Volltext: Hessenland (2.1888)

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Bierbrauers Bopp Thongefäße gefunden worden seien, 
die wahrscheinlich einer späteren Zeit angehörten. Dem 
Redner wurde lebhafter Beifall für seinen interessanten 
Bortrag gespendet. 
— Im botanischen Garten zu Berlin soll die 
B ü st e des berühmten, am 1. März vorigen Jahres 
verstorbenen Botanikers, Professors Dr. Äugn st 
Wilhelm E i ch l e r, unseres hessischen Landsmannes, 
(vergl. „Hessenland", Jahrgang 1887 Nr. 6), auf 
gestellt werden. 
— Unser reichtalentirter Landsmann, der Maler 
Johannes Kleinschmidt, welcher in letzter Zeit 
besonders Hervorragendes im Portraitfach leistete, hat 
sich jetzt auch wieder dem humoristischen Genre zu 
gewendet. Wie früher schon behandelt er mit Vor 
liebe Motive aus seiner Heimath, der Schwalm. 
Auch diesmal ist es eine schmucke Schwälmeriu, 
deren Liebesempfiuden er malerisch zur Anschauung 
brachte. „Der Liebesbrief" nennt er denn wohl 
auch das Gemälde, welches er bei E. Hühn dahier 
ausstellte. Das Mädchen hält in der einen Hand 
einen Brief vom Liebsten, in der andern seine Photo 
graphie als Vaterlandsvertheidiger. Der Brief ist 
zum Theil deutlich zu lesen und vermag wohl bei 
seinem originellen Inhalt ein freudiges Lächeln auf 
ihren Wangen hervorzurufen. Die schwierig zu lösende 
Aufgabe der Wiedergabe eines herzlich lachenden 
Mädchengesichtes ist dem Maler vortrefflich gelungen. 
Auch in technischer Beziehung ist das Bild recht 
gut. Die große Aufmerksamkeit, welche ihm vom 
Publikum gewidmet wird, verdient cs in der That 
in vollem Maße. N. M. 
Todesfälle. Am 14. Febrnar starb dahier in 
Kassel im Alter von 82 Jahren Georg Breit- 
haupt, Chef des mathematisch-technischen Instituts, 
welches auf Veranlassung des Landgrafen Friedrich II. 
von Johann Christoph Breithaupt im Jahre 1762 
gegründet worden ist. Das Breithaupt'sche Institut 
hat sich durch die Vorzüglichkeit der von ihm herge 
stellten Instrumente einen Weltruf und einen aus 
gedehnten Export nach allen kultivirten Ländern er 
worben. Als Konservator am hiesigen Museum hat 
Georg Breithaupt wesentlich dazu beigetragen, daß 
die sehr werthvolle Sammlung physikalischer, mathc- 
mathischer und astronomischer Instrumente die ver 
diente Beachtung fand. Wir werden auf die vor 
trefflichen Leistungen des Breithaupt'schen Instituts 
und die verdienstvolle Thätigkeit des eben verstorbenen 
Chefs desselben zurückkommen. 
Am 17. Februar verschied in Kassel der Kon- 
sistorialrath und Superintendent Dr. tlieol. Wil 
helm Eberl. Geboren am 15. Dezember 1815 
zu Mansbach (Kreis Hünfeld), wo sein Vater- 
Pfarrer war, besuchte er nach vorbereitendem Unter 
richte in Hersseld, das Gymnasium zu Fulda, das 
er im Herbste 1834 verließ, um auf der Landes- 
universität Marburg Theologie zu studiren. Als 
Kandidat der Theologie nahm er eine Hauslehrer 
stelle in Birstein an und errichtete dortselbst auch eine 
Privatschule. Am 8. Mai 1845 wurde ihm die 
erledigte Pfarrstelle Louisendorf bei Frankenberg in 
Oberhessen übertragen und am 2V. Dezember 1849 
wurde er zum ersten Prediger der Unterneustädler 
Gemeinde in Kassel ernannt, in welche Stelle er am 
17. Februar 1850 eingeführt wurde; an demselben 
Tage sollte ihn 38 Jahre später der Tod ereilen. 
Der Präsident und die Mitglieder des hiesigen Kon 
sistoriums widmen ihm in den öffentlichen Blättern 
einen warmen Nachruf, in welchem es u. a. heißt: 
Fast 4 3 Jahre hat der Entschlafene sein Pfarramt 
im Segen bekleidet und ist den Gliedern seiner Ge 
meinde, zumal den Armen und Geringen, mit Eifcr 
und Treue bis an sein Ende nachgegangen. Der 
Sache des Gustav-Adolfs-Bereius hat er als Mit 
begründer und langjähriger Vorsitzender des Hessischen 
Hauptvcreins unermüdlich gedient. Seit fast 15 
Jahren Mitglied des Konsistoriums hat er mit seiner- 
praktischen Erfahrung in eifriger Treue in der Ver 
waltung der Kirche mitgearbeitet und dabei durch 
seltene Herzensgüte und freundliches Wohlwollen gegen 
Jedermann auch in dieser Stellung ebenso wie in 
seiner vielfachen sonstigen amtlichen Thätigkeit sich die 
ungetheilte Liebe und Verehrung seiner Kollegen, so 
wie aller, welche mit ihm im Verkehr gestanden, er 
worben. — Ehre seinem Andenken. 
— Am 27. v. M. starb zu Homberg im Alter 
von 76 Jahren der vorhinnige kurhessische Staats 
minister Karl Rohde, bekannt als ausgezeichneter 
Jurist, und zuletzt Finauzminister im letzten kur 
hessischen Ministerium. Wir hoffen in unserer 
nächsten Nummer einen vollständigen Nekrolog bringen 
zu können. 
Eingesandt. Bezüglich Ihrer nach Davos gerichteten 
Zuschrift wegen des Spitznamens „Konräderchen" fürs 
kurhessische Leib-Regiment erlaube ich mir den Ausspruch, 
daß die Erläuterung mir doch zur Sache nicht genügend 
erscheine. 
Der von Ihnen mitgeteilte Vorfall möchte deshalb doch 
immer in vollem Umfange bestehen; nur dürfte er mehr 
im Sinne eines Ausfrischens gewirket haben, eines Bestätigens. 
Mein Vater, der noch mit manchem Waffen-Genossen 
aus vorigem Jahrhunderte zusammen diente, hat mir öfters
        

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