Full text: Hessenland (2.1888)

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Verfassung das Recht des Laudesherrn zum Ab 
schluß derartiger Bündnißverträge anerkannte, 
und damit wäre dierechtliche Seite der 
Sache zu Gunsten der Landgrafen von 
Hessen entschieden. Wer will nun aber 
so thöricht sein und diesen Landgrafen verargen, 
von einem Rechte Gebrauch zu machen, welches 
von fast sämmtlichen deutschen Fürsten that 
sächlich ausgeübt wurde? Etwa weil es nicht 
nöthig gewesen wäre? Wir kommen bei dieser 
Frage von der rechtlichen auf die politische 
Seite der iu Rede stehenden Vertragsabschlüsse. 
(Fortsetzung folgt.) 
Wie ich Kolöal wurde. *) 
Kleines aus großer Zeit. 
seine militärischen Erinnerungen reichen über 
den Beginn meines Soldatenlebens hinaus, 
denn meine Kindheit fiel in eine kriegerisch 
bewegte Zeit. Hierdurch wurde in dem Knaben 
die Lust am Kriegsleben geweckt, eine Lust, die 
der Mann, als Soldat, in einem vierzigjährigen 
Frieden büßen sollte. 
Zu Großalmerode, der kleinen kurhessischen 
Stadt, bin ich 1797 geboren. Die kriegerischen 
Ereignisse im Jahre 1806 brachten auch in meine 
Vaterstadt Soldaten. Hessische Grenadiere lagen 
bei uns im Quartier; ein Hauptmann setzte mir 
seinen Federhut mit der blitzenden Steruagraffe 
auf und ließ mich in den Spiegel sehen. Da 
fuhr mir ein elektrischer Funke durch die jungen 
Glieder und entzündete eine unwiderstehliche Lust 
zum Svldatenthum. 
Der Federhut mit der Sternagraffe wurde 
das Ideal meines Lebens! Der Hut, den ich 
zunächst trug, war zwar nur aus Papier, die 
Sternagrafie aus Flittergold; aber was der 
Mensch ernstlich will, vermag er wohl zu erreichen. 
Ich habe später auch den wirklichen Offiziershut 
getragen, cs hat mir auch Freude gemacht ihn 
zu tragen, aber das Glück und die Befriedigung, 
die der Knabe sich von solchem Hut erträumte, 
habe ich nicht unter ihm gefunden. 
Der Friede von Luneville, der die Landgraf 
schaft Hessen zum Kurfürstenthum erhob, war 
abgelaufen. Die Franzosen hatten bei Austerlitz 
gesiegt und Preußen im Gefühl erlittener Kränk 
ung, im Bewußtsein bewährten Kriegsruhmes die 
Waffen ergriffen. Blüchersche Husaren, die von 
Münster kamen, lagen bei uns im Quartier, als 
das Kriegsgewitter sich in Thüringen zusammen 
zog. Wie leuchteten die Augen des jungen Hu 
sarenadjutanten, als mein Vater bei Tisch auf 
*) Aus ben nachgelassenen Papieren eines preußischen 
Oificiers. 
einen glücklichen Feldzug mit ihm anstieß! Wie 
freudig, wie hoffnungsvoll zogen diese wüthigen 
Krieger ins Feld — aber das Schicksal der 
Schlachten entschied sich gegen sie. 
Auch dem neuen Kursürstenthum Hessen machte 
der stolze Sieger ettt schnelles Ende. Den neuen 
Kaiser persönlich in Paris zu begrüßen, hatte 
der neue Kurfürst versäumt und sich geweigert, 
dem Rheinbund beizutreten. Napoleon hatte 
zwar beim Ausbruch des Krieges 1806 Hessen 
die Neutralität bewilligt, das hinderte aber den 
übermüthigen und ungerechten Sieger später nicht, 
das Kurfürstenthum zu besetzen und wie ein er 
obertes Land zu behandeln. Der Kurfürst mußte 
fliehen und die hessische Armee erhielt die Weisung 
auseinander zu gehen. Das war aber diesem, 
wenn auch kleinen, doch kriegslustigen Heere nicht 
recht. Die Hessen sind von Natur brav und 
wo es zum Schlagen kam, haben sie immer ihre 
angestammte Tapferkeit bewährt. Es herrschte 
daher auch großer Unmuth unter den Truppen, 
als sie auseinander gehen sollten, ohne geschlagen 
zu haben und dieser Unmuth brach in vereinzelten 
Widerstand gegen das französische Occupations- 
heer aus. 
Die hessischen Soldaten, welche zuin Theil 
Waffen und Pferde in ihre Heimath mitgenommen 
hatten, rotteten sich zusammen, Offiziere stellten 
sich an ihre Spitze und einzelne Städte wurden 
besetzt. 
Noch war Großalmerode nicht in den Kreis 
strategischer Operationen aufgenommen und die 
in die Stadt zurückgekehrten Soldaten führten 
deshalb, zur Bekundigung ihres Muthes, den 
Krieg auf eigene Hand und in Ermangelung 
eines Feindes theils unter sich, theils gegen ihre 
Mitbürger. Aus dieser Kriegsperiode ist unr 
ein BeispielvouderEutschlossenheiteines Grenadiers 
in lebhafter Erinnerung geblieben, die ich zum 
Ruhme meiner Vaterstadt gern erzähle.
        

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