Full text: Hessenland (3.1889)

160 
In Köln wurden die Hessen mit Sehnsucht 
erwartet. Denn Herzog Karl's Heerschaaren 
zogen sich immer gefahrdrohender bei Macstricht 
zusammen. Als der erste im Felde erschien der 
Hofmeister Hans vou Dörnberg, dann folgten 
ihrer aber täglich mehr, schöne und stattliche 
Leute, bis endlich der Landgraf selbst erschien. ') 
Alsbald begann die Belagerung der Stadt 
Linz am Rhein, in der Erzbischof Ruprecht für 
den ihm bei Bonn verlorenen Zoll jetzt doppelte 
Neujnhrsblatt des Vereins f. die Gesch. Frank 
furts, a. a. O. S. 18; daselbst in einem Briefe S. 71 
heißt es: „Der lantgrasf H(einrich) von Heßen ist hier 
gewest vnd hautt am siberlich som solck mit im hir 
bracht rc." 
Steuer erhob und damit die Kölner schwer be 
lästigte; allein die Belagerung schritt nur langsam 
vorwärts. Hans von Dörnberg, gewiß der 
Leiter des Ganzen, wurde mit einer Büchse 
durch den Hals geschossen; und als Ende Juli 
die ersten burgundischen Schaaren in das kölnische 
Gebiet einrückten, mußte die Belagerung auf 
gehoben werden.') 
(Fortsetzung folgt.) 
/) Es ist also nicht richtig, was versch. Hess. Chronisten, 
wie der Anonymus bei Senckenberg, Sel. jur. Hl., 
485, G erst enb erger u. a. sagen, daß Landgraf Heinrich 
Linz erobert habe; die Stadt wurde vielmehr erst im 
nächsten Jahre durch das Reichsheer bezwungen. Ennen 
a. a. O. S. 535 f. 
eulsche Kolöalm ln Kewport während der Fahre IT?6 
bis M9. Kessen Belagerung lm Fahre M8. 
Von CI. D. L. 
(Schluß.) 
Am Nachmittage des 1. Septembers segelte 
wiederum eine starke Flotte in den Newpvrter 
Hafen, dies Mal mit Freude begrüßt. Es war 
General Clinton, der auf 72 Schiffen 4500 
Mann brachte. Hätten nicht widrige Winde 
um mehrere Tage seine Ankunft verzögert, so 
würde man die Amerikaner spielend besiegt 
haben. Nachdem er mit seinem Stabe, unter 
Salutschüssen von sämmtlichen Batterien, gelandet 
war, erkannte er, nach kurzer Jnspizirung der 
Befestigungen, die Gefahr, in der die Garnison 
geschwebt hatte. In einem Tagesbefehle sprach 
er sich anerkennend über die vou ihr und ganz 
besonders den deutschen Truppen bewiesene Tapfer 
keit aus. Dann segelte er, nachdem er noch neue 
Befestigungen angeordnet, wieder ab. — Die 
erschöpften Soldaten erfreuten sich einer kurzen 
Ruhezeit und ließen sich die von der Flotte ge 
brachten Proviantmittcl schmecken. 
Selbigen Monat löste Admiral Byron den 
nach England zurückkehrenden Lord Howe ab 
und General Preßcvt übernahm General Pigot's 
Kommandv, der nach New-Iork fuhr. Am 12. 
Oktober kamen 400 Mann vom Regiment 
Ansbach-Bayreuth und 100 Mann leichter 
Kavallerie unter Major von Dieskau aus Deutsch 
land an. Die Ueberfahrt hatte 22 Wochen, 
also nahezu ein halbes Jahr, gedauert, und die 
Mannschaften waren daher nickt im besten Zu 
stande. Am 26. wurden die Winterquartiere 
bezogen, jedoch tonnte nur ein Theil der deutschen 
' Truppen in Häusern untergebracht werden. Der 
Winter war so streng, daß eine Menge Soldaten- 
weibcr, ein hessischer Sergeant und ein Tromm 
ler erfroren. Mangel an Nahrung und Feuerung 
fing an sich fühlbar zu machen, da die franzö 
sische Flotte keine Transporte von Long-Jsland 
oder New-Hork durchließ. Biele Einwohner ent 
gingen dem hereinbrechenden Elende durch Flucht 
auf das Festland. Vom 1. Januar 1779 ab 
wurden nur halbe Rationen Brot und statt der 
anderen Hälfte Reis vertheilt. Das Brot ivurde 
mit Hafer- und Reismehl gebacken. Am 11. 
Januar trafen weitere Verstärkungen aus Deutsch 
land ein und mit ihnen ein Arzt, Doktor Schöpp, 
der seine „Reisen in Nordamerika" im Jahre 
1798 veröffentlichte. Nachdem alle Bäume, eine 
Anzahl alte Häuser und alles alte Holz, dessen 
man irgend habhaft werden konnte, als Brenn 
material benutzt worden waren, fing man schließ 
lich an mit Torf zu heize». Der Nahrungs 
mangel wurde immer empfindlicher — Brot 
wurde aus allem Möglichen und Unmöglichen 
gebacken, die Fleischrativnen wurden auf die 
Hälfte verringert und getrocknete oder gesalzene 
Fische statt dessen ausgetheilt. Endlich am 21. 
Januar kamen sieben englische Schiffe mit Lebens 
mitteln an. Sie kanien von Irland und gehörten 
zu einer Transportflotte, die von dort Proviant 
für die New-Iorker Truppen gebracht hatte. Die 
„Loyalen" machten einen Streifzug auf das Fest 
land und erbeuteten 300 Stück Bich. Diese 
„Loyalen" waren Eingeborene der Insel, die 
dem Könige Treue geschworen hatten. Sie
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.