Full text: Hessenland (2.1888)

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schloß sich seinen berühniten Vorfahren in wür 
digster Weise an. 
Eduard Karl v. Goeddaeus war ge 
boren am II. November 1815 zu Kassel. Von 
seinen Eltern — sein Vater war Rittergutsbesitzer 
zu Brünchenhain bei Jesberg und von 1831 
bis 1842 Mitglied der kurhessischen Stände 
kammer — erhielt er die sorgfältigste Erziehung. 
Seine Gymnasialstudien machte er, nachdem er 
zuvor die s. Z. rühmlichst bekannte Unterrichts 
anstalt des Pfarrers Bang in Goßfelden besucht 
hatte, auf dem Gymnasium zu Rinteln, 
welches damals unter dem Direktorate des vr. 
Chr. G. Wiß blühte und sich eines ausgezeich 
neten Rufes erfreute. In den Schulprogrammen 
wird dem Fleiße und den Fortschritten des 
jungen Goeddaeus wiederholt lobende Anerken 
nung gespendet. Im Herbste 1835 bestand er 
rühmlichst sein Maturitätsexamen. Er valedicirte 
mit einem Vortrage clu earaetere de Voltaire. 
Hiernach studirte er zu Marburg und Göttingen 
Rechts- und Staatswissenschaft. In Marburg 
war er Mitglied des Corps Ouestt'alia und 
zeitiger Senior desselben. Von 1841 ab war 
Eduard von Goeddaeus Referendar am Ober 
gericht zu Marburg, 1844 habilitirte er sich als 
Obergerichtsanwalt daselbst. Hier gewann er 
bald als kenntnißreicher, scharfsinniger Jurist 
eine außerordentliche Praxis, auch galt er nach 
Einführung der Schwurgerichte im Jahre 1849 
als glänzender forensischer Redner. Im Jahre 
1847 war er von seinen Mitbürgern in den 
Stadtrath gewühlt und zum Beigeordneten des 
Oberbürgermeisters Uloth, s. g. Vicebürgermeister 
bestellt worden. Im Jahre 1850 wurde er zum 
Regierungs-Assessor in Kassel ernannt, auch wurde 
ihm die Funktion als Landtags-Kommissar über 
tragen. Dann war er kurze Zeit Landrath des 
Kreises Witzenhausen. Im Jahre 1856 wurde 
er zum Legationsrath und vortragenden Rathe 
im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten 
und des Hauses, im Jahre 1858 zum Mini- 
sterialrath und vortragenden Rath im Geheimen 
Kabinet des Kurfürsten, 1861 zum Geheimen 
Legationsrath und Vorstand des Ministeriums 
der auswärtigen Angelegenheiten und des kur 
fürstlichen Hauses ernannt. Im Jahre 1862 
wurde ihm die Vertretung Kurhessens bei dem 
französischen Hofe als Ministerresident übertragen, 
und als ihm im Jahre darauf die erbetene Ent 
hebung von diesem nicht hinlänglich dotirten 
Posten versagt wurde, nahm er seine Entlassung 
aus dem Staatsdienste, in welchen er auch nicht 
wieder eintrat, weder zu hessischen, noch zu 
preußischen Zeiten. Als ihm nach 1866 seitens 
der preußischen Regierung die Stelle eines Land 
raths in Fritzlar in Aussicht gestellt wurde, 
schlug er dieselbe rundweg ab. Seit seinem 
Austritte aus dem Staatsdienste war Eduard 
von Goeddaeus als Rechtskonsulent verschiedener 
Fürsten thätig, zunächst bei dem Fürsten von 
Sayn-Witkgenstein-Berleburg, später auch bei 
betn Landgrafen von Hessen. Seit Jahren hat 
er sich in Frankfurt a. M. niedergelassen, von 
wo er seine ausgedehnte Praxis als sehr ge 
suchter Rechtskonsulent betrieb. 
Auch literarisch war Eduard von Goeddaeus 
vielseitig thätig. Mit Vorliebe beschäftigte er 
sich mit der Geschichte unseres engeren Vater 
landes Hessen. Von seinen Arbeiten in dieser 
Beziehung wollen wir hier nur seiner 1883 im 
Verlage der Hofbuchhandlung von G. Klaunig 
dahier erschienenen Schrift „Aus dem Leben des 
Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Hessen" und 
der als Manuskript gedruckten und bei der 
letzten Generalversammlung des Vereins für 
hessische Geschichte und Landeskunde in Schlüchtern 
zur Vertheilung gelangten Flugschrift: „Deutung 
hessischer Ortsnamen" gedenken. Und daß auch 
unsere Zeitschrift „Hessenland" seiner Feder viele 
gediegene Artikel verdankt, dessen haben wir 
schon in der vorigen Nummer Erwähnung gethan. 
Im Herbste vorigen Jahres hatte er seine 
Villegiatur auf dem Stammgute der Familie, 
Brünchenhain bei Jesberg, aufgeschlagen, von 
welcher er erst Ende Oktober nach Frankfurt 
a. M. zurückkehrte. Dort nahm er seine Ge 
schäfte wieder auf, erkrankte aber schon kurze 
Zeit nachher an Lungenkatarrh, und am 1. Febr. 
erlöste ihn der Tod von seinem schweren Leiden. 
Er hat ein Alter von 72 Jahren, 2 Monaten 
und 20 Tagen erreicht. 
Der Verblichene war ein Mann von großer 
geistiger Begabung. Er war ein ebenso tüch 
tiger Jurist, wie Verwaltungsbeamter, und jeder 
Stellung, die ihm übertragen wurde, war er 
gewachsen. Er war, um mich eines landläufigen 
Ausdrucks zu bedienen, i» allen Sätteln gerecht. 
Er besaß umfassende Kenntnisse auf fast allen 
Gebieten des Wissens und eine außerordentliche 
Arbeitskraft. Dabei zierten ihn persönliche Lie 
benswürdigkeit und wohlwollendes Entgegen 
kommen gegen Jedermann. Seine Herzensbildung 
hielt gleichen Schritt mit seiner geistigen Be 
gabung. Und last, not least: er war allzeit 
ein getreuer Hesse. Er ruhe in Frieden! 
Ai. Awenger.
	        

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