Full text: Hessenland (3.1889)

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Nu lag Brückmanns Howe gegenriwwer n' 
annere Howereide, die geherte Mosebachs. Und 
der Nachber Mvsebach hatte ein Maichen, das 
hieß Marthchen un war en Eckchen jinger wie 
der Josthenner. Das Marthchen un der Jost- 
benner un die anneren Nachberschkinner spalten 
zesammen Kriggen, un Suchen, un Schule, un 
Räuber un Schardarmen, un „Ringel, ringet, 
Rose". Un wann eins usgelost wären sollte, 
dann machten se: 
Ohne bohne Dintesaß. 
Geh in de Schule un lerne was; 
Wanst'e was gelernt hast, 
Kauf ich de en Piffchen, 
Pisst de alle Morgen, 
Gehts als wie ne Orgel; 
schnipp schnapp 
Käsenapp, 
Iller, bubber rus, 
Du bist us 
Und gehst no Hus. 
Na, alsemoh Han se sich au ein bißchen geickert 
nn gekatzbalgt , aber se bliwwen sich nit lange 
bese. 
Un wie se nu de richtige Alte hotten, da 
kamen se in de Schule; un gungen zesammen 
mit dem A-buch un dem Schiwwerstein, un en Knust 
Brot in der Hand oder au en baar Appel oder 
Beeren in der Kippe, üwwer den Steg Henne, 
den Hunneberg miss in de Schule, die lag owen 
uf'n Berge bi der Kärche. 
Imme Christtag rimin hott es nu mo ge- 
schnigget un gefroren, un wie Mosebachs Marth 
chen mit Brückmanns Josthenner iwwer den Steg 
wollte, do glitschte es us un — haste nit ge 
sehen — plutschtes ins Wasser. En annerer 
hätte sich us den Ästen gemacht, aber min Jost 
henner war nit full, schlupp, schmiß he sinne 
Bicher heim, eins, zwei, drei machte he sich ins 
Wässer un duns das Marthchen Widder rus. 
Das arme Marthchen war putschetreppelnaß un 
gakte, als wenn's am Spieße stächte; aber der 
Josthenner sproch: „Si stille, es diet nix; komm 
her, ich bringe dich Widder Heimen." — „Kotz 
gemicke," rief der ale Mosebach, „was hasten 
gemacht? Hä?" Aber das Marthchen konnte 
kein Wort rusbringen, un der Josthenner mußte 
es den Nachbar Mosebach verzählen. „Kreiz 
millewetten," sproch der, „du best en echter Kerle; 
das soll dinn Vatter au hören." 
Und wie das Marthchen noch immer quärrte, 
kam sinne Mutter rus, und wie se sah, daß es 
schloße wiß war, stoppete se's glich ins Bette. 
Der Mosebach awer gunk mit dem Josthenner 
niwwer zu sinem Vatter, daß he treiche Hosen 
un Strimpe ankriegte. Un seine Mutter freite 
sich au nit wenig nn gab emme ein geheriges 
Schmandenbrot. „Das Marthchen kunnte sich 
was schenes geholen, wenn's der Josthenner nit 
rusgedunsen Hütte," sprachen die Menschen, un de 
Wase Annagitter meinte, se künnten moh Schatz- 
liete weren. 
Awer das hatte noch gute Wege. Se mußten 
noch manchesmal) iwers Wasser hin, bis se us 
der Schule kamen. Un wie se eimoh unnerwegs 
zu lange getründelt hatten, da gab es in der 
Schule geherige Wamsche un Karwatsche un der 
Herr Schullehrer sproch: „Pfudichan! Soll' dich 
gleich ein Mäuslein beißen! Wart, ich will dich!" 
Und es regnete Hiewe, wie Bickelsteine. — Das 
war das letzte Moh; un wie die Ostern kamen, 
wurren se kunfermiert. 
Der Josthenner mußte nu sinem Vatter helfen 
uf'm Howe, in Stalle un uf'n Felle. Und das 
Marthchen hatte 's mit Bahren un Dippen zu 
thune, mit Schmalzdippen, Milchdippen un Mus- 
dippen; es hotte Owacht zu geben us de Ginsel, 
un de Küchel, un de Zickel, un de Ferkel; sinne 
Mutter spennelte es au an's Spiunrädchen, und 
wann des Korn risse war, mußte es au sinnem 
Vatter Helsen schnieden un dingen nn bansen. 
Unner der Hand gab's an en schenes Wibes- 
mensche, un will sinn Vatter Blunzen hotte, 
wullte es dieser un der gerne friggen, awer es 
dhat keinen die Gönne nit an. 
Minn Josthenner war aber au nit zuricke- 
gebliwwen. He war in die Lengede un Dickede 
gegehn un en großer Schlacks, un gunk so bolzen 
strack, als wenn he en Ladestock geschlucket hätte. 
Und wenn au sin Vatter, der ale Brückmann, 
alsemoh knärwelte un knutterte, so war doch der 
Josthenner immer kregel, un machte hibsch duse, 
wann sinn Vatter sinne Ruppen hatte. Aber 
vor keiner Arbeit schuckerte he sich; und es gingt 
„Haste nit gesehn", wo he zupackte. An war he 
kein Bollerjahn, kein Kartenrätscher, kein Basel 
hans, kein Gnatzkopp, kein Hampel, kein Alberjan 
un kein Dollerjan, un manches Maichen dachte 
bi sich: „Den nehmest de auch." — Aber eh he 
sich's versah, war he sinne 20 Johre alt. Do 
gung's zur Ziehunge, un minn Josthenner kam 
bi de Gadekor. Na, do wurr emme au keine 
Botter dran gebroten, un der Wachtmeister war 
en rechter Pamphilius; awer niin Josthenner 
machte keine Schmagucken un Fissemadenten; es 
war au kein Unthätchen nit an finiter Monture, 
un wo's drunner un driwwer ging, da butzte hä 
de Blatte, da were hä imme de Welt nit ge- 
bliwwen. Hä hatte au was zuzeschustern, un 
bim Dienst gingt eme alles wie Schmand. — 
Us de Kirmeße kam he heim, un de Liete zocken 
in Fenster, wenn he derch's Dorf gingk. Awer, 
wann hä erscht anfing zu singen: „Unser Kurfürst 
von die Hessien ist ein krizbraveri Mann, nn
        

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