graf Leopold von Styrum, 
Graf Ernst von Lippe Alverdissen, 
Graf Karl Georg Ludwig von Stollberg, 
Graf Vinzenz von Hohenfeld, 
schließen wir diese Zusammenstellung und be 
halten uns deren Fortsetzung und Vervollstän 
digung vor. 
Heimweh! 
I. 
Nun liegt in gold'nen Lenzesträumen 
Das wunderschöne fremde Land 
Mit Blüthenduft auf allen Bäumen 
Und blauem Schmelz am Donaustrand. 
Die Schwalben droben jubiliren, 
Die Tauben kreisen um's Gestein, 
Die Kinder aus den Höfen führen 
So wie daheim den Ringelreihn. 
Ich neige tief mein Ohr, zu lauschen, 
Ob's Worte selig mir gefeit — 
Ob Verslein mir zum Herzen rauschen 
Die eigne liebe Kinderzeit. 
Wie war da unschuldsvoll das Leben, 
Der Himmel nah — die Schuld ein Traum! 
Mich faßt ein herzentstammtes Beben 
Und meinen Thränen wehr' ich kaum. 
Es faßt mich seltsam an — sie singen — 
Doch nicht der Chattenweise Ton, 
Die Lieder, die da unten klingen, 
Die hört' ich im Theater schon. 
Die Stirne senkend in die Hände 
Seh' ich die alte Linde weh'n — 
Ist mir's, als ob am Bachgelünde 
Sich jauchzend Hessenkinder dreh'n. 
II. 
Ich weiß ein Land — o nicht am Rhein 
Und nicht am ew'gen, stolzen Meer: 
Ein stilles Ländchen — ernst und klein, 
Gedankenvoll und sorgenschwer. 
Mit dünnem Korn auf karger Flur — 
Mit Hütten — lehmgebaut und arm — 
Mit wen'gen stolzen Städten nur — 
Ein Waisenland — daß Gott erbarm! 
Doch nährt es seine Kinder treu — 
Giebt Jedem mit, soviel er braucht, 
Und ehrlich steht es, sonder Scheu, 
Von frischer Waldesluft durchhaucht. 
Und in dem Ländchen fern und klein, 
Drin meine Wieg' gestanden ist — 
Lebt heute noch mein Mütterleiu — 
O armes Land, wie reich du bist. 
III. 
Durch stille Wiesen wandern Bäche — 
! Die ernsten Waldesmassen hüten 
Auf Bergen rings der Thäler Frieden, 
Daß kein zu rauher Sturm ihn breche. 
Viel Blumen steh'n an Rain und Halde, 
Die Turteltaube girrt im Grunde, 
! Die Amsel singt zu früher Stunde, 
Daß sie den goldnen Tag erwecke.
        

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