Full text: Hessenland (2.1888)

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Ein paar Monate sind vergangen, seitdem 
Brandes in das Pfarrhaus am Ufer der Lahn 
einkehrte. Es ist ein warmer Herbstabend; wieder 
fluthet das Mondlicht über das jetzt röthlich 
schimmernde Blättergeflecht des wilden Weines, 
der die Laube überrankt, und durch die Stille 
tönen auch heute fröhlich plaudernde Menschcn- 
stimmeu. Diesmal aber sitzen zwei Paare an 
dem runden Tisch. Brandes hat dem Freunde 
und seiner Frau heute seine liebreizende Braut 
vorgestellt und tausendmal für ihre frommen 
Wünsche damals gedankt. In fröhlichster Laune 
leeren die Freunde ein Glas edlen Weines nach 
dem andern, und eben klingen die Römer wieder 
hell aneinander, und der Pfarrer bringt einen 
höchst launigen Toast aus auf die glückverheißende 
Bedeutung von St. Elisabeths Rosen. 
mträge zur Geschichte -er liurhessischen Artillerie. 
Von August von Duumbgch. 
3. Die Artillerie unter dem Landgrafen Moritz. 
1592 bis 1627. 
Muter diesem Landgrafen, welcher wegen seines 
vielseitigen Wissens der „Gelehrte" genannt 
i wird, bestand dieArtillerie aus Garnisons- 
stübeu, die in den Festungen Kassel, Ziegenhaiu 
und Rheinfels, und in den festen Schlössern 
Marburg und Spangenberg untergebracht waren, 
und unter Zeugwarten standen, denen das er 
forderliche Unterpersonal beigegebcn war. Den 
ins Feld ziehenden Truppen wurden größere 
Stücke zu Belagerungen, und kleinere, Zpfündige 
Apostel und 2pfüudige Falkonete, als Regiments 
stücke beigegeben. 
Im Jahre 1610 kommt ein Oberst von 
Scherfs, als Befehlshaber der hessischen Ar 
tillerie vor. Er scheint dieselbe nicht nur or- 
gauisirt, sondern auch an 35 Jahre lang be 
fehligt zu haben, denn erst unter dem Enkel des 
Landgrafen Moritz, dem Landgrafen Wilhelm VI. 
kommt im Jahre 1645 ein anderer Kommandeur 
der Artillerie vor. Oberst von Scherfs war ein 
Niederländer. 
Landgraf Moritz, der Regierung müde, trat 
dieselbe am 17. März 1627 an seinen Sohn, 
Wilhelm V. ab, und starb am 15. März 1632 
in Eschwege, wohin er sich zurückgezogen hatte. 
4. Die Artillerie unter dem Landgrafen WilhelmV. 
1627—1637 
Wilhelm V. von Hessen-Kassel, der „Be 
ständige" genannt, war der erste deutsche Fürst, 
welcher dem König Gustav Adolf von Schweden seine 
Hülfe zusagte, und in Folge des am 12. August 
1631 zu Werben mit dem König abgeschlossenen 
Bündnisses ein starkes und mit Artillerie 
wohl versehenes Korps ausrüstete und mit dem 
selben die Operationen alsbald begann. 
*) S. die Nummern 3 und 15 vom vorigen Jahrgang 
unserer Zeitschrist „Hessentand". — Unlieb verspätet. 
Dieses Korps, so wie die demselben angehörende 
Artillerie zeichnete sich unter seiner nur kurzen 
Regierung namentlich aus: Den 9. December 
1631 bei Mainz, im Januar 1632 bei Mar 
burg, den 24. August 1632 bei Nürnberg, den 
16. September 1632 bei Lützen, den 11. April 
1633 bei Lippstadt, den 28. Juni 1633 bei 
Oldenburg und den 13. Juni 1636 bei dem 
Entsätze von Hanau. 
Der Landgraf Wilhelm V., welcher sein Haupt 
korps fast immer in Person befehligte, starb am 
21. September 1637, während der Belagerung 
von Stickhausen, zu Leer in Ostsriesland, und 
seine Gemahlin, Amalie Elisabeth, eine ge 
borene Gräfin von Hanau, übernahm die Regier 
ung für ihren am 23. Mai 1629 geborenen 
Sohn, den Landgrafen Wilhelm VI. 
5. Die Artillerie unjer der Kegentin Amalie 
Elisabeth und unter dem Landgrafen Wilhelm VI. 
1637 bis 1663. 
Die Landgräfin-Regentin, welche eben so treu 
zu Schwede» hielt, wie ihr verstorbener Gemahl, 
vermehrte und verbesserte die hessischen Truppen 
ilud ihre Ausrüstung, und verstand die tüchtigsten 
Führer für dieselben herauszufinden, wie: Me 
lau der, Eber st ei n, Mortaigne, und vor 
Allen G e y s e, *) den Stammvater der heute noch 
blühenden Familie von Geyso. 
Unter diesen Führern, ganz besonders aber 
unter Gehst, zeichneten sich die hessischen Truppen 
in allen Schlachten, Gefechten und Belagerungen, 
an denen sie während der Regentschaft der Land- 
gräfin Amalie Elisabeth Antheil hatten, rühmlich 
aus, wobei die hessische Artillerie reichliche Ge 
legenheit hatte, ihre Vorzüglichkeit zu beweisen, 
wie: den 7. Januar 1642 bei Hüls, unweit 
*) Johann Geyse, Sohn des landgräflichen Rentmeisters 
Peter Geyse zu Borken, war im Jahre 1593 geboren, und 
wurde nach dem westfälischen Frieden, als von Geyso, in 
den Adelstand erhoben. (S. Hessens. Nr. 17 v. I.Sept. 1887.)
        

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