Full text: Hessenland (3.1889)

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großen Theil ihrer Kanonen ab, so daß nur noch 
drei Batterien blieben. Allgemein wurde auf 
einen scharfen Angriff von ihrer Seite vom 29. 
gerechnet, da sie sicher vom Nahen der Hülfstruppe 
Kenntniß hatten. Als jedoch die Engländer das 
Feuer eröffneten, erhielten sie keinen Gegengruß 
und fanden bald, daß der Feind über Nacht ab 
gezogen sei. Pigot sandte ihnen sofort einige 
Geschütze nach und 2000 Mann von der „leichten 
Infanterie", den Grenadieren und dem Regiment 
Ansbach-Bayreuth. Die Vorhut führte Haupt 
mann v. d. Malsburg mit 147 Mann aus den 
verschiedenen hessischen Regimentern. Er erhielt 
früh Morgens die Order nach der „Irischen Re 
doute zu marschiren und berichtet: „Als ich dort 
ankam, traf ich den General mit einem seiner 
Adjutanten in einem Wagen. Er rief mir zu: 
„„Der Feind ist auf dem Rückzüge. Folgen Sie 
ihm auf der Weststraße und rücken Sie so nahe 
an ihn heran als möglich. Machen Sie der 
Nachhut das Leben sauer und versuchen Sie die 
Bauern zu Gleichem zu bewegen. Wenn Sie 
falsche Berichte erhalten, stecken Sie den Kerls 
die Häuser an! Ist der Feind zu stark für Sie, 
so warten Sie auf Verstärkungen, die sofort nach 
gesandt werden. Ich gebe Ihnen diese beiden 
Dragoner mit, durch die Sie mir jede wichtige 
Nachricht senden werden."" 
Während Malsburg auf der Westchaussee vor 
ging, schlugen die „leichte Infanterie" und Gre 
nadiere die östliche Landstraße ein Er ging 
schnell vor und stieß bald auf eine feindliche Ab 
theilung, welche die Erdwerke am Rcdwood Hügel 
besetzt hielt. Er sandte Nachricht an Pigot 
und ging zum Angriffe auf die durch Mauern 
geschützten Piquets über, welche sich bald unter 
Verlusten an Todten und Verwundeten zurück 
zogen. Darauf besetzte er ein verlassenes Erd 
werk auf einem benachbarten Hügel, in Schuß 
weite der amerikanischen Stellung, sandte einen 
Theil seiner Leute über eine Mauer auf die andere 
Seite der Straße und ging nun von drei Seiten 
zugleich mit gefälltem Bajonett vor. Die Feinde 
schossen — ohne zu treffen — und zogen sich 
ca. 300 Fuß zu einem andern, befestigten Hügel 
zurück, der von einer Abtheilung in Blau und 
Weiß — also regulären Truppen der Republick 
— besetzt war. Auch diese Stellung fiel den 
unwiderstehlich vordringenden Hessen zum Opfer, 
freilich nicht, ohne daß es auch auf ihrer Seite 
Todte und Verwundete gegeben hätte. Beim 
weiteren Vordringen wurde plötzlich aus einem 
Maisfeld scharf auf den rechten Flügel gefeuert, 
so daß derselbe fast zurückgeschlagen worden wäre. 
Malsburg eilte zu ihm, stellte die Ordnung wieder 
her und sorgte, daß der verwundete Hauptmann 
Noltenius an einen sichern Platz gebracht wurde. 
Die Amerikaner zogen sich immer weiter zurück, 
bis sie eine von Mauern und Hecken gedeckte 
Stellung erreichten. Ein Offizier in grün und 
weißer Uniform jagte, den Degen schwingend 
hin und her und ermuthigte die Mannschaften. 
Als jedoch die Hessen mit erneutem Ungestüm 
von drei Seiten vorgingen, wichen sie weiter 
zurück. Die Hessen erlitten weitere Verluste an 
Todten und Verwundeten; v. d. Malsburg 
wurde leicht an der Hand verwundet durch eine 
Kugel oder einen Steinsplitter, während er über eine 
Mauer kletterte. Verwundete Amerikaner baten 
um Wasser, das ihnen die Hessen, die selbst stark 
von Durst zu leiden hatten, nicht gewähren 
konnten. Während der Verfolgung sah Malsbnrg 
wie ein Amerikaner auf ihn zielte; er hatte gerade 
noch Zeit sich zu bücken, so daß die Kugel ihm 
durch den Hut statt durch den Kopf ging. In 
zwischen waren Dragoner dem rechten Flügel des 
Feindes zu Hülfe gekommen, was jedoch die 
Hessen nicht vom weiteren Vorgehen abhielt. 
Fünf englische Meilen trieben sie den Feind vor 
sich her bis Turkey Hill, einem Hügel nahe der 
See. Hier zogen sie sich hinter eine Mauer 
unterhalb Barrington Hill zurück, da ihnen die 
Munition ausgegangen war. Jetzt gingen die 
Amerikaner in Masse zum Angriffe vor und 
ließen drei Batterien gegen Barrington Hill spielen. 
Malsburg zog seine Glieder auseinander, um 
seine Leute möglichst gegen das mörderische Feuer 
zu schützen und begab sich auf die Suche nach 
Munition. Dem verwundeten Lieutenant Mura- 
rius gab er das Pferd eines gefangenen Dragoners. 
Kaum war Schießmunition angefahren worden, 
als die Hessen vorzugehen verlangten, um die 
feindlichen Batterien zu nehmen. Unter dem 
Beistand inzwischen angelangter Artillerie stürmten 
sie denn auch den Hügel hinan, trafen aber ans 
hartnäckigen Widerstand. Männer in Hemdsärmeln 
und Neger waren es zumeist, die den Angriff 
abzuweisen suchten. An der Spitze seiner Leute 
kam Malsburg mit dem rechten Flügel in die 
Nähe einer Mauer, hinter der eine größere Ab 
theilung Deckung gefunden hatte und ein wüthendes 
Feuer auf seine Leute eröffnete. Von allen Seiten 
aus Hecken und Häusern wurde ans ihn geschossen, 
und er mußte sich, um nicht abgeschnitten zu 
werden, auf die rechte Seite der Straße zurück 
ziehen. Sein treuer Hund wurde gctödtet. — 
Während dessen hatte General v. Loßbcrg mit 
dem linken Flügel, zu dem auch vier hessische 
Regimenter gehörten, Turkey Hill erreicht. 
Er sandte die Regimenter Huyne, Bayreuth und 
the King’s Rangers (des Königs Forstmeister) 
der Vorhut zu Hülfe. Durch sie wurde v. d. 
Malsburg von seinem linken Flügel getrennt. 
Mit den Ring'» Rangers und seinen Leuten
	        

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