Full text: Hessenland (2.1888)

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Mische Uonats-Uamen. 
Von H. v. 
f er Einführung des Christentumes sind doch 
manche Seiten unseres volkstümlichen Lebens 
recht unnötiger Weise zum Opfer gefallen, 
wo nur irgendwie Unterstellung heidnischer Be 
züge hierfür etwaige Handhabe bot. 
So ward das Runen-Buchstabich von den 
christlichen Bekehrern, trotz dessen prägischer Schön 
heit verschmähet. Recht leicht könnten damals 
die Runen zu allgemeiner Verkehrs-Schrift, nach 
einem Ausgleiche unerheblicher Verschiedenheit 
bei manchen Stämmen, weiter entwickelt sein. 
Doch selbst Wulfila schuf lieber sich schon nach 
geahmte eigene Zeichen, ehe er die ehrwürdigen 
Runen belaßen hätte. 
Später, bei unseren westlichen Stämmen be 
quemte man vollends stumpsinnig sich zu lateinischer 
Präge, woraus dann allmählich in Klöstern sich 
unsere heutige Schrift entwickelte: ein geringer 
Ersatz für Verlorenes. 
Auch die Monats-Namen wurden von eng 
herzigem Eifer vernichtet. Die angeblich von 
Karl dem Großen herrührende oder veranlaßte 
Sammlung bietet mit Nichten die altheidnischen 
Namen dar, die übrigens wiederum nach Stämmen 
recht abweichend gewesen sein möchten, was noch 
heutige Mundarten erkennen laßen. Jene Samm 
lung diente also zweien Gesichts-Punkten: einmal 
der Tilgung gewisser Anklänge ans Glaubentum 
der Vorfahren, dann aber auch wünschbarem 
landschaftlichem Ausgleiche. Ihre Benennungen 
sind gemachte: nüchtern und ohne frische Fär 
bung dichterischer Ursprünglichkeit. Schon die er 
müdende Gleichmäßigkeit der Zusammensetzung 
mit „Monat" verrät ihre Herkunft. 
Sei hier eine Aufstellung einfacher deutscher 
Namen versucht, die altes und neues vermitteln 
soll; die ebenwohl in unseren Mundarten, und 
vor allem im Hessenlande, zum Teile wurzelt. 
Hartung, Hornung, Spörlrel; Ostermond, Mai, 
Linding; Juli, Auchst, Icheiding; Gilbhart, Nebe 
lung, Christmond. 
Die Franzosen hatten nach ihrer großen Stats- 
Umwälzung ja auch das vaterländische Bedürfnis 
volkstümlicher Namen gehegt. Sie scheiterten 
nur, indem sie — dem Götzen der Zehenfaltigkeit 
huldigend — solche Zehenteilung auch bürger 
lichem Jahre, entgegen schöpferischer Ordnung, 
aufzwingen wollten. 
Männliches Geschlechtes sind nach bekannter 
Regel alle Monats-Namen. Zu ihrer Er 
läuterung mögen sie einzeln gemustert werden. — 
Ms recht chattisch, und daher auch bei nieder 
rheinischen Chatten einst üblich, bezeichnete I. 
Grimm den Hartung, Hartmvnd, sowie im Wort 
spiele zwischen man und mann: Bruder Hart 
mann. 
Gemeint mit „Hart" ist hier „Scholle", laut 
verschoben einstimmig mit polnischem Gruda; 
nur daß Grudzieng dort für Christmond gilt. 
Des zweiten Monats deutscher Name: Hornung 
hat sich wundersamer Weise weiterhin behauptet. 
Versuchte Ausdeutungen schwanken; man nahm 
lange Zeit an, es bezöge sich aufs Abwerfen des 
Gehörnes der Hirsche. 
„Lenz" — Lenzinmanöt — vielleicht vom 
länger werden der Tage ursprünglich verstanden, 
will heute für den rauhen dritten Monat — 
dessen Herz hart heißt im Spruche — doch 
nicht mehr passen. Man denkt sich nimmer nun 
den März doch als Lenz; da unser Gefühl für 
diesen Ausdruck ein anderes geworden. 
In Schillers Gedichten vom holden Lenzen 
werden freilich unterschiedliche Gestaltungen der 
Jahres Zeiten verworren: er läßt die Erde sich 
bereits verjüngt haben, während doch erst des 
Eises Rinde springt! 
Im nordwestlichen Deutschlande wird der März 
mundartlich Ipd'rKel genannt. Diß mit um 
stelltem r — Born: Brunne — von „Sprock", 
d. i. Windbruch, dürres Rcisich. 
Anstatt des foppenden Namens April wäre 
in christlichem Munde wol die würdigste Be 
zeichnung Ostermond. Dann empföhle sich aber 
auch endliche Festlegung der Ostern. Daß, ent 
gegen dem Geburts-Feste unseres Heilandes, 
dessen Todes-Tag wandelbar blieb — an sich 
widersinnig — ward übrigens gerade durch die 
heidnische Feier der Ostara mit veranlaßt. Einige 
sich gesammte Christenheit dahin, daß erster 
Donnerstag im Ostermonde doch grüner Donners 
tag sei. 
Mai, ein Italern, Germanen, Slawen gemein 
sames Wort, bedeutet eigentlich nur Laub; wo 
her noch bei uns die Benennung „Maien" für 
grüne belaubte Zweige. 
Auch als persönlicher Eigennamen kömt „Mai" 
vor und zwar eben häufig in Hessen! Hinwider 
meint Wonnemond vielmehr Waidcmonat, wo 
die Stallsütterung aufhörte. 
Ein rechtes und echtes Kennzeichen des sechsten 
Monates, bei mitteleuropäischen Völkern ist offen 
bar die Linden-Blüte. Da im Osten der Baum
	        

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