Full text: Hessenland (3.1889)

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diesem ihrem Schwager gezogen. Nach dem Tode 
dieses letzteren habe sein Sohn, Oberappellations 
gerichtsrath Eichelberg seine Mutter und deren 
Schwester, Fräulein Mel, zu sich genommen. Diese 
letztere soll eine liebenswürdige Dame von großer 
Herzensgute und Frömmigkeit gewesen sein und wird 
derselben in der Bode'schen Familie bis auf den 
heutigen Tag ein treues Angedenken bewahrt. Sie 
war 1750 geboren und starb 1836 im 86. Lebens 
jahre und zwar im Advokat Albert'schen Hause in 
der Unterneuftadt, wo damals Herr Eichelberg wohnte. 
Sie wurde auf dem Unterneustüdter Kirchhof neben 
Eichelberg's Gattin, einer geborenen Schöning, be 
erdigt. Die wohlerhaltenen Gräber Beider beschattet 
ein Rosenstrauch. Was aus den Töchtern Dr. Mel's 
geworden, habe ich nicht in Erfahrung bringen 
können. Hd. ZVerrdetstadl. 
Aus Heimach und Fremde. 
Am 1. April beging Herr Forstmeister Ernst Lud 
wig Weber das Fest des fünfzigjährigen Dienst 
jubiläums. Tags zuvor hatten die Kollegen des 
Jubilars voll der königl. Regierung zu Ehren des- 
selben ein besonderes Fest veranstaltet, am Jubiläums 
lage selbst fand im engeren Kreise eine Familienfeier 
statt und Tags darauf, am 2. April, feierte der 
Verein für hessische.Geschichte und Landeskunde den 
Ehrentag dieses allgemein beliebten, verdienstvollen 
Mitgliedes durch ein Festmahl im Hotel Schirmer. 
Der Vorsitzende des Vereins, Herr Major von Stamford, 
hielt die Festrede und überreichte dem Jubilar ein 
prachtvoll ausgearbeitetes Diplom, durch welches der 
selbe zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt wurde. 
Tief ergriffen dankte der Jubilar für diese Ehren 
bezeigungen. Es folgten nun noch mehrere Toaste, 
von denen wir hier nur diejenigen der Herren 
Museumsdirektor Dr. Pinder, Amtsgerichtsrath Büff 
und Pfarrer Wissemann anführen wollen. Herr Amts 
gerichtsrath Büff trug das schöne, von ihm selbst mit 
Beziehung auf den Jubilar mit weiteren prächtigen 
Versen ausgestattete Lied „Heil dem Manne, der den 
grünen Hain' des Vaterlandes sich zur Heimath aus- 
erwählt" schwungvoll vor. Das Lied in seiner neuen 
Festung verdient in weiteren Kreisen bekannt zu 
werden, und soll auch, wie wir hören, durch den 
Druck vervielfältigt werden. Indem wir hier den 
Anfang der zweiten Strophe wiedergeben: 
Heil vor Allen unserem Jubilar, 
Der sein Heimathland niemals vergessen, 
Dem der hellste Klang des Herzens war 
Wald und Feld und Luft und Licht in Hessen, 
verfehlen wir nicht, auch unsererseits dem hochverehr 
ten Herrn, dem deutschen Biedermann in des Wortes 
voller Bedeutung, der „einer starken Eiche gleich, 
dem Sturmwind immer Trotz geboten, nachträglich 
noch herzlichsten Glückwunsch darzubringen. Ad 
multos annos! 
— Am 4. April feierte unser berühmter Kasseler- 
Landsmann, der Bildhauer Gustav Kaupert, 
Professor an dem Städel'schen Kunstinstitut zu 
Frankfurt a. M. seinen siebenzigsten Geburtstag. 
Leider müssen wir es uns wegen Mangels an Raum 
heute versagen, ein Lebensbild dieses ausgezeichneten 
Künstlers zu entwerfen, wir werden dies jedoch in 
einer späteren Nummer unserer Zeitschrift nachholen. 
Wir unterlassen es jedoch nicht, unsere Leser auf den 
hochinteressanten Aufsatz über Gustav Kaupert von 
Franz Rittweger im Feuilleton der Nr. 94 der 
„Frankfurter Zeitung" vom Donnerstag den 4. April 
aufmerksam zu machen. 
Am Donnerstag Abend waren die Lehrer der 
städtischen Realschule dahier zu einem gemein 
samen Essen im Gasthof zürn Deutschen Kaiser ver 
sammelt, um noch einmal mit einigen aus dein 
Kollegium ausscheidenden Amtsbrüdern einige fröh 
liche Stunden zu verleben. Herr Prof. Dr. Keßler und 
Herr Turndirigent Boppen hausen treten, der eine 
nach 46jähriger, der andere nach 33jähriger Amts 
thätigkeit an der genannten Anstalt — in den Ruhe 
stand ; Herr Oberlehrer Dr. O u i e h l wird von Ostern 
ab als Direktor die Leitung der zweiten städtischen 
Realschule dahier übernehmen. — Die fröhliche 
Stimmung wurde durch zahlreiche Trinksprüche unb 
namentlich durch den Vortrag verschiedener aus Ver 
anlassung der Feier entstandener humoristischer Ge 
legenheitsgedichte wesentlich gehoben. 
Am Montag den 1. April wurde im Stadt- 
theater zu Frankfurt a. M. das Lustspiel un 
seres hochgeschätzten Landsmanns D. Saul „Die 
Stoiker" aufgeführt. Auch dort erzielte dieser 
humorvolle Einakter ebenso wie am Sylvesterabend 
hier in Kassel einen durchschlagenden Erfolg. Am 
Schlüsse der Aufführung wurden der Dichter und 
die Darsteller stürmisch herausgerufen. 
— U niv ersitätsn achrichten. Die Geschäfte 
des Kuratoriums der Universität Marburg, welche 
nach der Bersetzung des früheren Kurators Geh. 
Regierungsraths Dr. Meyer nach Göttingen im 
vorigen Herbste vom Geheimen Medizinalrath Pro 
fessor Dr. Mannkopf auftragsweise geleitet wurden, 
sind am 1. April auf den neu ernannten Kurator 
der Universität Marburg, den Geheimen Negierungs 
rath Steinmetz, seither Kurator der Universität
        

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