Full text: Hessenland (3.1889)

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Westseite der Insel zerstört worden waren, ge 
lang es ihnen, an mehreren Punkten zu landen 
und die Häuser aller königlich Gesinnten zu ver 
brennen. 
Am 6. wurde Newport auf Befehl des Kom 
mandanten Pigot auf's Sorgfältigste bewacht. 
Nur Soldaten durften ein und aus gehen. Alle 
Häuser in Schußweite außerhalb der Befestigungen 
wurden verbrannt, alle Brunnen in der Um 
gegend verschüttet, Bäume gefällt und Mauern 
niedergerissen. Diese Arbeit siel den Matrosen 
zu, die ein besonderes Lager hatten. Inzwischen 
standen die Truppen unter Gewehr, stündlich 
einen Angriff erwartend. Immer mehr wuchs 
das Erstaunen ob der unerwarteten, seltsamen 
Ruhe, bis endlich der 8. Aufklärung brachte. 
Als an jenem Tage ein dichter Nebel sich lich 
tete, sah das Regiment Ditfurth in nächster 
Nähe zwei französische Kriegsschiffe schußbereit. 
Statt zu feuern nahmen dieselben einen süd 
lichen Kurs und segelten um die Insel. — 
Nachmittags 4 Uhr erschienen 11 Schiffe am 
Eingänge zum Hafen und eröffneten ein heftiges 
Feuer. Sie segelten auf die Stadt zu, fort 
während feuernd, aber die Kugeln gingen über 
das Ziel hinaus und viele fielen in das Lager 
des Regiments Anspach-Bahreuth. Die Land 
batterien dagegen erwiderten mit solchem Er 
folge, daß die Schiffe sich bald in sichere Ent 
fernung zurückzogen, uni Ausbesserungen vorzu- 
nehnien. Im Hafen lagen noch eine britische 
Fregatte, ein Ostindienfahrer und mehrere Trans 
portschiffe, die alle gleichzeitig verbrannt wurden, 
damit sie nicht eine Beute der Franzosen würden. 
Um ein Haar wäre auch die Stadt mit Mann 
und Maus der drohenden Aussicht eines ähn 
lichen Geschicks entgangen, freilich nur um einem 
weit schrecklicheren zum Opfer zu fallen. Ein 
plötzlich aufspringender Wind trieb die Flammen 
dem Pulvermagazin zu und erst nach langer, 
angestrengter Arbeit gelang es Bürgern und 
Soldaten, die furchtbare Gefahr abzuwenden. 
Pigot konzentrirte feine Truppen auf die Stadt 
und ihre Umgebung und als am andern Morgen 
gegen 9 Uhr ein frischer Wind den dichten Nebel 
verscheuchte, sahen die im Schutze von Tammany 
Hill aufgestellten Truppen die französische Flotte 
in ziemlicher Nähe, zwischen den Inseln Cona- 
nicut und Gould Island. Weder den Offizieren 
noch den Mannschaften war der Anblick sehr er 
wünscht. Den Kanonen des Feindes preisgegeben, 
hatten sie nicht einmal zum Manoeuvriren genü 
genden Platz. Mit banger Erwartung sahen sieden 
Dingen entgegen, die da kommen sollten. So 
verstrichen viele Stunden, bis der Nachmittag 
den Bedrängten neue Hoffnung brachte. Um ! 
4 Uhr erschien am Horizont ein Segel, ein 
zweites folgte^ und bald zählten die erfreuten 
Soldaten dreißig Schiffe. Es war die englische 
Flotte unter Howe. Pigot sandte ihr ein Boot 
mit einem seiner Adjutanten entgegen, während 
die Franzosen sich zu einem Angriffe zu rüsten 
schienen. Sie. landeten Truppen auf Conanicut 
und es schien, als ob sic, unterstützt von den 
amerikanischen Truppen auf der Westseite, zum 
Angriffe Vorgehen würden. Auch aus eine See 
schlacht rechnete man; der Wind fiel jedoch, und 
bei Einbruch der Nacht war die englische Flotte 
noch eine Seemeile weit entfernt. Pigot, der 
noch imnier einen Angriff fürchtete, konzentrirte 
seine beiden Schlachtlinien. — Während der 
Nacht sandte er das Regiment Bayreuth an 
einen drei (engl.) Meilen entfernten Punkt, wo 
man eine Landung der Amerikaner befürchtete. 
Die Franzosen reparirten unterdessen ihre Schiffe. 
Um 10 Uhr folgenden Morgens verließen sie, 
von den Strandbatterien heftig beschossen, den 
Hafen, vor dem die Engländer Aufstellung ge 
nommen. Mit Staunen sahen die Newpvrter, 
nachdem sich die Rauchwolken verzogen, daß die 
englische Flotte, wenn auch noch immer in 
Schlachtordnung, den Rückzug angetreten hatte 
und von der französischen verfolgt wurde. Noch 
ehe sie sich von der Ueberraschung erholt hatten, 
war das letzte Schiff im Südosten verschwunden! 
Wunderbar fast scheint es, daß nicht ein Eng 
länder oder Hesse verwundet wurde, trotzdem die 
Franzosen 10,000 Schüsse abgegeben " hatten! 
Die Schiffe der letzteren hatten desto ärger zn 
leiden unter den Schüssen der drei Batterien, 
die sie passiren mußten. Die Fluth spülte die 
Todten an's Land, welche sic über Bord ge 
worfen hatten. Verschiedene Detachements ameri 
kanischer Truppen waren herbeigeeilt, um den 
Angriff zu unterstützen, zogen sich aber zurück, 
sobald sie die französische Flotte absegeln sahen. 
So konnte denn auch das Regiment Bayreuth 
am 11. wieder seine alte Stellung auf der vor 
deren linken Flanke der Verschanzungen, nahe 
Tammany Hill, einnehmen. Die Vertheidigungs 
werke lehnten sich an eine felsenbedcckte Anhöhe, 
auf welche sich die Truppen im Nothfall zurück 
ziehen konnten. Drei gefangene amerikanische 
Offiziere sagten aus, daß ihre Truppen 20 bis 
22,000 Mann stark bei Windmill Hill ständen, 
geleitet von Sullivan, Green und Lafayette; auch 
Präsident Hancock sei bei ihnen. — Sofort 
wurden neue Befestigungen angelegt. Strömender 
Regen machte jedoch bald alles Arbeiten unmög 
lich und ein heftiger Sturm warf die Zelte um. 
(Fortsetzung folgt.)
        

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