Full text: Hessenland (3.1889)

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ging er Vvn Neuem vor, bis seine rechte Flanke 
von einer starken Abtheilung angegriffen wurde. 
Er fand Deckung für dieselbe hinter einem Walle. 
Eine Zeit lang raste die Schlacht hin und her, 
bis sich die Engländer schließlich auf Turkey Hill 
zurückziehen mußten, da die Amerikaner fortwährend 
Verstärkungen erhielten. Es war vier Uhr Nach 
mittags. Malsburg war von 7 Uhr früh im 
Feuer gewesen und hatte doch nur vier Todte 
und 15 Verwundete auszuweisen! Er wurde 
mit seinen Leuten zur Deckung des linken Flügels 
an die Westküste gesandt. Die Kanonade wurde 
bis zum Einbrüche der Nacht fortgesetzt und dann 
besetzten 300 Amerikaner eine starke Stellung 
hinter einer steinernen Mauer, gerade vor der 
Nase der Engländer. — Zum dritten Male mußte 
Schießmunition ausgegeben werden. 
Während der Nacht vom 29. zum 30. standen 
beide Seiten unter Waffen und kampfbereit. Die 
Hessen sahen ihren Plan im letzten Augenblicke 
vereitelt, da ihnen nicht schnell genug Hülfstruppen 
nachgesandt wurden, um die eroberten Stellungen 
zu behaupten. Hätte mauBarringtonHill undWind- 
w.ill Hill gehörig befestigt und gleichzeitig die Ver 
folgung der Amerikaner energisch fortgesetzt, die 
letzteren hätten sich entweder ergeben oder auf die See 
flüchten müssen. Sie waren bereits bis zum Uebcr- 
gangsplatze (Bristol anck Howland Fernes) zurück 
gewichen , als sie fanden, daß die Verfolger nur 
über eine kleine, weitverstrcute Macht verfügten. 
Sie machten daher Kehrt, warfen sich mit voller 
Kraft auf dieselben und hatten binnen Kurzem 
die verlorenen Stellungen zurückerobert. 
Mit Tagesanbrüche begann am 30. die Kano 
nade von Neuem. Man rechnete auf einen An 
griff der Amerikaner, die sich statt dessen auf 
Barrington Hill zurückzogen und dort weitere 
Verschanzungen auswarfen. Am 31. waren sie 
verschwunden. Sie hatten während der Nacht 
die Ueberfahrt nach Bristol vorgenommen, wo sie 
ein Lager aufschlugen. Die Regimenter Land 
graf, v. Ditfurth und das 54. bezogen die ver 
lassenen Stellungen. — Der Verlust der Deutschen 
belief sich auf 19 Todte, 96 Verwundete und 13 
Fehlende. Hauptmann Wagner vom Regiment 
Huhne erlag seinen Wunden und wurde in New 
port beigesetzt. Die Engländer verloren 157 
Mann. Der Verlust der Amerikaner wurde auf 
3 bis 500 Mann geschützt. In seinem Berichte 
an den Kongreß spricht General Sullivan jedoch 
nur von 221. In Anbetracht der Länge und 
Hartnäckigkeit des Kampfes waren die Verluste 
auf beiden Seiten sehr gering. Sullivan be 
richtete: er würde den Angriff gern erneuert 
haben, wären seine Leute, von denen nur 1500 
bereits zuvor im Feuer gewesen seien, nicht durch 
Anstrengung und Nahrungsmangel erschöpft ge 
wesen. 
(Schluß folgt.) 
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Km Kries des nachmaligen Urchivralhes 
Kr. Georg Banöau. 
Unter hinterlassenen Papieren meines im Jahre 
1876 verstorbenen Vaters fand ich s. Z. auch 
einige Briefe seines treuen Jugendfreundes Georg 
Landau, die dieser an ihn und den ihm gleich 
falls befreundeten Andreas Hosimann in Kassel 
von seinen Reisen ans geschrieben hat. Die 
wesentlichste Frucht dieser Reisen liegt uns in 
feinen mit Recht hochgeschätzten Werken über 
unser Heimathland Hessen vor, für die er un 
ablässig sammelte, auch weiln er in seinem 
eigentlichen Berufe als Archivar am kurhessischen 
Staats- und Hausarchivc reiste; ergänzten sich 
doch bei ihin Beruf und schriftstellerische Thätig 
keit in erwünschtester Weise, sodaß sie sich gegen 
seitig zu Gute kamen. Einer der erwähnten 
Briefe schien mir, als ich neulich in der Muße 
der Ostertage mich nach langer Pause wieder in 
sie vertiefte, auch für weitere Kreise von Werth 
zu sein, da er uns einen schönen Einblick in das 
glücklich beanlagte Gemüth unseres nun schon 
vor fast 25 Jahren Heimgegangenen Landsmannes 
gewährt, in welchem sich mit naturfrischem Humor 
und treuer Anhänglichkeit an Vaterland und 
Freunde eine feine Gabe zu beobachten und zu 
schildern, vor allen aber eine unversiegbare 
Schaffensfreudigkeit und Arbeitslust vereinten. 
Der Brief ist gerichtet an: d. Herren Hosimanil 
u. Weinmeister und hat ein Alter vvn mehr als 
einem halben Jahrhundert. Ich gebe ihn im 
Folgenden wortgetreil wieder. 
Leipzig. Paul Weinmeister. 
Bückeburg, den 1. Oktober 1835. 
Liebe Freunde! 
Seit dem 28. v. M. bin ich hier, in der 
Haupt- und Residenzstadt eines jener deutschen 
Duodezstaaten, dessen Einwohnerzahl noch nicht 
einmal die unserer Vaterstadt erreicht. Ich will 
Euch einen gedrängten Abriß meiner Reise geben.
        

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