Full text: Hessenland (3.1889)

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uitb als zugleich bekannt wurde, dag ihn sein 
Landesherr, Landgraf Friedrich II., anstatt 
des früheren Amtes, zum Professor der Rechts 
wissenschaft und der Sittenlehre ohne Aenderung 
des Gehalts ernannt habe. Bald darauf begann 
auch Robert mit gleichem Erfolg, wie früher als 
Theologe, Vorlesungen über Rechtswissenschaft zu 
halten. Diese gewiß seltene Wandlung in der 
wissenschaftlichen Beschäftigung eines Mannes ist 
aber nicht blos ein Zeugniß seiner bedeutenden 
geistigen Begabung, sondern auch und noch viel i 
mehr ein Beweis seiner Redlichkeit und Gewissen- ! 
Hastigkeit. Durch die Forschungen von Semler, 
Michaelis und anderen Theologen sowie durch 
das Studium der Kantischen Philosophie war 
nämlich sein Glaube an manche Stücke der über 
lieferten Kirchenlehre erschüttert worden. Wenn 
gleich seine Zweifel den Kern unseres christlichen 
Glaubens nicht berührten, so wollte er doch, da 
ihm Heuchelei von ganzem Herzen verhaßt war, 
seinen Studenten und den ihm untergebenen 
Geistlichen gegenüber ein Bekenntniß nicht ver 
treten, dem er in seinem Innern nicht überall 
und vollständig beipflichtete. Er verzichtete daher 
lieber ans seine ehrenvolle und einflußreiche Stel 
lung und wühlte den gewiß nicht leichten Weg, j 
sich auf einem anderen wissenschaftlichen Gebiete j 
einen Berns zu schaffen. Er selbst äußerte sich 
über die mit ihm vorgegangene Wandlung gegen 
einen Freund folgendermaßen; „Seit acht Jahren 
und besonders seit zwei Jahren habe er sich, 
theils wegen seiner Gesundheit, vornehmlich aber, 
weil sich seine Einsichten, die oft von unserem 
Willen unabhängig sind, so geändert Hütten, daß 
er dem von ihm abgelegten heiligen Eid nicht 
länger Genüge leisten könnte, ohne seinem mo 
ralischen Charakter den größten Schaden zuzu 
fügen, nach einer solchen Aenderung seines Be 
rufes gesehnt." 
Solche Beweggründe, wie die oben angeführten, 
müssen jeden unbefangenen Beurtheiler mit Hoch 
achtung gegen einen Mann erfüllen, der nicht 
anders reden wollte, als wie er dachte, dem die 
Wahrheit höher stand, denn alle äußeren Vor 
theile. Solche Wahrhaftigkeit findet aber auch 
ihren Lohn in der freudigen Kraft des Schaffens. 
Wenigstens war es so bei Robert. Denn ob 
gleich sonst ein alter Kopf, der bis in die Nähe 
des Schwabenalters gekommen ist, eben nicht ge 
schickt zu sein pflegt, uni Neues zu erlernen, so 
inachte doch Robert darin eine Ausnahme. Auch 
in seinem neuen Beruf wirkte er nicht nur als 
Lehrer durch scharfsinnige Erörterung schwieriger 
Rechtsfragen und durch klare eindringliche Dar 
stellung sehr günstig ans seine Zuhörer ein, 
sondern, sowie er einst neben der theologischen 
Professur noch als Konsistorialrath und geist 
licher Inspektor thätig gewesen war, so widmete 
er sich später mit großer Hingebung den Ver 
waltungsgeschäften bei der Universität. Unter 
den mancherlei Verbesserungen, die er ans diesem 
Gebiete vornahm, verdient besonders seine Für 
sorge für die Professoren-Wittwenkasse Erwäh 
nung. Diese hatte durch die unredliche Ver 
waltung eines gewissenlosen Atenschen einen 
großen Theil ihres Vermögens verloren. Durch 
Robert's eifrige Bemühungen und durch die ihr 
von ihm gegebene Umgestaltung wurde nicht nur 
der frühere Besitzstand hergestellt, sondern sogar 
noch vermehrt. Sv hat er mancher hülfsbedürf- 
tigen Wittwe durch seine einsichtige und uner 
müdliche Thätigkeit ein besseres Loos verschafft. 
Seiner Verdienste in anderen Zweigen der Ver 
waltung hier zu gedenken, würde über die dieser 
Darstellung gesteckten Grenzen hinausführen; 
doch schon das Gesagte wird genügen, um zu 
erklären, wie er unter allen Professoren das 
größte Ansehen erlangt hat. Nachdem sie schon 
dem Theologen durch ihre Wahl die höchste aka 
demische Würde, die des Prorektors, zweimal 
übertragen hatten, übertrugen sie den: Juristen 
dieselbe noch viermal, sowie sie ihn auch 1785 
zum Vertreter der Universität im Landtag er 
wählten. 
In Folge der von ihm nacheinander einge 
nommenen zwiefachen Stellung erlebte er das 
für einen Professor gewiß seltene Glück, daß es 
ihm vergönnt war, seinen einzigen Sohn zu 
taufen, ihn 31t immatriknliren, ihn zum Doktor 
der Rechte zu promoviren, als Prorektor ihn in 
den Kreis der ordentlichen Professoren einzu 
führen und schließlich noch in ihm, dem jungen 
Prorektor, seinen Vorgesetzten 311 begrüßen. 
Bei einem Manne von solcher geistiger Be 
gabung, der es sich, wie einst Salon, zum Grund 
satz gemacht hatte, auch als Greis noch täglich 
zu lernen, wird es nicht befremden, wenn er 
nach einer dreiunddreißigjährigcn Thätigkeit als 
Professor im 58. Lebensjahre sich noch einer 
neuen Art der Thätigkeit anbequemte. Er folgte 
nämlich im Jahre 1797 bereitwillig dem Rufe 
seines Landesherrn, der ihn zum Mitglied des 
Ober-Appellationsgerichts in Kassel ernannte. 
Er fand sich nicht nur mit Leichtigkeit in die 
veränderte Stellung, sondern er wurde auch bald 
ein ebenso thätiges als einflußreiches Mitglied 
des höchsten Gerichtshofes, wie er es einst 51t 
Marburg im Rath der Professoren gewesen war. 
Ja in gewissem Sinne setzte er sogar neben 
seinem Richteramt die Marburger Thätigkeit fort. 
Aus Liebe zur Jugend und zu seiner früheren 
Lehrthätigkeit hielt er nämlich zu Kassel jungen 
Juristen, welche das Studium auf der Universität 
vollendet hatten, unentgeltlich Vorlesungen über
        

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