Full text: Hessenland (3.1889)

142 
Hermann, Uanögraf zu Hessen, Dursttrst und Krzbischos 
von Wöln. 
Von Hugo Brunner. 
tFortsetzmig.) 
Der Tod Landgraf Ludwigs, dessen Leiche 
am 10. November 1471 in Homberg beigesetzt 
wurde'), wurde Veranlassung, das; die Ueber 
lebenden ein neues Abkommen trafen. Den 
Winter 1471/72 verbrachte Landgraf Hermann 
in Fritzlar in eifriger Unterhandlung theils wegen 
der eben angegebenen Ursache, theils um seiner 
Hildesheimer Angelegenheit willen, wie die 
Kasseler Stadtrechnungen erkennen lassen. Im 
Januar 1472 war er noch einmal, wohl zum 
letzten Male, in Hildesheim. Im selben Monat 
fand seinetwegen ein Tag in Homberg statt, 
dessen Gegenstand vermuthlich die streitige 
Bischofswahl bildete?) 
Am 11. April 1472 einigten sich sodann 
Hermann und Heinrich, letzterer zugleich als Vor 
mund seiner Neffen Wilhelm d. ä. und Wilhelm d. j., 
dahin, das; Hermann als seinen Antheil des 
Hessenlandes die Städte, Schlosser und Gerichte 
Homberg, Biedenkopf, Melsungen und Zieren 
berg mit Schartenberg sammt allen Einkünften 
zugetheilt erhielt. Dazu bleibt ihm die jährliche 
Rente von 2000 fl., von beiden Landestheilen 
gleichmäßig zu zahlen. Von der Eventualität, 
daß Hermann den geistlichen Stand verlassen 
und sein Drittheil vom Erbe fordern konnte, ist 
also weiter nicht die Rede; und nur für den 
unbeerbten Todesfall aller seiner Verwandten 
hält er sich die Erbfolge offen. Dagegen wird 
bereits die Möglichkeit, ihn ans einen der erz- 
bischöflichen Stühle von Mainz, Trier oder Köln 
zu hriugen, näher ins Auge gefaßt. In diesem 
Falle will er nämlich die ihm eingeräumten 
Städte zurückgeben bis ans eine, die er wählen 
werde?) Er erkor, wie man weiß, Homberg und 
') Kasseler Stadtrechnungen, l. c. S. 57. 
2 ) Ebenda S. 63. 
3 ) Niederrheimsches Nrkundenbuch, hgg. von Lacomblet. 
Bd. IV. S. 447. 
hielt sich hier öfters ans; er hat auch um's Jahr 
1504 das Schloß znm Theil »eil aufgeführt.') 
* * 
* 
Wir kommen nun zu dem wichtigsten Er 
eignisse in dem Leben unseres Landgrafen: zu 
seiner Ernennung znm Administrator des Erz- 
bisthnms Köln. Zuvor werfen irir einen kurzen 
Blick auf die hier herrschenden Verhältnisse. 
Erzbischof Dietrich von Mörs ließ, als 
er am 14. Februar 1463 starb, das Stift in 
Folge seiner ewigen Fehden mit mächtiger 
Schuldenlast bedeckt zurück. Zölle, Renten und 
Gefälle waren verschrieben, Schlösser und Burgen 
verpfändet, und der neue Erzbischof Ruprecht, 
ein Pfalzgraf vom Rhein, war vor eine schwere 
Ausgabe gestellt. Er hatte, che er gewählt 
wurde, dem Domkapitel eidlich die Bedingungen 
beschworen, unter welchen dieses seine Stimmen 
auf ihn vereinigte. Die Hauptsache war die 
Tilgung der Schulden; dazu mußte er dem 
Kapitel den Zoll samt den Einkünften im Amte 
Zons und den halben Zoll zu Kaiserswerth 
überlassen, sowie ihm den dritten Theil einer 
gemeinen, im Erzstiste auszuschreibenden Steuer 
bewilligen. 
Das Wesentlichste aber war eine drückende 
Capitnlatiou, die sogen. Erblandesvereinigung, 
welche die Stände des Erzstiftes, Kapitel, Grafen, 
Ritter und Städte, am Tage seiner Wahl (den 
26. Mürz) dem neuen Erzbischof auferlegten. 
Es war eine Art Staatsgrundgesetz, und die 
wichtigsten Bestimmungen daraus sind folgende: 
Dem Erzbischof tritt ein ständiger Rath, aus 
geistlichen und weltlichen Personen gebildet, zur 
Seite; er darf ohne Wissen und Willen der 
Stände keinen Krieg beginnen und ohne Zn- 
') Landau, Hess. Ritterburgen. Bd. IV. S. 346. Die 
Kupfertafel mit Wappen und Inschrift, welche er am Neu 
bau anbringen ließ, befindet sich im Museum zu Kassel.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.