Full text: Hessenland (3.1889)

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er kleidet seine Sulidaten, so viel besser als er 
kann/' dann sperrte alles Mul un Nase uff. 
„Wenn's iwest getzt, komme ich bale Widder/' 
sproch hä zeletzt zun Marthchen, un wie hä 
nsgedient hatte, un als Gefreiter Heimen kam, 
— 
O Aellcnland. 
O Hessenland, du Heimaterde, 
Mein Herz in Treue an Dir hängt, 
Wie sich mit liebender Geberde 
Das Kind zu seiner Mutter drängt. 
Wohl fand ich auch in weiter Ferne 
Der Freundschaft und der Liebe viel. 
Doch nie ich Dich vergessen lerne, 
O Hessen, meiner Sehnsucht Ziel. 
Hier sind die Gräber meiner Lieben, 
Die mir der Tod zu früh entriß. 
Hier ist das Mutterherz geblieben, 
Deß Liebe immer mir gewiß. 
Und bei den Hessinnen, da waltet 
Der echten Liebe edler Geist, 
Der Liebe, die da nie veraltet 
Und die man deutsche Treue heißt. 
O Hessenland, Du Heimaterde, 
Der Segen Gottes ruht auf Dir, 
Und wenn ich einst begraben werde, 
Gewähre Du ein Plätzchen mir. 
Eduard Sievert. 
Ci« frische» Trunk, ei« froh' Gespräch. 
Ein frischer Trunk, ein froh' Gespräch 
In trautem Freundeskreise, 
Hilft über manchen Stein hinweg 
Ans dieser Lebensreise. 
Wer keinen Trllnk vertragen kann 
Deß Schicksal drum ist kläglich; 
Doch schlimmer noch ist dran ein Mann, 
Der selbst ist unverträglich. 
Kermann Matter. 
Aus alter un- neuer Zeit. 
Ein lebendiges Familien-Lexikon. Vor 
etwa 50 Jahren wanderte an einem schwülen Sommer- 
Abend ein Mann, mit schwarzem Cylinderhut, weißer 
Halsbinde und schwarzem Frack bekleidet, also unver 
kennbar ein Geistlicher, mit hastigen Schritten auf 
da gab's bale Hossig un de Frau Viehmännen 
in Niederzwehren sprach zu den Grimms, wie 
se enn ehre Märchen verzählte: „Und wenn sie 
nicht gestorben sind, dann leben sie noch." — 
dem Weg von Kaufungen nach Kassel. Denn einige 
fern am Himmel drohende Gewitterwolken mahnten 
ihn zur Eile. Da rasselte hinter ihm eine Kutsche 
heran, und eine freundliche Mannsstiulme rief: 
Wenn es Ihnen gefällig ist, Herr Pfarrer, so steigen 
Sie zu mir in den Wagen! Es ist hinreichend Platz 
für uns beide, und ich werde mich freuen an Ihnen 
einen Gesellschafter zu haben. Nichts konnte dem 
Wanderer erwünschter sein. So machte er denn mit 
verbindlichstem Dank von der Einladung Gebrauch 
und nahm neben dem freundlichen fremden Herrn 
Platz. Nach den ersten Begrüßungsworten wendete 
sich die Unterhaltung der umliegenden Gegend zu. 
Hierbei deutete der Pfarrer auf eine Reihe dunkler 
Erdhaufen, welche man in einiger Entfernung zur 
Seite des Weges sah, und fragte, was diese bedeuteten. 
Sein Begleiter antwortete, es sei dies ein Torfstich, 
und setzte auf die weitere Frage, wem derselbe gehöre, 
mit einem gewissen Lächeln hinzu, er gehöre dem 
Steuerrath Carvacki, der im Auftrag der Preußischen 
Regierung zu Kassel bei der Erhebung der Zölle be 
schäftigt sei. Carvacki? fragte der Pfarrer. Etwa 
Karl Carvacki, der Sohn von Anton Carvacki? 
Allerdings, antwortete der Andere. Aber wie kommen 
Sie denn zur Kenntniß dieser aus Ostpreußen 
stammenden Familie? O, erwiderte der Pfarrer, die 
Glieder dieser Familie sind mir sehr wohl bekannt. 
Der Vater von Anton war Franz Carvacki, der sich 
mit seinen beiden Brüdern Joseph und Felix in das 
väterliche Erbgut theilte. Sein Begleiter saß während 
dieser Rede wie erstarrt da. Endlich hob er an: 
wissen Sie denn, mit wem Sie fahren? Nein, sagte 
der Pfarrer, ich habe bis jetzt nicht die Ehre. Nun, 
prach der Andere, so erfahren Sie denn, daß ich 
jJoseph Carvacki, Antons Sohn bin, aber selbst nicht 
soviel von meinen Vorfahren weiß, als Sie. O, da 
könnte ich, erwiderte der Pfarrer, die Genealogie 
Ihres Hauses noch weiter hinauf angeben, wenn Sie 
es wünschten. Denn für Familienverhältnisse habe 
ich ein so treues Gedächtniß, daß ich niemals etwas 
von dem vergesse, was ich irgendwo darüber gehört 
oder gelesen habe. Genealogie ist mein Steckenpferd. 
Und in der That war es so. Er besaß eine 
Kenntniß einigermaßen namhafter Familien, die an 
das Unglaubliche grenzte. Dies zeigte sich namentlich 
in den Kriegsjahren von 1813 — 15. Damals soll 
er einem preußischen Husaren-Offizier, der bei ihm 
einquartiert wurde, mit der Frage entgegengetreten
        

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