Full text: Hessenland (2.1888)

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Haec thalamo fuerat geniali iuncta Guilhelmo, 
Hassia tune cuius paruit imperio. 
At pia dum varios de religione tumultus, 
Atque animo volvit rustica bella suo 
Maestitia hinc terrore simul confecta supremum 
In dormino clausit post pia vota diem. 
d. h. 
Die Gebeine der Fürstin Anna sind unter diesem 
Grabmal beigesetzt, 
welche entsprossen war dem Herzog von Mecklen 
burg, 
die hatte sich im ehelichen Bunde vereint mit 
Wilhelm, 
dessen Septer damals Hessen gehorchte. 
Aber während sie fromm die manigfachen Unruhen 
der Relgion 
und die Bauernkriege in ihrem Herzen bedachte, 
und infolge dessen durch Kummer und Schreck 
verzehrt ward, 
schloß sie nach frommen Gebete ihr Leben im 
Herrn. 
Prozessor D. W. Crecelius in Elberfeld. 
An den beiden östlichen Wandpfeilern hängen 
die mit Inschriften und Wappen bemalten Todten- 
schilde der Landgrafen Wilhelm II. und III. und 
am südlichen Vierungspfeiler das des Landgrafen 
Ludwig II. 
Von den beiden Altären ist der dem Chor 
benachbarte St. Johannes dem Täufer geweiht, 
dessen Dedikation am I. Mai 1257 stattfand. 
Die Holzschnitzereien des Altarschreines zeigen 
3 Scenen aus dem Leben des Propheten. Be 
kleidet mit der Kameelshaut steht er vor einer 
Grotte neben einem Baume, stützt beide Arme 
auf einen Ast desselben und redet zu der vor 
ihm versammelten Zuhörerschaft, Männer und 
Frauen. In der Mitte vollzieht er vom Ufer 
aus in halb knieendcr Stellung die Taufe Jesu 
im Jordan, während einer neben ihm steht und 
sein Obergewand hält. Links ist die Enthauptung 
Johannes in Gegenwart einiger Zuschauer dar 
gestellt. Der Henker hat bereits das Haupt vom 
Rumpfe getrennt und hält noch das Schwert in 
seiner Hand, der Rumpf liegt zu seinen Füßen 
und die Tochter der Herodias hat die Schüssel 
mit dem Haupte in Empfang genommen. Der 
Hintergrund stellt eine gebirgige Landschaft mit 
Burgen und Wäldern dar. 
«Fortsetzung folgt.) 
leber die angeblich nach Amerika verkauften 
von Tgrl Preser. 
(Schluß.) 
Woher aber mag es nun kommen, daß wegen 
der aus Subsidien-Verträgen geflossenen Gelder 
immer nur Hessen und die hessischen Landgrafen 
angegriffen werden und niemals auch nur einer 
der zahlreichen anderen deutschen Reichsstünde? Daß 
dabei Böswilligkeit oder Unkenntniß, vielleicht 
auch beides zusammen, eine große Rolle spielen, 
liegt auf der Hand. Denn wie wäre es sonst 
möglich, aus hundert gleichen Vertrügen nur den 
hessischen von 1771 herauszugreifen! Aber aller 
dings haben wir Hessen bei diesem ausgeübten 
Bündnißrechte der deutschen Fürsten eins voraus: 
der Weisheit und landesväterlichen Fürsorge 
unserer Fürsten haben wir es zu danken, daß 
Hessen das einzige Land in ganz 
Deutschland i st, wo die Subsidiengelder 
nicht verthan wurden, sondern bis auf den 
heutigen Tag noch vorhanden sind! Es wurden 
daraus bekanntlich im Beginn der konstitutionellen 
Aera (1831) auf der einen Seite der Haus 
schatz des Hessischen Fürstenhauses, auf der 
anderen Seite der Staatsschatz gebildet,*) und 
unser heutiger Kommunalständische Fonds von 
einigen zwanzig Mill. Mark ist nichts anderes, als 
die im Jahre 1831 dem Lande zugewiesene Hälfte 
jener Kapitalien, welche aus den englischen Sub- 
sidiengeldern von den hessischen Fürsten an 
gesammelt wurden. 
Hicrneben aber haben wir als Hauptquellc 
aller Angriffe die Selbstbiographie eines deutschen 
Dichters zu betrachten, nämlich die Biographie 
von Johann Gottfried Sen me.**) Und in der 
That, so traurig es auch klingen mag: die 
*) Bis zu dieser Theilung as Vermögen des Landes 
herrn angesehen, wurde in der Sitzung der landstündischen 
Kommission mit den kurfürsiliehen Kommissären vom 
29. Dezember 1830 den Ständen sogar die Nachweisung 
geliefert, daß dies Vermögen sich seit dem Regierungs 
antritt Wilhelm II. nicht nur nicht verringert, sondern 
vermehrt hatte, indem es „ungleich höhere Revenuen ab 
warf." 
**) Erschienen unter dem Titel: „Mein Leben." Leipzig 
1813.
	        

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