Full text: Hessenland (3.1889)

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stimmung des Kapitels keine Verpfändungen 
vornehmen. Insbesondere aber soll den Ständen 
gestattet sein, auch ohne Genehmigung des Erz 
bischofs landständische Versammlungen abzuhalten 
und ihm bei etwaigein Bruch der Verfassung 
den Gehorsam aufzukündigen') 
Natürlich waren Nuprecht's Einkünfte sehr 
mäßige. An Sparsamkeit war er keineswegs 
gewöhnt, vielmehr hatte er gehofft, als Erzbischof 
ein Leben heitersten Genusses zu führen. So 
war er bald nach allen Seiten beengt. 
Vergebens suchte er bei den Landständen, dem 
Domkapitel, der Stadt Köln selbst Hilfe; seine 
Forderungen beantworteten die Vasallen, die 
zumeist auch die Pfandinhaber der erzstiftischen 
Güter waren, mit dem Verlangen nach Zahlung 
der rückständigen Zinsen. In seiner Noth wandte 
er sich endlich an seinen Bruder, den Kurfürsten 
Friedrich den Sieg reichen von der Pfalz, 
und bemächtigte sich mit dessen thatkräftiger Bei 
hilfe allmählich der wichtigsten Städte des Erz 
stiftes. Bonn, Andernach, Brühl, besonders aber 
Zons und Kaiserswerth mit ihren Zöllen, ob 
diese gleich dem Kapitel zur Tilgung der Schulden 
überlassen waren, brachte er in seine Gewalt. 
Letztgenannten Ort überließ er sodann seinem 
Bruder als Ersatz für die Kriegskosten. Als er 
aber auch der Stadt Neuß sich durch Verrath zu 
versichern suchte, kündigte diese ihm den Gehorsam 
ans und stellte sich unter den unmittelbaren 
Schutz des Kaisers und des Papstes. 
Damit war das Zeichen zum Kanipfe gegeben, 
und allch die Stände sagten sich von Ruprecht 
wegen Bruches der beschworenen Verträge los. 
Das Domkapitel wählte einhellig am 24. März 
1473 den Domherrn und Dechanten zu St. 
Gereon, Landgrafen Hermann von Hessen, 
zum Hauptmann, Beschirmer und Verweser des 
Erzstiftes, mit dem Versprechen, ihn nach erfolgter 
Abdankung Ruprechts ans den erzbischöflichen 
Stuhl zll erheben. 
Am selben Tage erging die Aufforderung an 
die Stände und alle Unterthanen des kölnischen 
Landes, fortan dem neugewählten Administrator 
zu gehorchen^), und 5 Tage später, am 29. März 
1473, traten hohe und niedere Ritterschaft und 
die Magistrate der Städte Bonn, Neuß, Ander 
nach und Ahrweiler zusammen, um feierlich zn 
geloben, daß sie mit Erzbischof Ruprecht sich in 
keiner Weise vertragen und versöhnen wollten 
ohne Wissen und Willen Landgraf Hermann's, 
es sei denn, daß Ruprecht ganz die Regierung 
*) Ennen, Geschichte der Stadt Köln. Bd. III. 0.434 f. 
2 ) Ennen a. a. O. S. 481; vgl. Lacomblet. IV. 
S. 453. 
niederlegte und sich mit einer Jahresrente zu 
frieden gäbe.* * 3 ) 
Damit war der Bolzen gespitzt: ein Zurück 
gehen oder Einlenken war schwierig, man kann 
wohl sagen unniöglich, und alles drängte blutiger 
Entscheidung zu. Denn bei der Wahl des Dom 
kapitels war die Frage nach den Machtmitteln, 
welche der neue Administrator dem Kurfürsten 
und seinem Bruder Friedrich von der Pfalz 
entgegen zu setzen hätte, zweifelsohne sehr in's 
Gewicht gefallen. Hermann fand an seinem 
Bruder Heinrich, der als Vormund der Söhne 
Landgraf Ludwigs über ganz Hessen gebot und 
danials auch bereits die reiche und schöne Graf 
schaft Katzenelnbogen von seinem Schwiegervater 
ererbt hatte, einen mächtigen Rückhalt. Daß 
aber Heinrich alles aufbieten mußte, um seinem 
Bruder das Erzbisthum zu sichern, lag auf der 
Hand. *) 
Nicht umsonst war wohl Hermann 6 Wochen 
vor seiner Wahl, im Februar 1473, in Hessen 
gewesen?) Er hatte jedenfalls, wie die Ereignisse 
später zeigen, mit seinem Bruder die nöthigen 
Verabredungen getroffen, dazu auch persönliche 
Verbindungen behufs Werbung von Sold 
truppen rc. angeknüpft. 
Erzbischof Ruprecht antwortete auf den Be 
schluß des Kapitels mit derjenigen Waffe, die 
ihm zunächst zur Hand war: er sprach den Bann 
über seine Gegner aus. 4 ) Sodann begann der 
kleine Krieg im Erzstift mit all seinen Gräueln 
und Verwüstungen: Dörfer und Höfe wurden 
in Asche gelegt, Menschen und Vieh erschlagen, 
Burgen und Schlösser gestürmt und ausgebrannt. 
Es war ein Zustand zum Erbarmen. 
Zwar wurde von den verschiedensten Seiten 
der Versuch gemacht, die streitenden Parteien zu 
vereinigen. Herzog Karl von Burgund bot seine 
guten Dienste — wiewohl vergeblich — cm; der 
Kurfürst von Trier legte sich ins Mittel, und 
es gelang ihm, wenigstens auf kurze Zeit, vom 
27. Mai bis 30. Juni, einen Waffenstillstand 
herbeizuführen. Aber dieser ging zu Ende, ohne 
daß ein Ausgleich möglich gewesen wäre. 
Im Juli 1473 erschien Bischof Alexander von 
Forli zu Köln als päpstlicher Legat und for 
derte unter Androhung der schwersten kirchlichen 
Strafen die sofortige Niederlegung der Waffen. 
Hermann, immer zum Frieden geneigt, zeigte 
sich willig und ordnete am 17. desselben Monats 
eine Gesandtschaft an Karl von Burgund ab, 
') Ennen a. a. O. S. 460. 
*) So urtheilt bereits Schoten, Annal. Paderb. II. 18. 
S. 714. 
3 ) Am 7. Februar war er in Homberg. Kuchen- 
b e ck e r, Anal. Hass. Colt. IX. S. 228. 
4 ) Ennen, G. d. St. Köln. III. S. 482 ff.
        

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