Full text: Hessenland (2.1888)

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Von W. Bücking. 
(Schluß.) 
An der südlichen Chorwand steht der aus Holz 
verfertigte, bemalte und mit drei Thürmen ge 
krönte Celeb rantenstuhl, für die am Hoch 
altar fungierenden Priester; der mittlere Thurm 
birgt ein aus dem 14. Jahrhundert stammendes 
Holzbild der heil. Elisabeth; nebenan steht eine 
Piszina (Gußstein). 
In der nördlichen Chorwand ist das zierliche go 
thische Tabernakel angebracht, umgeben mit 
Malerei und lateinischen Sprüchen, welche auf das 
ehemals in diesem Schranke aufbewahrte Sakrament 
und auf Christi Gegenwart in demselben Bezug 
nehmen. 
Die Wände des Chors sind mit Todtenschilden 
der Ordensritter und mit Komturgrabmalen ge 
ziert: Georg Daniel von Habel ch 1652, August, 
Graf zur Lippe ch 1701, Adolf Eitel von Nvrdeck 
zur Rabenau si 1667 und Philipp Leopold von 
Neuhos ch 1670. Neben dem Epitaphium des 
letzteren befand sich weiland in der Wand eine 
Pergamenttafel hinter Glas, auf welcher folgendes 
zu lesen war: 
Anno domini MCCX XXIII coeperunt habi- 
tare in Marpurg fratres domus theutonice. 
„Im Jahr des Herrn 1233 fingen an zu 
wohnen in Marburg die Brüder des deutschen 
Hauses." 
Anno domini MCCXXXV positum est 
fundamentum ecclesie augusto in vigilia as- 
sumptionis Mariae virginis. 
„Im Jahr des Herrn 1235 ist gelegt das 
Fundament dieser Kirche im August tags vor 
Mariä Himmelfahrt." 
Anno domini MCCXL obiit Iraker Conradus 
quondam lantgravius magister ordinis teutoni- 
corum. 
„Im Jahr des Herrn 1240 starb Bruder 
Konrad, weiland Landgraf, Meister des deutschen 
Ordens." 
Anno domini MCCLXXXIII calendis maji 
dedicatum monasterium beate Elisabeth in 
Marpurg. 
„Im Jahr des Herrn 1283 am 1. Mai wurde 
die Kirche der seligen Elisabeth in Marburg geweiht." 
Anno domini MCCLXXXX calendis maji 
dedicatum fuit summum altare. 
„Im Jahr des Herrn 1290 am 1. Mai ist 
der Hochaltar geweiht." 
Chor und Kreuzarme sind durchaus mit alten 
und neuen bunten Glassenstern versehen, welche 
theils Figuren theils Teppichmuster darstellen. 
Unter ersteren sind zu bemerken Christus, Johannes, 
Jakobus, Johannes der Täufer, Bartholomäus, 
Augustin, Maria. Elisabeth u. a. und einige 
biblische Darstellungen. 
Wände und Säulen der Kirche haben einen 
röthlichen, die Gewölbekappen dagegenjeinen blauen 
Anstrich bis auf die des Chors, welche mit Pflanzen 
ranken, wilden Blumen und dem Deutschordens 
kreuz bemalt bzw. übermalt sind. 
Durch drei Thüren gelangt man aus dem 
Chor in die Sakristei. Hier ruht hinter einem 
eisernen Gitter auf einem Gestelle unter Glas 
verschluß der Sarg der heil. Elisabeth. 
Er ist von Eichenholz, rechteckig mit steilem Dache 
1,71 Meter lang, 1 Meter hoch, mit vergoldetem 
Kupferblech überzogen und überall mit Edelsteinen 
und Perlen besetzt. Die Figuren daran sind von 
Silber und stark vergoldet. An der vorderen 
Seite erblickt man Christus in halbsitzender 
Stellung, seine rechte Hand etwas emporhebend, 
während er in der linken ein Buch hält, und zu 
beiden Seiten je drei Apostel. Auf der gegen 
überstehenden Seite war Christus am Kreuz 
dargestellt, zu seiner Rechten Maria, zur linken 
Johannes, über Christus ein schwebender Engel, 
eine Krone über das Haupt des Erlösers haltend, 
und zu beiden Seiten je drei Apostel. Den 
Crucifixus und Engel sammt den kostbarsten Perlen 
und Edelsteinen entwendeten räuberische Hände, 
als das Monument in westfälischer Zeit 1812 
nach Kassel verbracht worden war, wo es bis 
1814 verblieb. Auf der vorderen schmalen Seite 
befindet sich Maria mit dem Kinde, aus der
        

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