Full text: Hessenland (2.1888)

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vorliegende historische Erzählung betrifft, so entrollt 
sie uns ein lebensvolles Bild der sozialpolitischen 
Kämpfe, die sich am Ende des 15. Jahrhunderts 
auf dem Boden der freieil Reichsstadt Frankfurt ab 
spielten. Der aufstrebende Bürgerstand, in den Zünften 
verkörpert, ringt um Licht und Luft, welche ihm die 
besitzesstolzen Adelsgeschlechter streitig machen. Der 
Ausgang ist tragisch für die Zünfte; noch ist die 
Zeit nicht gekommen, wo ihr gutes Recht triumphiren 
sollte; aber das Morgenroth einer besseren Zukunft 
zeigt sich schon am Himmel. Bon dem historischen, 
durch die Anwesenheit des Kaiser Max (1495) mar- 
kirten Hintergründe hebt sich eine wundersam lieb 
liche Herzensgeschichte ab, der Liebesbund zwischen 
Job Rohrbach, dem edelgesinnten Patricier und der 
holden Afra, Tochter Peter Becker's, des kraftvollen 
Führers der Zünfte. Es ist der Kampf der Mon- 
tecchi und Capuletti, deutschen Verhältnissen angepaßt, 
der vor unsern Angen vorüberzieht. Das junge 
Glück der Liebenden muß zerschellen an den starren 
Felsen des Borurtheils und der Beschränktheit. 
Rühmenswerth ist die Charakterisirung der Gestalten, 
welche uns in der Novelle entgegentreten. Sie sind 
knapp und außerordentlich scharf gezeichnet: Peter- 
Becker, der knorrige Plebejer, Hainann von Holz- 
hausen, sein edler Widerpart, Eilchen von Rohrbach, 
Job's Mutter, Hans von Bidlembach, vor Allem 
aber auch das Liebespaar. Sie alle erwecken unsere 
Theilnahme, weil wir fühlen: das sind keine aus 
geklügelten Romanmenschen, sondern Wesen von 
Fleisch und Blut. Wir wünschen der „Maikönigin" 
(so heißt das Buch nach seiner Heidin Afra) einen 
recht weiten Leserkreis und sind überzeugt, daß wir 
für den Hinweis auf das treffliche Werk den Dank 
des Lesers ernten werden. S. 
Sriefkastcn. 
Nach Davos. Ueber die Entstehung des Namens 
„Konräderchen" für das kurhessische 1. Infanterie- 
Regiment (Leibregiment) ist uns noch folgende gefällige 
Mittheilung zugegangen, die auf diesbezüglichen Er 
klärungen früherer kurhessischer Offiziere beruht: „Der 
Name stammt allerdings aus dem Anfang der 30er 
Jahre und hat folgende Entstehung: Um dem musikali 
schen Gedächtniß der Soldaten zu Hülfe zu kommen, 
werden den verschiedenen Signalen Worte unterlegt, 
welche theils in den Kasernen entstanden, theils über 
liefert sind und welche die Rekruten lernen müssen. 
Diese Worte zu einem der Signale (irren wir nicht, 
zum Essen) lauteten: 
Kamerad komm', Kamerad komm'! 
Kommst Du nicht, so hol' ich Dich 
Und bring' Dich in Prison! 
Bei einer Rekruten - Examination fragt der exami- 
nirende Offizier einen Soldaten, der zufällig „Konrad" 
hieß: Wie lautet das Signal zum Essen? worauf 
dieser, der sich besser als „Konrad", denn als „Kamerad" 
kannte, wohlgemuth antwortete: 
Konrad komm', Konrad komm'! rc. 
Danach wurde denn zuerst nur die 1. Kompagnie, 
später das ganze Regiment die „Konräderchen" genannt. 
Unter den Soldaten wurde diese Bezeichnung als 
Spottname betrachtet und gab häufig zu Streitigkeiten 
Veranlassung. 
