Volltext: Hessenland (3.1889)

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durch einen Berg unterbrochene Weite: gleichsam 
ein weites Meer mit unzähligen Inseln. Starr 
und schweigend blickte ich hinaus in die Unend 
lichkeit, und meine Brust füllte sich mit Gefühlen, 
die endlich so wehmüthiger Natur wurden, daß 
mir Thränen über die Wangen rollten. Wir 
konnten nur schwer, trotzdem daß ein furchtbarer 
Sturm uns belästigte, von dieser göttlichen Stelle 
uns losreißen. Wir fuhren hierauf an's andere Ufer 
und bestiege» den Jakobsberg, auf dem wir in 
der Klause des alten, freilich nun todten In 
validen Friedrich des Großen, Jakob, einen Kaffee 
tranken. Auch von diesem Punkte ist die Aus 
sicht schon, doch schöner vom Wittekindsberge. 
Zwei Böller, welche abgefeuert wurden, gaben 
ein furchtbares Echo. Beide Berge hingen augen 
scheinlich ehemals zusammen, bis die Finthen 
der Weser sic durchbrachen. — Wir hatten auf 
gestern Abend noch eine Einladung zu einem 
Balle zu Rinteln, wir fühlten uns jedoch ver 
anlaßt, hier zu bleiben. Diesen Morgen ist 
Bernhardi wieder nach Minden, wo Delcsert 
heute eintreffen will. — Jetzt höre ich aber auf. 
Theilt diesen Brief meiner Familie niit. Grüßt 
herzlich die Enern. Auch Franke, und sollte 
Reuse da sein, auch den. Grebe wird wohl 
noch nicht zurückscin. 
Herzlich lebe wohl von Euerem Freunde 
G. Landau. 
—>— 
Aus Armanö's Weben 
Von W. Dennecke. 
(Schluß.) 
In verhältnißmäßig kurzer Zeit erschienen von 
Armand einige zwanzig, größtenteils mehrbändige 
Romane auf dem Büchermarkt und eroberten ihm 
im Sturm das leselustige Publikum, da er, wo es 
darauf ankam, mit glühender Phantasie zu schildern 
verstand und ein Schriftsteller, der den Chamisso'schen 
Vers 
„Und der das Lied Euch gesungen, 
Hat auch die Welt sich beschaut, 
Er hat bei den Wilden gehauset 
Und sich mit ihnen erbaut — “ 
auf sich anwenden kann, ist ja stets ein gern gesehener 
Gast auf dem Büchertisch. Von Armand's Romanen 
seien, außer den bereits erwähnten, noch als die 
hauptsächlichsten genannt: Bis in die Wildniß, An 
der Jndianergrenze, Schwarzes Blut, Der Krösus 
von Philadelphia, Alte und neue Heimath, Mexico, 
Ralph Norwood, welcher mit dem Bildnisse des Ver 
fassers erschien und Carl Scharnhorst, oder: „Scbnt 
und Abenteuer eines deutschen Knaben in Amerika- l ), 
welches Buch sich auch noch gegenwärtig als Jugend- 
schrift behauptet und mehrere Auflagen erlebt hat 
Wie Armand mündlich versicherte, daß die nord 
amerikanischen Indianer ausgesprochene „Lumpe" 
seien, so schilderte er sie auch mit geringen Aus 
nahmen in seinen Büchern, und vergeblich sucht man 
bei ihm nach Cooper'schcn Individualitäten. Die Ar- 
mand'schen Häuptlinge haben, obwohl sie nach der 
Natur gezeichnet sind, etwas vorwiegend Hausbackenes 
') Erschien 1887 in dritter Auflage, prachtvoll aus 
gestattet , mit Illustrationen, in der Buchhandlung von 
Ferd. Keßler zu Kassel. 
an sich, trotz ihrer wilden Pferde, ihrer furchtbar be- 
malten Gesichter und ihrer Lanzen und Pfeile. Romantik 
und Alltäglichkeit vermischt sich da auf eine ganz eigen 
artige Weise. So beschreibt er z. B., als er denFricdens- 
abschluß mir den Comanchen zu Stande bringt,den Einzug 
derselben in Friedrichsburg, mit den lebhaftesten Farben; 
an der Spitze der Weisen und Aeltesten dieser kriege 
rischen Nation reitet Santa Anna, der Kricgshänpt- 
ling, und Mopochocopie, die alte Eule, der Friedens- 
Häuptling, Alles ist auserlesen und macht den besten 
Eindruck, der Friede wird geschlossen und cs soll 
darauf an die Bewirthung der wilden Gäste gehen. 
Statt daß aber nun unzählige Hirsche und Bären 
an den Spieß gesteckt werden, wie man doch bei 
einem Jndianerdiner wohl erwarten dürfte, was 
thut der große Kapitän — ? Er läßt Kaffee kochen 
und diesen schöpfen die sonst so furchtbaren Comanchen 
sich in größter Gemüthlichkeit mit ihren Trinkhörnern 
ans den riesigen Kesseln, essen Zucker und Zwieback 
dazu und rauchen die ihnen offerirtcn Cigarren. 
Aller Wahrscheinlichkeit nach ist dies Bild Zug für 
Zug nach der Wirklichkeit entworfen, zeigt aber auch 
klar und deutlich, daß Armand seine Phantasie, gerade 
was die Indianer betrifft, in den engsten Schranken 
hielt und diese nur mit wenigen oder gar keinen 
Ausschmückungen bedachte. 
Armand nahm seinen Hauptwohnsitz in Kassel, 
lebte aber auch mehrfach außerhalb, so einige Zeit 
in Hannover, der „echten, wahren Königsstadt", wie 
er sie nannte, und bei seinem Freunde, dem bekannten 
Domherrn von Spiegel zum Desenberge, welchem er 
auch einen seiner Romane gewidmet hat. Mitte der 
sechsziger Jahre erneuerte Armand die Bekanntschaft
        

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