Full text: Hessenland (2.1888)

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das wir aus solcher Entsagung erstehen sehen, stimmt 
uns zur Andacht. 
Aus den tiefsten Tiefen menschlichen Fuhlens 
schöpft H. Keller-Jordan in „Transatlantisches" die 
Kraft ihrer Charaktere. Wir erkennen die Dichterin 
wieder, die in „Roderich Wallner", in „Mexikanische 
Novellen", in „Natalie", „Hacienda Felicidad", in 
„Aus der Gegenwart" und „Die Grubers" sich in 
die Reihe der hessischen, deutschen, transatlantischen 
Dichter gestellt hat. vr. P. T. 
— In früheren Zeiten ward von bedeutenden 
Geistern eine Dichtungsart gepflegt, mit welcher sich 
die Schriftsteller unseres Jahrhunderts leider sehr- 
wenig beschäftigten und noch beschäftigen, nämlich die 
„Fabeldichtung". Luther, Geliert, Lessing, Pfeffel 
und andere namhafte Dichter versuchten sich bekannt 
lich mit Erfolg an der Fabel; mit dem letzten be 
deutenden Fabeldichter A. E. Fröhlich, welcher 1865 
starb, wurde aber leider auch die Fabeldichtung zu 
Grabe getragen. Und doch hatte dieselbe noch nicht 
den Gipfel ihrer Vollkommenheit erreicht. Vilmar 
verurtheilt die Trockenheit und Geschwätzigkeit, sowie 
die oft langweilige Lehrhaftigkeit, welche bei den 
Gellert'schen Fabeln und denen zeitgenössischer Dichter 
in den Vordergrund treten, und bedauert vor Allem 
das gänzliche Fehlen wirklicher Poesie in denselben. 
Ebenso verurtheilt Grimm die epigrammatische Kürze 
der Fabel und führt dabei die Fabeln Lessings an. 
„Die Kürze", sagt Grimm, „ist der Tod der Fabel". 
Nicht ohne Stolz betonen wir, daß in neuerer Zeit 
ein Hesse, der bekannte Maler und Dichter Karl 
Finck seine glückliche poetische Begabung der Fabel 
dichtung hingab und derselben dadurch den Platz in 
der Literatur wieder einräumte, welcher ihr von 
Rechtswegen zukommt. Die von Grimm nicht mit 
Unrecht gerügten Unschönheiten der früheren Fabel 
dichtungen verstand Karl Finck in seinen „Fabeln" 
geschickt zu vermeiden. Karl Finck zuerst gelang 
es, in der Fabel ein klares Gedankengewebe mit tief 
poetischem Ausdrucke zu verbinden. Wie nicht anders 
zu erwarten war, fand diese Dichtungsweise Fincks, 
welche auch zugleich Unterhaltung gewährt, vor allem 
in den ersten literarischen Zeitschriften Deutschlands 
Anerkennung, zumal durch dieselbe eine in der 
Literatur vorhandene Lücke ausgefüllt wurde. Wir 
empfehlen unsern Lesern die „Fabeln" von Karl 
Finck und sind auf das Erscheinen des zweiten 
Bandes derselben gespannt. j. L. 
— Vor Jahresfrist in einer der ersten Nummern 
des „Hessenlandes" brachten wir eine Kritik über 
zahlreiche im Verlage von Paul Voigt in Kassel 
aus Leipzig erschienene Kompositionen unseres Lands 
mannes Johann L e w a l t e r und schon heute sind 
wir in der Lage, unseren Lesern von der zweiten 
Auflage des damals erschienenen Liedes „So laß mich 
sitzen ohne Ende" (Gedicht von Ferdinand 
Freiligrath) berichten zu können. Da das Lied 
bisher nur Sopran- und Tenorstimmen von großem 
Umfange zugänglich war, hat der Komponist in dieser 
neuen Auflage vor allem hinsichtlich der Stimmlage 
Erleichterungen vorgenommen, so daß nunmehr jede 
Stinttne mittleren und höheren Umfanges 
das Lied gut vorzutragen im Stande ist. Der 
schnelle Umsatz der ersten Auflage zeigt von der Be 
liebtheit des Liedes; wir können somit auch die 
zweite Auflage desselben den Lesern des „Hessen- 
landes" empfehlen. r . 
Kriefkasten. 
K. N. in Kesselstadt. Was wir nicht verwenden, senden 
wir Ihnen zurück. 
K. F. in Kassel. Ihre Beiträge sind uns willkommen. 
Daß der Gegenstand schon einmal poetisch behandelt ist, 
steht dem Abdruck durchaus nicht im Wege. 
H. H in Marburg. Soll verwandt werden. 
M. 8. in H. Wir werden Ihnen antworten. 
v. Pf. in Berlin. Die Artikel ,.Althessisches" und 
,,Die Monatsnamen" folgen in nächster Nummer. Wir 
bitten die Verzögerung zu entschuldigen. Brieflich Näh. 
Ph. L. Kassel. Wir haben uns anläßlich Ihres Briefes 
mit dem Verfasser in Verbindung gesetzt und demselben 
Ihre Bedenken mitgetheilt. Das Gedicht wird später 
benutzt werden. Besten Dank für das Interesse, welches 
Sie an unserer Zeitschrift nehmen. 
H. Gelnhausen. Die eingeschickten Aussätze, für die wir 
Ihnen unsern Dank abstatten, werden zum Theil benutzt 
werden. 
Eingegangen an milden Gaben 
für die unverschuldet in drückende Armuth gerathene 
86jährige taube und säst blinde Frau: 
Von E. A. 3 M., v. G. 3 M., H. 3 M., S. 2 M., 
S. 1 M., Dr. S.-Bevensen 4 M., v. P.-Marburg 3M., 
V.-Herleshausen 20 M., Dr. R.-Laubach 5 M., Dr. H. 
5 M., G. G. 1,50 M., F. 1 M., G. W. 1 M., W. H. 
100 M., E. E. 3 M. Summa 155 M. 50 Pf. Hierzu 
die in der vorigen Nummer angeführten milden Gaben 
im Betrage von 65 M. 50 Pf., zusammen 221 M. 
Um weitere Gaben wird gebeten. 
Zum Abonnement ans das 2. Quartal unserer 
Zeitschrift „Hessenland" laden ergebenst ein 
Kassel, im März 1888. 
Redaktion «nd Uerlag. 
Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zwenger in Kassel. — Druck von Friedr. Scheel in Kassel.
        

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