Full text: Hessenland (3.1889)

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An» Abend seines Lebens ward unserem Crocius 
nvch die Freude zutheil, an die Stelle, von welcher 
man ihn im Jahre 1624 verstoßen hatte, in 
höchst ehrenvoller Weise wieder zurückgeführt zu 
werden. Nachdem nämlich im Frühjahr 1648 
zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 
Friede geschlossen und einige Jahre später die 
Uebereinknnft getroffen war, daß Marburg für 
ersteres, Gießen für letzteres Landes-Uuiversität 
sein solle, wurde Crocius 1653 für die neu zu 
eröffnende Universität als protassor priniarius 
von Kassel nach Marburg versetzt und zugleich 
für dieses erste Jahr zum Rektor bestellt. Als 
socher hielt er am 16. Juni desselben Jahres bei 
der neuen Eröffnung der Universität, welcher der 
Landgraf Wilhelm VI. und die angesehensten 
Männer des Landes beiwohnten, zuerst auf dem 
Schloß mit jugendlicher Kraft eine Predigt, 
welche wortkarg, aber gedankenreich war, über 
Sacharja 4, 6, sodann in der Aula eine lateinische 
Rede, welche noch mehr Kraft imb Gedankenfülle 
hatte, und in welcher er für die Hochschule er 
flehte, daß sie eine echte Werkstatt göttlicher und 
menschlicher Weisheit durch Gottes Gnade werden 
möge. So feierte er denn einen Triumph, der 
ihn für das früher erlittene Mißgeschick vollen 
Ersatz bot. Noch sechs Jahre lang war es ihm 
dann vergönnt, wieder in Marburg mit großem 
Segen als Lehrer der Jugend zu wirken, bis er 
im 69. Lebensjahr 1659 an der Wassersucht er 
krankte und diesem Leiden am 1. Juli erlag. 
Landgraf Wilhelm VI., der dem Krankeil 
brieflich seine Theilnahme ausgesprochen hatte, 
stellte dem Verstorbenen ein ehrenvolles Zeugniß 
ans. Er schrieb nämlich eigenhändig an die 
Wittwe, daß das Vaterland in Crocius einen 
uni Kirche und Schule wvhlmeritirten Mann 
und die Universität das vornehmste Glied ver 
loren habe, er selbst aber einen ergebenen und 
treuen Rathgeber. 
«sstziere. 
Ein Beitrag zur hessischen Militärgeschichte. 
Von I. Schwank. • ... 
(Fortsetzung.) 
Bernhard Wilhelm Wiederhold, geboren 
1757 zu Kassel, studierte am Kollegium Caro 
linum und in Güttingen, wurde 1776 Fähndrich 
beim Leibregiment, 1780 während des Ameri 
kanischen Feldzugs Secondelieutenant, 1787 
Premierlieutenant, 1788 außer der Reihenfolge 
Hauptmann im Infanterie-Bataillon Lenz zu 
Rheinfels, 1789 Quartiermeister-Lientenant, als 
welcher er die zweite Kolonne bei der Er 
stürmung Frankfurts 1792 führte, welche durch 
das Allerheiligenthor drang. Aus dieser Ver 
anlassung verlieh ihm der König von Preußen 
den Orden pour le merite. Er geriet!) 1793 
bei der Belagerung von Mainz in Gefangen 
schaft, verließ 1797 die hessischen Dienste, um 
in Königl. portugiesische zu treten, obwohl die 
Verfügung schon ausgefertigt war, die ihn zum 
Flügelad ntanten ernannte. Dort starb er 1810 
als General und Brigadier von Wiederhold. 
Er war Mitarbeiter an der „neuen Bellona", 
bei Abfassung des Hess. Exercier - Reglements 
hervorragend betheiligt und schriftstellerisch über 
haupt sehr thätig. 
Ernst Ludwig von Wilcke, geboren 1653 in 
Thüringen, kam 1704 aus holländischen in 
hessische Dienste als Generalmajor, wurde am 
16. September 1706 Generallieutenant, ging 
1709 (1711?) in kursächsische Dienste, in welchen 
er am 29. Juli 1725 als General der In 
fanterie, 72 Jahre alt, starb. Er hatte in der 
Schlacht von Höchstädt 1704 den Angriff auf 
Blindheim, in der Schlacht bei Castiglione das 
ganze Hess. Korps geführt, 1708 die Belagerung 
von Lille, 1709 die Blokade von Tournai unter 
nommen. 
Flügeladjutant Lieutenant von Winzige- 
rvde ging 1800 in K. russische Dienste und 
starb daselbst als Generallieutenant. 
Johann Ernst v. Winzingerode, Premier- 
lieutenant bei der Garde und den Jägern (1779 
bis 1784). Trat in K. preußische Dienste und . 
als Kapitain in den Ruhestand. 
Carl August v. Wreden, Kapitüin im 
hessischen Feldjägerkorps, nahm, nachdem er die 
beiden ersten Jahre im nordamerikanischen Be 
freiungskriege eine Kompagnie rühmlich geführt, 
seinen Abschied, trat in darmstädtische Dienste, 
starb dort 1791 als Oberst. 
Generalmajor Gottfried Ernst von W u t - 
ginau, geboren 1673 zu Jungwiz in Nieder 
schlesien, zog 1706 als Volontär mit den Hessen 
nach Italien, wurde dort beim Erbprinzen General 
adjutant, 1709 Oberstlieutenant, wohnte 1715 
dem Feldzug in Pommern bei, marschirte 1717
	        

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