Full text: Hessenland (2.1888)

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etwas später blühet, so nennen die Polen — 
doch nicht ganz genau — erst den Juli so:. 
Lipietz — von Lipa, Linde; woher auch Leipzig 
als Linden-Stadt. 
Uns darf mit gutem Fuge der Juni aber 
Linding heißen. In Hessen kam ehemals der 
der Name vor. 
Eine altlatinische Bezeichnung unseres siebenten 
Monates war „Julius" gewesen; lange ehe man 
die Monate zu zählen begann. Später hieß 
derselbe — da mit dem Merzen angefangen 
ward — Quinctilis. Lateinisch Julius ist jedoch 
dasselbe Wort als gothisch Jiuleis, das noch bei 
Skandinawen und Niederdeutschen als „Jul" 
fürs Weinachts-Fest fort bestehet. Gemeint ist 
überhaupt die Sonnen-Wende, das Sonnen-Rad; 
sei es dessen Drehung im Sommer oder im 
Winter. 
Das römische Geschlecht der „Julier" hieß 
nun nach dem Monate, wie es auch die Namen 
Junius, Januarius, u. s. w. gab; nicht etwa 
umgekehrt. Man griff aber zu Ehren Cäsars, 
die urälteste Monats-Benennung wiederum auf, 
und verdrängte die verhältnismäßig junge und 
jüngere Quinctilis. 
Wenn Weinhold in seinen Monats-Namen, 
4. 47, gothisch Jiuleis, ags. Geola hinwider für 
entlehnt und vom Sommer auf Winter über 
tragen erklärt, anstatt für urverwandt, so ist 
solche willkürlichste Behauptung selbstredend als 
denkbar unwarscheinlich abzuweisen, kennzeichnet 
aber wieder einmal die innerlich durch und durch 
undeutsche Richtung unserer zünftigen Gelehrten. 
Bei Annahme einer Entlehung und gleichzeitiger 
Übertragung von einer Wende auf die andere, 
müßten ja die Germanen im lateinischen Worte 
noch den Begriff „Rad" oder derlei lebendig 
empfunden haben. 
Wir dürfen uns Juli, oder auch Julei, als 
deutschen Namen für die Zeit der Sommers 
Sonnen-Wende schon gefallen laßen; indem wir 
allerdings eines Zusammenhanges mit „Jul" 
bewußt und eingedenk seien. 
Der folgende Monat hatte ebenwohl früher 
dinglich geheißen, ehe er dann die Nummer 
„Septilis" überkam. Und gleichfalls war es ein j 
Zurückgreifen, da man um Oktavians willen, den 
Monat wieder August nannte. 
Denn das lateinische Beiwort an^ustus sowol, 
als der Monats- und Personen-Name ordnen 
sich gleichmäßig und unabhängig von einander 
zum Zeitworte au^oro. Dieses besaßen wir 
deutsch, mit regelrechter Lautverschiebung, eben 
falls: goth. aukan, hochdeutsch auchen, d. i. zu 
nehmen, wovon noch unser Bindewörtchen „auch". 
So dürfte der Erntemonat, wo unser Hab 
und Gut sich mehrt, mit geringer lautlicher 
Änderung einheimisch Auchst heißen. Die Bildung 
ist wie bei Ang-st, Dien-st, Gun-st, u. s. w. 
Im Mittelalter galten unterschiedliche mundartliche 
Formen, in Hessen zumal Auwest; entsprechend 
der Form „au" für „auch". 
Erst neuere Gelehrsamkeit stellte die volle 
lateinische Lautung in unsere Sprache ein. 
Der unzutreffende Name „Siebenhaft", d. i. 
September, da der Monat in unserer Folge doch 
der neunte geworden ist, werde etwa ersetzt durch 
Icheiding, zunächst imHinblicke auf den scheidenden 
Sommer. Immerhin möge man aber auch an 
eine Scheide der Jahres-Zeiten denken. 
Der zehente Monat heiße uns fürder auch nicht 
mehr mit Zählungs-Fehler. Treffend ist der 
Name Gilbhart, um des gilbenden Laubes willen. 
Im Fuldischen hörte ich ihn; und ebenwol ist 
Gilbhart, Gilbert persönlicher Name. 
Gleiche Erwägung bietet der Name November. 
Beßer denn solche falsche Nummer wäre eine 
Benennung, die ihren Grund in eigentümlicher 
Witterung zu jener Zeit fände. Unter solchem 
Gesichts-Punkte verdiente der Monat den Namen 
Nebelung. Dieser klingt zugleich sagenhaft an; 
denn Nibelung, ein Jnsaße Nebelheims, besagt 
nichts anderes. 
Endlich die Bezeichnung Ehristmond angehend, 
so darf solche wol ohne weiteres bei unserem 
Volke vollste Berechtigung als Name des zwölften 
Monates ansprechen; abgesehen davon, daß auch 
„Dezember" unrichtig zählt. — 
Deutsche Kalender-Macher möchten mit gutem 
Beispiele in der Weise vorangehen, und einen 
gesegneten Anfang in die Wege leiten, daß sie 
die hier aufgestellten heimischen Namen, zunächst 
in Klammern, hinter die fremden noch fügten.
        

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