Full text: Hessenland (3.1889)

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lassen. Strubberg machte sich denn auch an die ihm 
noch ungewohnte Arbeit und hatte hierbei mit 
mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen, besonders 
störend war es für seine Aufzeichnungen, wie er 
später selbst erzählte, daß er sich durch seinen lang 
jährigen Aufenthalt in Amerika das Denken in eng 
lischen Satzkonstruktionen angewöhnt hatte und in 
Folge dessen nicht immer gleich in der Lage war, die 
korrekte deutsche Fassung zu finden. Da hatte er 
denn in seiner Schwester eine treue Stütze, deren 
hoher Bildungsgrad ihm die Aufgabe, die er sich ge 
stellt, wesentlich erleichtern half. In verhältnismäßig 
kurzer Zeit war ein förmlicher Band seiner Erzäh 
lungen entstanden, welcher in den Kreisen seiner 
Freunde nunmehr die Idee auftauchen ließ, daß 
Strubberg, da der Versuch so befriedigend ausgefallen, 
sein Werk auch im Druck erscheinen lassen solle. 
Unser Landsmann sah sich nach einem Verleger um 
und fand denselben in dem vornehmsten Buchhändler 
Deutschlands, denn sein Erstlingswerk erschien bei 
Cotta in Stuttgart, dem damaligen Hauptverleger 
unserer klassischen Literatur, und zwar unter dem 
Titel: „Amerikanische Jagd- und Reiseabenteuer aus 
dem Leben in den westlichen Jndianergebieten von 
Armand. Mit 24 Skizzen", welche letztere der Ver 
fasser ebenfalls selbst nach der Natur entworfen hatte. 
Das Buch kam 1858 heraus, und die gedruckten Er 
zählungen machten bei dem Publikum denselben 
Effekt, wie früher die mündlichen Mittheilungen im 
engeren Freundeskreise. Der „große Kapitän" ver 
grub sein Kriegsbeil für immer und griff statt des 
Tomahawks zur F^der. Das Glück war ihm hierbei 
außerordentlich günstig; da Cotta mit dem Verlag 
der Schriften Armands, unter welchem Namen er 
nun in ganz Deutschlands bekannt wurde, begonnen 
hatte, so rissen sich die ersten Verleger um ihn und 
seine weiteren Werke erschienen abwechselnd bei 
Rümpler in Hannover, Trewendt in Breslau und 
Günther in Leipzig. „Armand" stand sofort auf der 
Höhe der Situation, er hatte es nicht nöthig, mit 
den Buchhändlern viel Federlesens zu machen und 
doch beklagte er sich später im Allgemeinen bitter 
über dieselben. (Schluß folgt). 
Wilhelm Wtter v. Kreilhaupt 
Ein Lebensbild. 
(Schluß.) 
Somit schied der Verewigte als k. k. Oberstlieute- 
itcmt aus dem aktiven Dienste, dern er in Kurhessen 
34 Jahre und in Oesterreich 7 Jahre angehört hatte, 
in einem Alter von 57 Jahren, um nun ganz seinen 
Erfindungen zu leben. *) Damals erfreute ihn die 
von Sr. Majestät König Wilhelm von Preußen ihm 
allergnädigst verliehene besondere Pension, welche er 
fortan neben dem österreichischen Ruhegehalt bezog 
als früherer hessischer Offizier und in Anerkennung 
seiner artilleristischen Verdienste. Angeregt hatte diesen 
Akt königlicher Gerechtigkeit der letzte Kommandeur 
der kurhessischen Artillerie, General v. Cochenhausen, 
dessen Vorstellungen sodann durch den General von 
Plonski und den Oberpräsidenten warm unterstützt 
wurden. 
Es folgten fast anderthalb Jahrzehnte emsiger 
Thätigkeit als schaffender Erfinder und wissenschaft 
licher Schriftsteller in einem Lebensalter, in welchem 
sonst andere der wohlverdienten Ruhe pflegen. 
Aus v. Breithaupt's wissenschaftlichen Aufsätzen 
sind zwei wichtige Fachschriften besonders hervor- 
*) Inzwischen ist ein ausführlicher Nachruf aus der fach 
männisch berufenen Feder des Herrn Major a. D. v. Stam- 
ford erschienen (im Kasseler Tageblatt und Anzeiger vom 
14. April l. Z., drittes Blatt), auf den wir als — be 
sonders in fachtechnischer und dienstlicher Beziehung — vor 
züglich belehrend verweisen möchten. 
zuhebkn, von denen die erstere Kassel 1868 bei 
Th. Kay in Buchform erschienen ist, „Der Entwick 
lungsgang und die darauf gegründete Systematik des 
Zünderwesens, sowie das einheitliche Sprenggeschoß? 
feuer", und die andere ebendaselbst 1877 ausgegeben 
wurde unter dem Titel: „Zum Sprenggeschoß-Feuer 
der Land- und See-Artillerie. Ein Beitrag zur Ent 
wickelung dieses Hauptgegenstandes in den Artillerien 
bis zur Neuzeit. Für Offiziere aller Waffen." 
Hatte nun Armstrong die v. Breithaupt'sche Er 
findung ausgenutzt, so wurde dem Verewigten später 
in England doch wenigstens die Anerkennung zu 
Theil, dies schriftlich bestätigt zu erhalten neben dem 
Geschenke einer Zündersammlnng. Großmüthiger er 
wies sich Rußland nach dem russisch-türkischen Kriege von 
1877, in welchem die Schrapnels mit dem v. Breit- 
haupt'schen Zünderprinzip die besten Dienste geleistet 
hatten, durch ehrenvollste Ordensauszeichnung und 
eine reiche Dotation. Doch blieben alle Ehren und 
Anerkennungen gering gegenüber dem Aufwande an 
Zeit und Energie und den großen pekuniären Opfern, 
die v. Breithaupt bei seinen nimmer ruhenden Ar 
beiten und Versuchen persönlich gebracht hatte. Sein 
schönster Lohn blieb zeitlebens die innere Befriedigung, 
welche die Wissenschaft ihren Jüngern verleiht, und 
die tröstende Gewißheit, seiner Lieblingswaffe, der 
Artillerie, unschätzbare Dienste geleistet zu haben.
        

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