Full text: Hessenland (3.1889)

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d em Lande," — die leider Fragment geblieben 
— angeregt hat. Daß jedoch dieser Einfluß nicht 
so weit ging, um auf ein durchaus originales, 
ganz auf sich ruhendes Talent umgestaltend zu 
wirken, beweisen folgende bezeichnende Worte in 
demselben Briefe: 
„Von meinem lieben Molchen H. bekomme 
ich fleißig Briefe und könnte Ihnen, wären wir 
nur zusammen, manches Interessante daraus mit 
theilen; fast keiner schließt ohne Grüße an Sie, 
die ich Ihnen hiermit in Bausch imd Bogen über 
mache. Leider bin ich mit Matchen, was 
Kunst und Poesie betrifft, nicht einer 
Meinung, da sie einer gewissen romantischen 
Schule auf sehr geistvolle, aber etwas einseitige 
Weise zugethan ist; dennoch ist jedes ihrer 
Worte tief ged acht und sehr beherzt gens- 
werth; sie wird mich aber nie in ihre 
Manier hineinziehen, die ich nicht nur wenig 
liebe, sondern auch gänzlich ohne Talent dafür 
bin, was sie verstockter Weise nicht einsehen will. 
Sie wissen selbst, liebster Freund, daß ich nur 
im Naturgetreuen, durch Poesie veredelt, etwas 
leisten kann, Molchen hingegen ist ganz Traum 
und Romantik und ihr spuken unaufhörlich die 
Götter der Alten, die Helden Calderon's und die 
krausen Märchenbilder Arnim's und Brentano's 
im Kopfe. So haben wohl nur die vielen Vor- 
und Gespenstergeschichten, der mannigfache Volks- 
aberglaube u. s. w. unseres Vaterlandes sie dahin 
gebracht, bei meiner Halsstarrigkeit ckauts de mieux 
diesen Stoff in Vorschlag zu bringen, und ist 
das Buch fertig, d. h. wenn Sie mir dazu rathen, 
so wird es ihr schwerlich genügen. In meinen 
Gedichten glaubt sie ein gutes Talent auf höchst 
traurigem Wege zu sehen, namentlich „Die 
Schlacht im Lo euer Bruch" ist ihr durchaus 
fatal, sie nennt es eine ganz verfehlte Arbeit auf 
höchst widerhaarigem Terrain.*) — Sie werden 
*1 Von der „Schlacht im Loener Bruch" urtheilt I. 
Scherr: „Dieses Gedicht darf sich kecklich zu dem Besten 
stellen, was im ganzen Umfange der Weltliteratur 
von Wehr und Waffen singt und sagt." 
leicht hieraus folgern, daß ihr „Des Arztes 
Vermächtniß" am meisten zusagt. Da sie 
mich aufrichtig liebt und Großes mit mir im 
Sinne hat, so quält sie mich unermüdet und mit 
Bitten, die einen Stein erweichen sollten, von 
meinen Irrwegen abzulassen. Das ist eine harte 
Nuß!" 
Ein ander Mal schreibt sie von Apenburg, 
einem der Güter ihrer Verwandten, unter'm 22. 
August 1839 in ihrer frischen, drastischen und 
manchmal selbst an's Burschikose streifenden Aus 
drucksweise an Schlüter: „Die Onkels sind sehr 
gütig gegen mich und Malcheni st auchwahr 
haftig kein Lump! wenn sie nur erst 
hier wäre! Das ärgert mich am meisten, daß 
Ihr Euch gegenseitig nicht kennt, obgleich ich wohl 
den Kürzeren dabei ziehe und am Ende et 
was drüber sein könnte." Oben war schon vor 
ausgeschickt: „Nächstens giebt es aber einen Feier 
tag im Kalender, Molchen H. kömmt, wann 
weiß ich nicht genau, doch darf ich schon in den 
nächsten Tagen anfangen, sie zu erwarten; das 
ist doch wohl ein Fest!" 
„Nach Kassel soll ich auch noch mit Malchen, 
dazu wird es aber schwerlich kommen und das 
schadet auch nicht; ich will sie lieber drei Tage 
hier haben, als zehn in Kassel in einem fremden 
Hause und meine Zeit in Besuchen versplitternd." 
Diesen hier ausgezogenen Briefstellen ließen sich 
noch andere beifügen, welche bekunden, was Amalie 
Annetten galt und wie hoch sie von ihr gehalten 
wurde — von ihr der unvergleichlichen deutschen 
Frau, die mit dem wunderbarsten Talente zugleich 
die seltenste Charaktergröße in sich vereinigte. 
Gäbe es da wohl eine bessere Gewährleistung 
für den ethischen Werth und die geistige Bedeutung 
unserer Landsmännin als die Liebe und Aner 
kennung von solcher Seite? — 
(Fortsetzung folgt.) 
Hessische Hssiziere. 
Ein Beitrag zur hessischen Militärgeschichte. 
Von I. Schwank. 
(Fortsetzung. S. d. Nummer 21 u. 22 des Jahrgangs 1888.) 
Oberst Heinrich Wilhelm Huth trat im 
März 1762 als Generalmajor und Chef der 
Ingenieurs in kur-hannöversche Dienste, ging 
15. Februar 1763 an den fürstlichen Hof nach 
Hanau und danach als Generallieutenant in k. 
dänische Dienste. 
Graf Christian Ludwig von Isenburg, 
geboren 8. Oktober 1710, hessischer General- 
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