Full text: Hessenland (3.1889)

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um die Bedingungen zu vereinbaren, auf die hin 
der Friede hergestellt werden könne. Doch seine 
Bemühungen waren umsonst, Ruprecht wollte 
ans die ihm gethanen Vergleichsvvrschlägc nicht 
eingehen.ff 
Da war es von Wichtigkeit, daß die Reichs 
stadt Köln am 5. Juni 1473 auf die Seite des 
Administrators und des Domkapitels übertrat, 
und beide ein hundertjähriges Bündniß schlossen, 
demzufolge im Falle eines Angriffes auf die 
Stadt die Stände des Erzstiftes sich verpflichteten, 
ihr mit 1000 Mann zu Roß und ebensoviel zu 
Fuß zu Hülfe zu eilend) und auch Landgraf 
Heinrich von Hessen ging am 24. Juli mit der 
Stadt ein gleiches Bündniß ein: er versprach, 
im Angriffsfalle binnen 3 Wochen nach geschehener 
Aufforderung mit 800 Reisigen und 1200 Fuß 
gängern unter Anführung dreier tüchtiger Haupt 
leute der Stadt zu Hilfe zu ziehen?) 
Im November 1473 zog Landgraf Hermann 
Geschütz und Reisige aus Hessen an sich 4 ) und 
begann damit die Belagerung derjenigen Orte, 
welche noch in der Gewalt seines Gegners waren. 
Im November setzte er sich in den Besitz des 
Schlosses Poppelsdorf und lagerte vor Linz; 
bereits hatte er alle Anstalten zur Eroberung 
des Platzes getroffen, als ihm Einhalt geboten 
wurde. 
Kaiser Friedrich hatte sich in Person von 
Trier nach Köln erhoben, um die Beilegung der 
Streitigkeiten im Erzstift, welche eine Gefahr 
für das ganze Reich bedeuteten, in seine Hand 
zu nehmen. Am 30. November traf er, begleitet 
von seinem Sohne Maximilian, den Erzbischöfen 
von Mainz und Trier und vielem Gefolge in 
Köln ein, und am 14. Dezember ließ er Gesandte, 
darunter den Bischof von Eichstädt, nach dem 
Schlosse Brühl an Erzbischof Ruprecht abgehen 
und ihn zum Vergleiche auffordern, mit dem 
Versprechen, wenn er die Waffen niederlege, ihm 
ein billiger Richter zu sein. 
Ruprecht aber lehnte jegliches Entgegenkommen 
mit den trotzigen Worten ab: „Das Kapitel 
habe sich einen Mo mbar (Schützer, alt- 
hochd. inuntdoro) gewählt, so habe er 
dasselbe gethan. Sein Mombar sei 
der Herzog Karl von Burgund." 6 ) 
Das war ein klares Punktum. An keinen 
Geringeren als an Karl den Kühnen hatte 
1) Sa combl et. IV. 456. 
2 ) innen a. a. O. S. 483. 
3 ) Ebenda. S. 484. 
*) Ztschr. f. H. G. A. F. VI. 7 u. 57. 
') ib. S. 8. 
K ) Ennen a. a. O. S. 486. 
der Erzbischof sich also gewandt und hatte ihn 
in aller Form Rechtens zum Vogt und Schirm 
herrn des Erzstiftes ernannt. Dadurch erhielt 
aber der Herzog die längst ersehnte Gelegenheit, 
am Rheine festen Fuß zu fassen und den Lauf 
des Stromes uoch weiter hinauf in seine Gewalt 
zu bringen. 
Unter den Angen des Kaisers, am 11. De 
zember 1473, schickte der Burgunder seinen 
„Wappen-Regenten" in das Erzstist, die Vogtei 
seines Herrn überall zu verkünden und dessen 
Wappen anzuschlagen, ff 
Noch dachte indessen Kaiser Friedrich, der nie die 
Sachen auf die Spitze trieb, durch diplomatische 
Verhandlungen die Sache zum Anstrag zu bringen 
und die Einmischung Karls des Kühnen fern 
zu halten. Das Domkapitel legte die Sachen 
in seine richterliche Entscheidung. Am 12. Januar 
1474 entwarfen die Erzbischöfe von Mainz und 
Trier nebst andern Würdenträgern des Reiches 
im Aufträge des Kapitels eine Anzahl Punkte, 
auf die hin inan beide Parteien zur Einstellung 
der Feindseligkeiten zu vermögen hoffte. Man 
schlug vor, der Erzbischof solle das Kapitel in 
ungestörtem Besitze der Hälfte des Bonner Zolles 
lassen, dagegen das Schloß zu Poppelsdorf und 
den erzbischöflichen Hof in der Stadt Köln 
wiedererhalten; Landgraf Hermann solle den 
Titel eines Gubernators des Erzstiftes ablegen; 
das Absetznngsdekret solle widerrufen und alle 
Feindseligkeiten sollten eingestellt werden?) 
Für die Annahme dieser Punkte trat der 
Kaiser mit seinem ganzen Gewicht ein; Hermann 
und seine Stände waren geneigt, den kaiserlichen 
Vorschlägen sich zu unterwerfen, allein Ruprecht 
ließ sich auf bestimmte Erklärungen nicht ein. 
Zu tief war er wohl schon in die Verbindung 
mit Herzog Karl von Burgund eingegangen, 
als daß er noch zurück gekonnt hätte, und er 
hoffte, mit des mächtigen Bundesgenossen Bei 
stand das Erzstift seinen Wünschen und Befehlen 
beugen zu können. 
In dieser Voraussicht bestellte Kaiser Fried 
rich am 14. Januar den Landgrafen Hein 
rich von Hessen zum Beschirmer des 
Erzstiftes an seiner Statt, und ermäch 
tigte ihn, aus kaiserlicher Machtvollkommenheit 
Fürsten und Stünde zu seiner Hilfe anzugehen?) 
Diesen Gesichtspunkt müssen wir wohl im 
Auge behalten. Denn seit dem Augenblicke 
treten die hessischen Brüder ein für ein hoch- * 2 3 
1) Ebenda. 
2 ) Ebenda. S. 487. 
3 ) Lacomblet, IV. S. 468.
        

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