Full text: Hessenland (3.1889)

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Trost. 
Ich hon jo die Aimelz') zülit Schatz gehatt, 
Dos wor, ih ich komme seng bei die Gadd, 2 ) 
Ich gvw ehr in Monz?) die mer Konn geschnerre;^) 
Im Härmst, off die Kärmes, do krähj ichen werre?) 
Da kam ich noch Cassel ö wvdd Saldvt. 
Meng Annelzche gong off dos Osternmohd 
Ö dahnzt mit met dem Hannerch, demm lahnge 
Schlengcl, Z 
Verlüß mich dvbei fer in Zockerkrengel. 
O die ich dos Hot, 8 ) eij do krähj ich Wüt; 
O glvvwt mer, es steh! mer züm Kopp dos Blnt. 
Dr woll ich mich röcheln °) mit lahnge Schlengcl, 
Fers Tanze, fers Mäje, fern Zockerkrengel. 
Doch zahlt ich äscht „rasch bis off honertdrei, 
O glich wor meng Ärger, die Wüt Verbei. 
Ich säht mer nür: „Mäje gets hei ö dv; "’) 
Dos es so gcweß, äs der Himmel blo. 
Kurt Nutzn. 
t) Anna Elisabeth, 2 ) bei die Garde, ») Kuß, 
^) wie l—als) wir Korn gcschnitleu, b ) da kriegt' ich ihn 
wieder, 6 ) Osterumarkt, 7 ) Johann Heinrich, dein langen 
Schlingel. 8) hörte, '■>) rache», >») Mädchen giebt es hier 
und da. 
Ans alter und neuer Zeit. 
— Aus alten Kalendern. Im Sommer 
des vorigen Jahres fielen mir unter anderen un- 
katalogisirtcn Werken der Laudesbibliothek zwei kleine 
Schreibkalender in die Hand, der eine „auff das j 
Jahr 1573", der andere ^auff das Jahr 1580", j 
die bei näherem Ansehen durch die in sie gemachten ' 
handschriftlichen Einträge meine Aufmerksamkeit er- ! 
weckten. Leider sind die Angaben, den Anfängen 
annalistischer Geschichtsschreibung vergleichbar, meist ! 
dürr und dürftig, dürfen dagegen durchaus Anspruch 
auf Glaubwürdigkeit erheben, wie sich in einzelnen j 
Fällen, wo wir dieselbe Nachricht aus anderen ! 
Quellen kennen, durch Vergleichung nachprüfen läßt, j 
Die Person des Schreibers ist unbekannt; sein j 
Wohnort muß gesucht werden in der Gegend von I 
Waldeck oder Naumburg. Im 1580er Kalender 
gibt er als zu seinem Besitze gehörig an Äcker „uf 
der Mordtgruben" und „tuic Bolckenhagen"' Ein 
„langes Gewende", das er weiter als sein Eigen- ! 
thum nennt, könnte uns in die Elber Mark führen ? 
(vergl. das Weisthum aus dem Jahre 1440 bei 
Landau in d. Ztschr. f. Hess. Gesch. II. S. 242 ff.); - 
doch wird diese Flurbezeichnung vermuthlich auch sonst ! 
wo üblich sein. Jedenfalls gehört unser Mann seinen 
Beziehungen nach j den in jener Gegend damals an- ! 
sässigen Adelskreisen an. I 
Indem ich aus den Angaben veröffentliche, was 
mir der Bekanntmachung werth schien, bemerke ich, 
daß ich meine Erläuterungen, die ich in Klammer 
beifüge, auf das geringste Maß beschrankt habe. 
1573. 
Jenner 18. Berlipschen danse. Eitel von Ber- 
lipschen hat mit Anna Senftin beigelegen. 
Mertz 4. Ist Lucas Zenck vor recht gesetzt zur 
Naumburg undt° gehangen worden. 
Mey 9. Ist Elswet von der Malsburg geborn von 
Linßingen Jorgen weiyb in got verschiden zum 
wolfhagen des morgens umb 2 undt 3 uhre 
undt uf montag den 11 h. may umb 1 uhr 
zum wolfhagen begraben. 
Brach m on 4. Ist Philips von Linsing in gott 
verschiden zwischen 5 undt 6 des morgens. 
„ 7. Ist Johan von Schonstat in got verschiden 
zu 12 im mitage. 
1580. 
Januarius 9. Auf bissen tag hat graue Günther 
von waldeck Naumburg aufgefordert durch Sa 
muel von Dalwig undt uf Hattenhaußen ge 
hauen. (Die Fehde gegen Naumburg, die Graf 
Günther, Samuels Sohn, hier ausfocht, scheint 
sonst unbekannt. Ueber Hattenhausen, eine 
untergegangene Ortschaft dicht bei Naumburg 
s. Landau, Ritterburgen II, 210.) 
Februarius 4. Ist graue Philips von Hanau 
gestorben nachmitag zwischen 4 undt 5. (Philipp 
Ludwig I. von Hanau-Münzenberg war mit 
den Waldeckeru verwandt durch seine am 2. 
Februar 1576 geschlossene Ehe mit Magdalene 
von Waldeck, einer Muhme des Grafen Günther, 
s. Barnhagen, Grundlage II, 55. 56. 70/71; 
81. Den Todestag gibt übereinstimmend Jonas 
Trygophorus an.) 
Aprilis 14. Zu Fulda mit Borchart von Wil 
dungen. (Burchhart, der „Edel- und Ehren 
veste", hatte das Truchsesseuamt in Hessen erb 
lich erhalten; er starb 1610 und ruht in der 
Wildungcr Kirche.) 
Maius 4. Ist her Walter von pleteuberg Compter 
zu Grifstat in gott verschiden morgens umb 4. 
(Die Komthurei zu Griefstedt a. d. Unstrut 
gehörte zur Ballei Hessen. Walther folgte als 
Komthur auf Franz von Hatzfeld am 16. Januar 
1575. s. Anderson, Gesch. d. deutschen Ordeus- 
Commende Griefstedt S. 123—25.) 
„ 4. Zu Falckenberg aukonlen. 
„ 5. Samuel von Dalwig Margreta von Falcken- 
berg zugesagt. 
„ 6. Än graue Güntern geschrieben Geismar 
und meinen Müller belangend. 
(Es folgt vom 10. Mai ab eine Reise des 
Schreibers, die ihn, wie cs scheint, als Be 
gleiter des Grafen Günther nach Marburg, 
Mintzenberg, Hanau und Meinse führt. Dann
        

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