Full text: Hessenland (3.1889)

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mische Kolöalen Ln Wewport während der Kahre 1M6 
bis M9. Hessen Belagerung im Fahre IHfl 
Von Ll 
In Nr. 2, Band 7, des „Rhode Island His- 
torical Magazine“ finde ich einen Vortrag ab 
gedruckt, gehalten in dem Newporter Geschichts 
verein , worin Vieles für meine hessischen 
Landsleute von Interesse sein dürfte. 
Der Redner ist selbst hessischer Abstammung. 
Sein Vater verließ im Anfang dieses Jahr 
hunderts nnt wenig Geld, aber mit einem hellen 
Kopf und gerader Ehrlichkeit ausgestattet seine 
Geburtsstadt Kassel. Der damals arme Junge 
ist heute einer der angesehensten, reichsten und 
glücklichsten Bürger in einer der größten Städte 
der Vereinigten Staaten — derselben Stadt, in 
welcher ein anderer Hesse, vr. Gottlieb Kellner, 
den „Demokrat" redigirt. — Der ganze Vor 
trag ist so anziehend, daß es mir schwer wird, 
nur das auszuwählen, was sich auf die hes 
sischen Truppen bezieht, ich werde es jedoch 
so gut als möglich versuchen. — 
Wenig amerikanische Städte genießen die 
nicht sehr beneidenswerthe Ehre, durch Belage 
rungen bekannt geworden zu sein. Newport (im 
Staat Rhode Island) kann sich dessen rühmen 
und Max von Eelking erzählt manche Episode 
ans jenen Tagen in seinem Werk: „Die deutschen 
Hülfstruppen im nordamerikanischen Befreiungs 
krieg." Besonderes Interesse erhalten die zwei 
Bände dadurch, daß Eelking nicht einfach trockene 
Thatsachen berichtet, sondern häufig die Teil 
nehmer an jenem Kriege selbst reden läßt, indem 
er zahlreiche Briefe von Offizieren und Mann 
schaften einsticht. — 
In 1776 sandte der englische Befehlshaber 
Howe einen großen Truppenkörper nach New 
port, wo derselbe nahezu drei Jahre blieb, ohne 
benutzt zu werden. Clinton und Parker be 
fehligten die Truppen, welche zu fast gleichen 
Theilen aus Deutschen und Engländern bestanden. 
Unter den ersteren waren die Brigade Huhne, 
das Leibregiment und ein Theil des Regiments 
Loßberg — zusammen 6500 Mann. Am 25. 
und 26. November wurden die Truppen auf 60 
Schiffen, meist der Ostindischen Kompagnie ge 
hörend, eingeschifft und am 27. verließ die Flotte 
D. R. 
in drei Geschwadern Newyork. Jedes Geschwader 
war gedeckt von drei Kriegsschiffen. Am 7. De 
zember kam die Flotte vor Newport an (heut 
zutage dauert die Fahrt 8 Stunden) und fand 
alle Punkte von Bedeutung vom Feinde besetzt. 
Am 8. wurde die Landung bewerkstelligt ohne 
den erwarteten Widerstand. Die Feinde hatten 
sich über die See auf Bristol und Providence 
zurückgezogen, sobald die britische Flotte in Sicht 
gekommen wor. Clinton nahm von Newport 
Besitz, wo er das Regiment Prinz Karl ein 
quartierte und am 14. auch das Regiment Dit- 
furth. Trotz strenger Külte und Sturm mußten 
die Truppen acht Tage lang bivouakireu, bevor 
Zelte und Gepäck gelandet werden konnte». Die 
Garnison, welche das Städtchen erhielt, bestand 
aus 1 Bataillou leichter Infanterie, 1 Bataillon 
Grenadiere, 4 englischen Regimenter», 1 Abthei 
lung englischer Artillerie, 1 Schwadron Dra 
goner, dem 17. Regiment und den hessischen Re 
gimentern : Prinz Karl, Ditfurth und Leib- 
regiment. 
Aus den hessischen Regimentern wurden die 
zum Dienste als leichte Infanterie tauglichsten 
Leute ausgewählt und daraus 2 Jägerkompagnien 
sormirt. Newport zählte damals 1100 meist 
kleine hölzerne Häuser. Die Wohnhäuser der 
Reichen freilich waren groß und geräumig, von 
der Straße getrennt durch hohe Eiscngitter; 
hinter jedem derselben befand sich ein großer 
Garten, umgeben von Ställen, den Hütten der 
Neger u. s. w. Im Innern waren sie mit Tep 
pichen belegt und geschmackvoll möblirt. Die 
Soldaten fühlten sich ganz behaglich, trotzdem 
ihnen die Bürger, die meist „Patrioten" waren, 
nicht sehr freundlich entgegen kamen. Die Offi 
ziere wurden bei den wenigen „Loyalen" ein 
quartiert, die in der Stadt geblieben waren, die 
Soldaten in die Häuser derjenigen, welche es 
vorgezogen hatten, zu fliehen. An Holz zur 
Feuerung herrschte der größte Mangel, fort 
während wurden Detachements ausgeschickt, solches 
anfzntreiben. Viele Leute waren aus Furcht vor 
den Hessen geflohen, da man behauptete, daß
        

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