Volltext: Hessenland (3.1889)

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aber über Vervollkommnung des Hohlgeschoßfeucrs, 
welche zum Besten des Dienstes verdiente Berück 
sichtigung fanden. Insbesondere ist das von ihm 
1849 ersonnene und 1854 in der kurhessischen 
Artillerie durchgeführte neue Zünderprinzip, Tempiren 
durch Bewegen eines Theiles des Zünders bei jeder 
Satzlage, durch den Ausspruch der vollen Anerken 
nung seitens des deutschen Bundes und mehrfache 
Ordensauszeichnungen gewürdigt worden. Dieses 
neue Zündcrprinzip wurde nicht allein in mehreren 
deutschen Artillerien, vor allem in Oesterreich, sondern 
auch vom bekannten W. Armstrong für die königlich 
englische Artillerie angenommen. 
Im Jahre 1859 trat der Verewigte als Major 
zur k. k. Artillerie über, übertrug hier seine Zünder 
konstruktion auf das gezogene Feldgeschütz, bildete be 
hufs Erreichung größerer Brennzeit den Etagcnzünder 
aus und beschäftigte sich mit dem Anbringen des 
Zünders am Boden länglicher Geschosse. 
Nachdem nun „der geniale Erfinder" im Jahre 
1859 „in Erwägung seines mit vieljähriger Auf 
opferung an Zeit und Kräften, sowie eifriges Selbst 
studium zu Stande gebrachten glänzenden Resultates" 
eine Gratifikation (15,000 fl.) erhalten hatte, erhob 
ihn die Gnade seines Kaisers 1862 in Anerkennung 
seiner vielen, stets erneuten Verdienste in den erb 
lichen Adelsstand. Denn Wilhelm Ritter v. Breit 
haupt hatte wahrlich dem Artilleriewesen durch seinen 
Rotationszünder einen großen Dienst geleistet; eine 
Thatsache, die allen klar werden muß, welche bcn 
traurigen Zustand der Geschoßzündung vor Bormanu 
und v. Breithaupt kennen. Aber, fährt der schon 
angeführte Nachruf der „Post" fort, ohne Bormanu 
kein Breithaupt, während andererseits auch ohne 
Breithaupt's Fortbildung Bormann's Erfindung ohne 
Lebensfähigkeit geblieben wäre. Neidlos wird also 
die Nachwelt beider hohes Verdienst anerkennen 
müssen. 
1866 verließ Wilhelm Ritter von Breithaupt als 
k. k. Oberstlieutenant den österreichischen Dienst und 
lebte seit November dieses Jahres in seiner Vater 
stadt, mit Wort und That unausgesetzt an der Lösung 
der so höchst wichtigen Zünderfrage betheiligt, welche 
Bestrebungen in der Schaffung einer universellen 
Geschoßzündung gipfeln. 
(Schluß folgt.) 
Eine Erinnerung an -en deutsch-fraiyösischen Feldzug. 
Dem Andenken der Frau vr. Claus, geb. Sanner, 
gewidmet von <£. Mentzel. 
(Schluß.) 
Oft unterhielt ich mich mit Frau Dr. Claus 
darüber, wie schön es doch sei, das; bei den Sol 
daten gehässige Borurtheile, die sonst den Süd 
deutschen vom Norddeutschen trennten, oder der 
konfessionellen Engherzigkeit Raum zu Ausschrei 
tungen verliehen, vollständig vor den großen 
nationalen Aufgaben des Augenblicks in den 
Hintergrund zurücktreten. Selbst in dem eigent 
lich doch sehr beschränkten Felde unserer Wirk 
samkeit erkannten wir sehr oft, das; die Kampf- 
genossenschaft in Noth und Tod doch ein mäch 
tiger Bändiger überhebender Gefühle und ein 
großer Förderer der edelsten bürgerlichen Tugen 
den ist. Wie viele andere Kolleginnen, mit 
denen wir unsere Eindrücke austauschten, so hatten 
auch Dr. Claus und ich nie ein spöttisches Lächeln 
gesehen, wenn die Angehörigen verschiedener 
Glaubensbekenntnisse in ihrer Weise dem Lenker 
des Geschickes ihr Seelenheil anempfahlen. Und 
wie die Begeisterung, so hatte auch eine ernste, 
wahre Frömmigkeit in jener Zeit tiefe Wurzeln 
geschlagen, in der der Einzelne um großer Ziele 
willen oft so schwer leiden mußte. Es war 
natürlich, daß man zu Gott seine Zuflucht nahm; 
denn in den Aufregungen und Schrecken des 
Krieges, in dem jähen Wechsel der Ereignisse 
ersehnt das Herz einen starken Halt an das 
Ewige. Mit welcher Innigkeit sangeil unsere 
Kranken und Verwundeten am Abend der Friedens 
feier „Nun danket alle Gott". — Wahrlich, der 
schroffste Radikalist hätte gegen die gläubige An 
dacht, die sich in den meisten Gesichtern wieder 
spiegelte, nichts einwenden können. 
Als der Feldzug schon lange vorüber war, 
habe ich mich noch oft mit Frau Dr. Claus und 
auch mit Frl. Eleonore Scheffer darüber unter 
halten, daß die Soldaten uns Pflegerinnen ge 
genüber doch ein sehr anständiges, ja sogar ehr 
erbietiges Betragen an den Tag legten. Aus 
nahmen mögen ja vorgekommen sein, allein im 
Allgemeinen war, soweit unsere Erfahrungen 
reichten, gegen das Verhalten der Verwundeten 
und Erkrankten nicht das Geringste einzuwenden. 
Dazu waren sie nieist von einer geradezu rüh 
renden Dankbarkeit erfüllt, die sich auf alle mög 
liche Art Ausdruck zu verschaffen suchte. Wer 
die „Oberhessische Zeitung" aus dem Ende des 
Jahres 1870 und dem ersten Viertel des Jahrs
        

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