Volltext: Hessenland (2.1888)

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weit und breit bekannt war, so daß man sich 
kaum noch seines richtigen Namens erinnerte. 
Daniel Schröder und Sohn wurden von dem 
originellen Patron mit einer humoristischen An 
rede empfangen, welche mit der Befriedigung 
darüber schloß, constatiren zu können, daß der 
junge Herr bei seinen landwirthschaftlichen Studien 
in der Residenz auch die Wirthschaftsstudien auf 
dem Lande nicht vernachlässige, wofür er von 
dem Alten mit verschiedentlichen beifälligen 
„Hoho's" und „Sieh mal Einer an!" belohnt 
wurde In das verstimmte Gemüth des jungen 
Mannes wollte indessen keine Fröhlichkeit ein 
ziehen, sodaß Herr Daniel, nachdem er einige 
Gläser geleert, zu knurren anfing und aufbrach. 
„Wo gehst du hin, Vater?" fragte Franz, als 
der alte Herr vor der Wirthshausthüre eine 
Schwenkung nach der Thalseite zu machte. „Ich 
will nach Hanse gehen," erwiderte Herr Schröder, 
dem Cylinder ans seinem Kopfe noch eine schrägere 
Richtung als bisher gebend und die Hände in die 
Taschen seiner Beinkleider versenkend, ein Zeichen, 
daß er in sehr übeler Panne war. „Ja, nach 
Hause will ich gehen, denn es füllt mir gar nicht 
ein, mich noch länger hier herum zu drücken. 
Da oben ist Nichts los, hier ist Nichts los und 
mein eigener Herr Sohn hat ans der Residenz 
noch nicht einmal so viel Bildung z» Besuch 
mitgebracht, um seinem alten Vater, den er alle 
paar Monate nur ein paar Tage sieht, ein paar 
Stunden lang das Leben angenehm zu machen." 
„Ach, lieber Vater!" rief Franz mit bewegter 
Stimme. „Mein Herz ist mir so voll, wie ich 
es Nieinandem sagen kann, da vermag ich nicht, 
lustig und fidel zu sein, mit dem besten Willen 
nicht!" 
„Nun, zum Kukuk! Junge, so sag' mir doch, 
wo dich der Schuh drückt!" polterte der Alte und 
blies die Backen auf. „Hast du Geld nöthig? 
Sag's nur," und er klapperte dabei in der rechten 
Tasche mit einigen Schlüsseln. „Der Weg zum 
Geldschrank geht immer noch durch mich und 
nicht durch die Mama und dabei hast du jeden 
falls nur gewonnen." 
Die letzten Worte begleitete der Fabriksherr 
mit einem so herzlichen Lachen, daß ihm die hellen 
Thränen über die bläulichen Wangen liefen. Selbst 
Franz konnte über die Anspielung auf die Ge 
nauigkeit seiner Mutter ein Lächeln nicht unter 
drücken und sein Vater, dies bemerkend, rief in 
seiner lauten Weise: 
„Bei Gott, der Junge kann noch schmunzeln! 
Potztausend! Nun heraus mit der Sprache, ich 
habe die Duckmäuserei satt!" 
„Nein, nein, Vater, ich kann's dir nicht sagen, 
noch nicht sagen," stieß Franz, sofort wieder 
düster werdend, heraus. „Verzeihe auch, daß ich 
dich jetzt verlasse, ich muß noch einmal hinauf 
auf den Festplatz, in einer Stunde bin ich zum 
Abendessen zu Hause." 
Er eilte wieder zurück, den steilen Fußpfad 
hinaus, während Herr Daniel kopfschüttelnd und 
Allerlei vor sich hin murmelnd den Weg nach 
dem Städtchen fortsetzte, 
z folgt.) 
iöuarö von Hoeööaeus. 
Nekrolog. 
Der Name „Goeddaeus" hat in unserem 
Hessenlande einen guten Klang. Berühmte Ge 
lehrte, ausgezeichnete Staatsmänner, tüchtige 
Offiziere führen denselben. Stammvater der 
Familie, die in Anerkennung ihrer Verdienste 
in späterer Zeit in den Adelstand erhoben wurde, 
ist Goswin Fley, ein Bürger zu Schwerte in 
Westfalen, dessen gleichnamiger Sohn sich mit 
einer Tochter Goswin's Gödde verheirathete und 
aus besonderer Liebe für seine Gattin den 
Familienname» derselben annahm. Der Erste 
dieses Geschlechts, der nach Hessen kam, war 
Johannes Goeddaeus, welcher 1578 die Universität 
Marburg bezog, dort erst Theologie, nachher 
Rechtswissenschaft stndirte und später als Pro 
fessor der Pandekten sich großen Ruhm erwarb- 
Er starb am 5. Januar 1642 zu Marburg. 
Strieder bringt in seiner Grundlage zu einer 
hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte, 
Bd. 3 u. 4, die Biographien mehrerer Goeddaeus, 
wie er denn auch in dem 4. Bande einen Stamm 
baum der Familie entwirft. Auch in Ersch und 
Gruber, Encyklopädie, sowie in der Allgemeinen 
Deutschen Biographie, herausgegeben von der kgl. 
bayerischen Akademie der Wissenschaften, finden wir 
ausführlichere Artikel über die hervorragendsten 
Mitglieder der Familie Goeddaeus. — Eduard 
Goeddaeus, dessen am I. Februar d. I. zu 
Frankfurt a. M. erfolgten Tod wir in der 
vorigen Nummer unserer Zeitschrift meldeten,
        

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