0. kl. Marburg. Ihr Gedicht „Liebesmai" ist ent 
schieden verfrüht un) zwar in doppelt r Hinsicht; ein 
mal verbietet der Kalender heute derartige lyrische 
Ausschreitungen, dann aber dürsten Sie' kaum die 
väterliche und mütterliche Erlaubniß zur Veranstaltung 
eines „Liebesmai" haben. Sie müßten mindestens den 
Berechtigungsschein zum Einjährigfreiwilligendienst be 
sitzen, wenn sie so bedenklich unglücklich lieben wollen. 
X. Rotenburg. Ihr Wunsch ist unerfüllbar. 
R. R. Hanau. Wie Sie sehen, ist in gegenwärtiger 
Nummer dem Mangel abgeholfen. 
M. H. Melsungen. ' Letztgesandtes mit Dank er 
halten. Brief folgt. 
F. St. Kassel. Ihre freundliche Einsendung wird 
in aller Kürze erledigt werden, worauf Ihnen Mit 
theilung zugeht. 
L. M. Nordhausen. Nr. III empfangen. Besten Gruß. 
K. N. Kesselstadt. Stoffüberfülle ist Schuld daran. 
Wir bitten noch um einige Mundartgedichte. 
C. W. Kassel. Der „Blumen Geister" ist sehr 
stimmungsvoll und wird erscheinen. 
9t ach Salm ü n st e r. Das betreffende Gedicht 
soll in einer der nächsten Nummern kommen. Sie 
haben allerdings Grund zur Beschwerde, wir hoffen 
aber, daß Sie uns entschuldigen. 
A. R. Kassel. C, H. Kassel. K. R, Fulda. Wir 
bescheinigen den Empfang Ihrer Sendungen und werden 
Ihnen Näheres mittheilen. 
R. T. Kassel. Sehr erfreut, wieder Etwas von 
Ihnen zu hören. 
Dringende Sitte an edle Menschenfreunde 
um gütige Unterstützung einer unverschuldet in groste Armuth 
gerathenen 86 Jahre alten, tauben und fast blinden Frau, 
Tochter eines hessischen Bsfifiers, der den amerikanischen 
Krieg im vorigen Jahrhundert mitgemacht hat,. Zur 
Empfangnahme milder Gaben erklären sich die Redaktion 
der Zeitschrift „Hestenlnnd", Jordanstraste 15, sowie die 
Duchdruckerei von Friedr. Scheel, Schtostptatz 4, bereit. 
MM- Es sind noch einige Einbanddecken für 
den Jahrgang 1887 unserer Zeitschrift „Hessen- 
land ' vorräthig. Abonnenten, welche darauf re 
flektiern, werden ersucht, dies bei der Redaktion 
zu melden. Sollten bei der Verthrilung der be 
stellten Einbanddecken in der vorigen Woche Ver 
sehen vorgekommen sein, so wird gebeten, die 
Redaktion davon zu benachrichtigen, worauf sofort 
Abhilfe erfolgen wird. 
Redaktion und Verlag des „Hessenlandes". 
Inhalt der Nr. 4 des „Hessenlandes": „Meine Vater 
stadt", Gedicht von C. Mentzel; „Ueber die angeblich nach 
Amerika verkauften Hessen", von Carl Preser (Forts.); 
„Wie ich Soldat wurde", Kleines aus großer Zeit 
(Fortsetzung); ..Hessische Ehrentafel" von I. Schwank 
(Forts.); „St. Elisabeths Rosen", Skizze von E. Mentzel; 
„Beiträge zur Geschichte der kurhessischen Artillerie", von 
August von Baumbach; „Im Lauf der Zeit", Gedicht von 
Nataly v. Eschstruth; „Auf den Tod einer jungen Schwester", 
Gedicht von CH.; „Aus alter und neuer Zeit"; „Aus Hei- 
math und Fremde"; Hessische Bücherschau; Briefkasten. 
Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zwenger in Kassel. — Druck von Friedr. Scheel in Kassel.
	        

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