Full text: Hessenland (3.1889)

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der festen Orte des Erzstiftes, darunter das 
wohl verwahrte Schloß Poppelsdorf bei Bonn, 
in seine Gewalt gebracht hatte, ließ die Waffen 
ruhen und Ruprecht seinerseits hob die Belage 
rung von Ahrweiler, das er mit starker Mann 
schaft umlagert hielt, auf.') 
Aber während auf dem westlichen Kriegsschau 
plätze die Waffen ruhten, die Plünderungen und 
Verwüstungen des kleinen Krieges einen Augen 
blick nute hielten, kam es an der hessischen 
Grenze zu neuen Feindseligkeiten. 
Hier hatten die „Westphälinger," d. h. die 
Einwohner der kurkölnischen Bezirke von Brilon, 
Volkmarsen u. a. O., welche dem Erzbischöfe ergeben 
blieben, wie wir weiter unten sehen werden, sich 
schon i. I. 1473 an dem Kriege durch Raub 
und Plünderungszüge in das hessische Gebiet 
betheiligt. Auf St. Katharinentag, den 25. No 
vember, schickte nun Landgraf Heinrich seinen 
Amtmann Johann Schenck zu Frankenberg mit 
anderen Rittern und Reisigen aus dem Amte 
Battenberg nebst den Bürgern der letztgenannten 
Stadt aus vor den Scharfenberg, um Gleiches 
mit Gleichem zu vergelten. * 2 ) Es schneite und 
schluckte und war ein uustatigcs Wetter, erzählt 
der Chronist; dazu war das Volk hungrig; da 
schnitten die von Brilon den Landgräflichen den 
Rückzug ab und überfielen sie in einem Hohl 
wege; viele erschlugen sie, andere nahmen sie 
gefangen mit fort. Vergebens, daß Landgraf 
Heinrich seine Leute forderte, sie mußten sich 
selbst mit eilt großes Lösegeld freikaufen. 3 ) 
Zur Vergeltung berannte der Graf von 
Schwarzburg, als des Landgrafen Hauptmann, 
im folgenden Jahre auf den Pfingstabend (den 
28. Mai) die Stadt Volkmarsen und trieb hier 
2000 Schafe und 18 Kühe hinweg. 4 ) Herzog 
Karl und Erzbischof Ruprecht aber nahmen diese 
(und ähnliche) Verletzungen der Waffenruhe, wie 
es scheint, zum Vorwände, um die Ausgleichs- 
0 Ennen a. a. O. S. 494. 
2 ) Nicht der Scharte»berg, wie einzelne Chronisten 
lesen, kann gemeint sein, denn der war ja hessisch und ge 
hörte zum Leibgedinge L. Hermanns. Hier ist Scharfen 
berg unweit Brilon offenbar zu verstehen. 
3 ) Wigand Gerst enbe rger's Frankenberg. Chronik 
(Anal. Hass. Coll. V., S. 224). Das Jahr 1472 ist hier 
fälschlich angegeben; Gerstenberger selbst hat richtig 1473 
in seiner thüringisch-hess. Chronik (Monimenta Hassiaca ed. 
Schmincke, II, S. 849); ebenso steht cs in den Excerptis 
chronici Riedeseliani (Anal. Hass. Coll. III., S. 84); 
vgl. Dilich's Hess. Chronik II., 286 f. Mich wundert, 
daß bis jetzt noch niemand die Ereignisse bei Frankenberg 
mit der Kölner Fehde in Verbindung gebracht hat, was 
doch so nahe liegt. 
4 ) Hess. Zeitrechnung, 42.Forts., vgl. dazu Landau 
in der Zeitschr. s. Hess. Gesch. rc. I., 829. Des Zuges 
vor Volkmarsen gedenken auch die Riedesel scheu Excerpte 
Anal. Hass. a. a. O., S. 85). 
Verhandlungen abzubrechen, indem sie nunmehr 
den Gegnern allein die Schuld des neuen Krieges 
zuschoben. *) 
Persönlich scheint Landgraf Heinrich bis dahin 
in den Krieg noch nicht eingegriffen zu haben. 
Er hatte, wie Ennen in seiner Geschichte der 
Stadt Köln, III., 506 angiebt, zu Aschaffenburg 
eine Zusammenkunft mit Kaiser Friedrich, in 
deren Folge er kräftige Anstalten zum Feldzuge 
machte. Im Juni 1474 hatte er ein stattliches 
Heer in Oberhessen beisammen. Die Grafen 
von Nassau, Solms, von Sahn, Wittgenstein, 
Waldeck u. v. a. waren in seinem Gefolge; der 
Kurfürst von Brandenburg, der Herzog von 
Sachsen, der Bischof von Würzburg, der Abt 
von Fulda und viele Grafen und Herren des 
Reiches hatten ihm, dem von Augsburg aus an 
sie erlassenen kaiserlichen Gebote entsprechend, 
Hilfsvölker zugeschickt; mit denen verließ er am 
27. Juni Marburg und rückte in das kur 
kölnische Gebiet ein. *) 
Die Stadt Brilon war die erste, die sich 
unterwarf und hohen Schadenersatz zahlte; auch 
das Schloß Scharfenberg ließ der Landgraf 
brechen und zog dann weiter an den Rhein. 
Für die von ihm aufgewandten und noch auf 
zuwendenden Kriegskosten verpfändete ihm das 
Domkapitel das knrkölnische Schloß Kogelnberg 
(Kugelburg) bei Volkmarsen, diese Stadt selbst, 
sowie die Städte Medebach, Winterberg, Hallen 
berg und Schmalenberg, laut eines Vertrages 
vom 24. Juni. 3 ) Da diese Städte anderweitig 
bereits verpfändet waren, Volkmarsen an Rabe 
von Canstein, die übrigen Aemter an Johann 
Schenck von Schweinsberg den Alten, so fiel dem 
Landgrafen allerdings die Verpflichtung zu, diese 
Pfandgläubiger erst abzufinden, was mit öiner 
Summe von 30000 Gulden geschah; Volkmarsen 
wurde sogar i. I. 1477 noch vergeblich von 
Heinrich belagert. H 
’) Ennen a. a. O. S. 494 f.; wenn dieser Geschichts 
schreiber sagt: .der Landgraf Heinrich setzte geringes Ver 
trauen in den Erfolg des anberaumten Tages ... Cr 
wollte sich nicht lauschen lassen; sein Ziel fest im Auge, 
warf er sich mit seinen Reisiaen in den rechtsrheinischen 
Theil des Erzstiftes," so weiß ich nicht, worauf sich solches 
bezieht, zumal nähere Angaben fehlen. Auch vermag ich 
Ennens Auslassungen an dieser Stelle nicht mit dem auf 
S. 806 Gesagten zu vereinigen , wo es heißt, daß Land 
graf Heinrich erst auf des Kaisers Gebot vom 29. Juni 
die Vertheidigung des Erzstiftes übernommen habe. 
h Gerstenberger's Frankenb. Chronik (Anal. Hass, 
a. a. O. S. 226 ff.) beschreibt das Lager bei Schreuffa 
unweit Frankenberg. Vgl. auch Ztschr. für Hess. Gesch. rc. 
I. 327. 
3 ) Lacomblet IV., 473. 
4 ) Zeitschr. f. Hess. Gesch. I., 330. Rommel III., 
Anm. S. 88.
        

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