Full text: Hessenland (3.1889)

140 
Aus Heimach und Fremde. 
Bei dem Ibsen-Cultus, welcher gegenwärtig 
in der Mode ist, durste es von Interesse sein, darauf 
hinzuweisen, daß ein Hesse sich schon vor zwanzig 
Jahren eingehend mit diesem bedeutenden nordischen 
Dichter beschäftigt hat, und ein Kasseler Buchhändler 
es gewesen ist, welcher das großartigste Drama 
Ibsens zuerst verlegt hat. Bereits 1869 übersetzte 
P. F. Sieb old von Witzenhausen Jbsen's drama 
tisches Gedicht „Brand" und drei Jahre später er 
schien dasselbe gedruckt im Verlage von Theodor Kay 
in Kassel. Das Vorwort zu der 1880 erschienenen 
zweiten Auflage des Werkes ist interessant genug, 
um Einiges aus demselben mitzutheilen. „Brand" 
wurde, nachdem von Siebold die erste Uebersetzung 
herausgegeben war, noch zweimal in's Deutsche über 
tragen und zwar durch Frau Julie Ruhkopf und den 
nunmehr verstorbenen Alfred von Wolzogen, damaligen 
Intendanten des Schweriner Hoftheaters. Ueber die 
Wolzogen'sche Bearbeitung hat unser Landsmann nun 
triftigen Grund sich zu beschweren, da er nachweist, 
daß in derselben aus seiner Arbeit sehr Vieles ent 
lehnt, ja sogar theilweise wörtlich abgeschrieben ist. 
Die Beispiele, welche Siebold anführt, sind allerdings 
verblüffend und um so unerklärlicher erscheint es da 
nach, wie der nun ebenfalls dahingegangene Albert 
Lindner in der National-Zeitung 1878 schreiben 
konnte: „Seit ihrem Erscheinen (1806) ist die 
Jbsen'sche Dichtung dreimal in's Deutsche übersetzt 
worden, zuletzt und am Besten vom Freiherrn von 
Wolzogen." Natürlich, der Name Wolzogen's war in 
der Literatur allgemein bekannt, derjenige Siebold's 
nicht, aus diesem Grunde mußte die Wolzogen'sche 
Uebersetzung selbstverständlich die bessere sein, denn 
hätte Lindner sich nur einigermaßen die Mühe ge 
geben , die Arbeiten zu vergleichen, würde er ein 
anderes Resultat erlangt haben. Ibsen selbst äußerte 
sich in einem „Dresden, den 15. Juni 1869" da- 
tirten Brief an Siebold sehr günstig über die ihm 
im Manuskript übersandte Arbeit. „Manche Stellen 
in Ihrer Uebersetzung", schreibt er, „erscheinen mir 
überraschend glücklich wiedergegeben; einige Repliken, 
welche ich bei der Durchblütterung bemerkte, würden, 
glaube ich, gewinnen, wenn man sie mehr kürzte; 
aber in wieweit dies im Deutschen möglich, darüber 
darf ich natürlich Ihnen gegenüber keine Meinung 
haben. Ich wünsche, daß Sie sich in Ihrem zeit 
weiligen Junggesellenstande leidlich wohl befinden; 
es ist nicht unmöglich, daß ich einmal im Laufe 
dieses Sommers mir die Freiheit nehme, Sie in 
Kassel zu begrüßen. Ihr ergebener und verbundener 
Henrik Ibsen." Von Siebold erschienen ferner im 
Kay'schen Verlage: Der Elfenhain, Schauspiel in 
5 Akten nach Heiberg's „Elvcrhoi" und: Engelbrecht 
und seine Dalekarlier, ebenfalls ein 5aktiges Schau 
spiel nach A. Blanche. M. 
Seit mehreren Tagen ist in dem Schaufenster der 
E. Hühn'schen Hofbuchhandlung dahier die sprechend ähn 
liche Marmor-Büste des am 15. Dezbr.v. I. zu 
Marburg verstorbenen Geheimen Raths Prof. Dr. 
W. R oser ausgestellt. Dieselbe ist gestiftet von den 
Aerzten der Provinz und in trefflicher Weise aus 
geführt von dem rühmlichst bekannten hiesigen Bild 
hauer Professor K. Hassenpflug. Sie ist dazu be 
stimmt, an der Stätte der langjährigen verdienst 
vollen Thätigkeit Roser's, in der chirurgischen Klinik 
zu Marburg, aufgestellt zu werden. 
Wie bereits mitgetheilt, feiert das Corps Hasso- 
Nassovia in Marburg in den Tagen vom 13. 
bis 16. Juli d. I. das Fest seines fünfzigjährigen 
Bestehens. Die „Oberhessische Zeitung" veröffent 
licht das Programm für diese Feier wie folgt: Am 
Sonnabend den 13. Juli Empfangskueipe auf der 
im vorigen Jahre am Südabhange des Schloßbergs 
erbauten neuen Corpskneipe; am Sonntag den 
14. Juli Damenfest auf der Kneipe; am Montag 
den 15. Juli feierlicher 0. 0., dann großes Festmahl 
im Saalban und hiernach Festzug von der Kneipe 
durch die Stadt und Abends Festkommers im Saal 
bau; am Dienstag den 16. Juli Morgens Kater 
frühstück und Nachmittags Füßchenpartie auf Spiegels 
lust. — Gestiftet am 15. Juli 1839 von elf Corps 
burschen , von denen einer, der berühmte Professor 
der Physiologie, Geheimer Hofrath Dr. K. Ludwig in 
Leipzig, früher dem Corps Guestphalia, drei dem 
Corps Hassia, zwei dem Corps Teutonia in Mar 
burg, einer dem Corps Nassovia in Göttingen, an 
gehörten, kann das Corps Hasso-Nassovia auf eine 
rühmliche fünfzigjährige Vergangenheit zurückblicken. 
Ganz besonders verdient hervorgehoben zu werden, 
daß es in der Mitte der vierziger Jahre, als so 
manches andere Corps in seinen Anschauungen 
schwankte, fest zu den Corpsprinzipien gestanden hat. 
Möge es noch recht lange in gleicher Weise wie 
seither blühen und gedeihen. A. Z. 
MT Es wird gebeten, die noch rück 
ständigen Beträge für die gelieferten Ein 
banddecken (1 Mark für das Exemplar) 
möglichst bald an die Redaktion unserer 
Zeitschrift, Jordanstraße 15, einzusenden. 
Die Redaktion. 
Verantwortlicher Redakteur und Verleger F, Zwen-er in Kassel. — Druck von Friedr. Scheel in Kassel.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.