Full text: Hessenland (2.1888)

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hinlänglich Gelegenheit, an verschiedenen Kriegen 
theilzunehmen. Als gemeiner Reiter diente er 
zunächst in Ungarn gegen die Türken und scheint 
schon hier unter dem Spitznamen „der kleine 
Jakob" bekannt gewesen zu sein, dann trat er 
in schwedische Dienste, machte den Feldzug gegen 
die Russen mit, focht gegen die Ligue in Böhmen, 
war dann in dänischen und zuletzt wieder in 
schwedischen Diensten. Leider fehlen alle näheren 
Nachrichten aus diesem wechselvollen Kriegerleben, 
doch ist anzunehmen, daß seine Talente bald 
anerkannt, ihm rasche Beförderung eintrugen. 
Während er sich in dänischen Diensten befand, 
verhcirathete er sich 1626 mit der Tochter des 
Generalwachtmeisters Kurt Nellens. 
Als Landgraf Wilhelm V. von Hessen 1631 
das schwedische Bündniß abschloß und ein die 
Kräfte und Einwohnerzahl seines kleinen Landes 
weit übersteigendes Heer errichtete, war er be 
müht, kriegserfahrene Offiziere in seine Dienste 
zu ziehen. Das mustergiltige schwedische Heer 
war es besonders, das ihm hierzu werthvolles 
Material lieferte. Unter den im November 1631 
in seine Dienste übertretenden schwedischen Offi 
zieren befand sich auch Jakob Mercier, der da 
mals als Oberstlieutenant in den Niederlanden 
stehend, auf Grund einer schwedischen Bestellung 
hin vier Fähnlein Reiter geworben hatte. Als 
Mercier bald darauf vom König Gustav Adolf, 
wie dies bei den hessischen Obersten mehrfach der 
Fall war, die Bestallung als Oberst über ein 
Regiment zu Pferd von 1000 Mann erhielt, 
verstärkte Landgraf Wilhelm die von Mercier 
aus den Niederlanden mitgebrachten vier Fähn 
lein durch weitere sechs. Diese neue Truppe 
führte den Namen „Das rothe Regiment zu 
Pferd", nicht das grüne Leib-Regiment zu Pferd, 
wie Rommel in dem 8. Band seiner Geschichte 
von Hessen irrthümlich angibt. Nach Mercier's 
frühem Tode wurde es dem General Melander 
verliehen und führte erst von 1645 an den 
Namen Leib-Regiment zu Pferd. 
Um die kriegerische Thätigkeit Mercier's voll 
ständig würdigen zu können, wäre eine genaue 
Schilderung der Feldzüge 1631 — 1633 in West 
falen nothwendig. Dies würde jedoch zu weit 
führen; es können deshalb nur die Hauptmomente 
herausgegriffen werden. 
Bon den zahlreichen Waffenthaten Jakob 
Mercier's ist zunächst die Erstürmung der zum 
Bisthum Paderborn gehörigen Stadt Marburg 
am 6. Januar 1632 zu erwähnen, in welcher 
Tilly bei dem Rückzug nach der Leipziger Schlacht 
eine kleine Besatzung zurückgelassen hatte. Da 
durch war die im vorhergehenden Jahre durch 
den Feldzug am Rhein unterbrochene Eroberung 
der geistlichen Besitzungen Westfalens, welche den 
Hessen als Unterhalts- und Werbeplähe zuge 
wiesen waren, eingeleitet, und Mercier fand da 
bei reichliche Gelegenheit, seine außerordentlichen 
Talente zu verwerthen. 
Auch bei dem für die hessischen Truppen so 
folgenschweren Ueberfall des Generals von Uslar 
bei Bvlkmarsen am 17. Juni 1632 befand sich 
Mercier; vergeblich war er mit anderen höheren 
Offizieren bemüht, der eingerissenen Unordnung 
der hessischen Regimenter zu steuern, doch gelang 
es ihm, dem Schicksale vieler seiner Kampf 
genossen, der Kriegsgefangenschaft zu entgehen. 
Die besonders schwierige Aufgabe, die auf 
ständischen Fuldaer Bauern wieder unter hessische 
Botmäßigkeit zu bringen, wurde ihm kurze Zeit 
darauf zugewiesen, freilich gelang ihm dies nur 
durch Entfaltung einer rücksichtslosen Energie in 
den Gefechten bei Hünfeld und Mackenzell. Einen 
ähnlichen Auftrag erhielt er in Gemeinschaft mit 
dem Oberst Kurt von Dalwigk, die Stillung des 
Aufrufs der Eichsfeldschen Bauern, die unter 
Anführung von Pappenheim'schen Reitern den 
Krieg auf eigene Hand zu führen begonnen 
hatten. 
Als Landgraf Wilhelm Mitte des Jahres 
1632 mit dem größten Theile seines Heeres zur 
Unterstützung Gustav Adolf's nach Franken auf 
brach, ließ er zwei Regimenter zu Pferd (Mercier 
und Seekirch) unter Oberst Mercier als Ver 
stärkung der schwedischen Truppen unter Feld 
marschall Baudissin zwischen Weser und Lippe 
zurück. Die von diesem beabsichtigte Eroberung 
von Paderborn leitete Mercier dadurch ein, daß 
er am 18. August 1632 plötzlich mit seinen 
Reitern vor der Stadt erschien und dieselbe bis 
zum Eintreffen des Hauptheeres eingeschlossen 
hielt. Doch mußte Baudissin wegen des aus 
den Niederlanden zum Entsatz heraneilenden 
Grafen Pappenheim die Belagerung aufheben. 
Bei dem nach der Weser angetretenen Rückzug 
nahm Baudissin zunächst eine vortheilhaste Stel 
lung bei Brakel ein. Der mit der Pappenheim- 
schen Vorhut wohl zu hitzig folgende und an 
greifende kaiserliche General von Gronsfeld erlitt 
hier am 8. September 1632 eine schwere Nieder 
lage, wobei es dem Oberst Mercier gelang, die 
bei Volkmarsen verloren gegangenen hessischen 
Geschütze wieder zu erbeuten. So vom drän 
gendes Feinde vorläufig befreit, gelang es Bau 
dissin, unbelästigt zur Weser zu gelangen und 
bei Höxter ein befestigtes Lager zu beziehen. 
Doch auch hier gab es kein langes Derweilen, 
denn durch die geschickten Operationen Pappen- 
heim's auf beiden Ufern der Weser lief Baudissin 
Gefahr, von zwei Seiten gefaßt und gleichzeitig 
von seiner Verbindung mit Hessen abgeschnitten 
zu werden. Er entschloß sich zum Rückzug, der
        

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