Volltext: Hessenland (2.1888)

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tragen. Die Fuldaer Blätter gaben eingehende Berichte 
über die würdige, erhebende Feier, auf die wir diejenigen 
Leser unserer Zeitschrift, welche sich dafür interessiren, ver 
weisen. Das »Fuld.Kreisbl." schildert den neuen Kirchen 
fürsten als eine Persönlichkeit, kräftig und imponirend 
von Gestalt, mit offenem freien Blick, durchgeistigten, 
ebenso hohe Intelligenz und Entschiedenheit, wie auch 
Wohlwollen und Milde verrathenden Zügen. Sein seit 
heriges Wirken, über welches nur die Stimme der 
vollsten Anerkennung herrscht, berechtigt zu dem 
Schlüsse, daß sein Walten der Diöcese Fulda zum 
Heil und zum Segen gereichen wird. 
— Der Richterstand Kassels hat einen schweren 
Verlust erlitten. Am 24. Januar starb in Folge von 
Lungenentzündung der als anerkannt tüchtiger Jurist 
in den weitesten Kreisen bekannte A m t s g er i ch ts - 
rath Eduard Hüpeden. Derselbe war am 
26. Juni 1821 zu Treysa als der Sohn des 
Justizamtmanns Georg Friedrich Hüpeden geboren. 
Er besuchte das Kasseler Gymnasium, welches er zu 
Ostern 1842 absolvirte. Hiernach studirte er auf 
der Landesuniversitär Marburg Rechts- und Staats 
wissenschaft. Hier war er ein hochangesehenes Mit 
glied des Corps Teutonia, dessen Senior er im 
Wintersemester 1843 — 44 und im Sommersemester 
1844 war. Seinen juristischen Vorbereitungsdienst 
bestand er als Referendar bei dem Kurfürstlichen 
Obergerichte zu Kassel, war hiernach Assessor bei dem 
Justizamte II zu Kassel, später Assessor bei dem 
Kriminalgerichte zu Marburg, 1860 wurde er zum 
Justizbeamten in Jesberg ernannt. In dieser Stellung 
verblieb er bis 1867, in welchem Jahre er an das 
Amtsgericht in Kassel versetzt wurde. Hervorragend 
durch die trefflichsten Gaben des Geistes und des 
Herzens, ausgezeichnet durch die Lauterkeit und Festig 
keit seines Charakters, wie durch seine Persönliche 
Liebenswürdigkeit, ein pflichteifriger, berufstreuer Be 
amter, ein zuverlässiger Freund in allen Lagen des 
Lebens, erfreute sich der Verblichene in seltenem Grade 
der allgemeinen Hochachtung und Beliebtheit. Er 
wird fortleben im Andenken seiner Freunde und Be 
kannten, das allzeit ein gesegnetes bleiben wird. 
Friede seiner Asche. — A. Z. 
— In der am Montag den 30. Januar dahier 
abgehaltenen Monatsversammlung des „Vereins für 
hessische Geschichte und Landeskunde" hielt Haupt 
mann von L'Estocq einen Vortrag über „Die 
alten Hausmarken in ihrer Beziehung zu Wappen 
und Steinmetzzeichen". Der Vortrag war lehrreich 
und interessant. 
Hessische Slicherschim. 
P. Scheidtweiler, Königl. Reg.-Baumeister zu 
Frankfurt a. M. Die Rhön und ihre wirtschaft 
lichen Verhältnisse. (30 S.) Frankfurt, Gebr. 
Knauer 1887. 1,50 M. (Auch im 50. Jahres 
bericht des Frankfurter Ver. f. Geogr. u. Statistik. 
1887. S. 180. ff.) 
Hans Steffen aus Fürstenwerder, Unterfranken 
und Aschaffenburg. Eine geographische Studie auf 
Grundlage der »Bavaria". Jnaug.-Dissertation. 
(115 S. m. 5 Karten.) Halle 1886. 
Beide Merkchen haben ihren Schwerpunkt in der 
Betrachtung der kulturgeschichtlichen Verhältnisse unseres 
heimischen Gebirges. Auch das zweite zieht neben 
den bayerischen Landestheilen den ganzen zu unserem 
Regierungsbezirke gehörenden Theil der Rhön (auch 
des Spessarts) in den Kreis seiner Betrachtung. 
S ch ei d t w ei l er geht, nachdem er kurz die oro-hydro- 
graphischen und politischen Verhältnisse geschildert, 
auf die eigentlichen wirtschaftlichen Verhältnisse über, 
bespricht zunächst die Landwirthschaft, in Bezug auf 
welche er die Rhöngegend — namentlich hinsichtlich 
der Viehzucht — im Allgemeinen als günstig be 
zeichnet, dann den Waldbestand, den Wildstand, die 
Fischzucht, das Touristenwesen. Es folgt dann ein 
Abschnitt, welcher den Bewohnern, der Anlage der 
Dörfer, der Bauart der Häuser und Ställe, den 
Festen, den Vermögensverhältnissen und Erwerbs 
zweigen gewidmet ist und zum Schluß werden aus 
führlicher die Verkehrsverhältnisse geschildert. Bis 
vor Kurzem ließen dieselben freilich sehr viel zu 
wünschen übrig, und dem in dieser Beziehung herrschen 
den Mangel ist wohl hauptsächlich die von Jahr zu 
Jahr zunehmende Verkümmerung der ökonomischen 
Verhältnisse der Rhön zuzuschreiben. Run endlich 
sind die Staaten, welche sich in den Besitz des in 
Rede stehenden Gebiets theilen, daran gegangen, diesen 
Landstrichen die erforderlichen Verbindungen mit der 
Außenwelt zu. geben. 
Steffen erörtert nach einer allgemeinen geo 
graphischen Orientirung etwas eingehender als das 
vorher besprochene Schriftchen die naturwissenschaft 
lichen Verhältnisse. Einer Schilderung der geognostischen 
Beschaffenheit des Gebirges und des Klimas folgt 
eine Uebersicht über die Fauna und Flora des Ge 
bietes. Daran schließt sich ein Ueberblick über die 
Abstammung der Bewohner und ein kurzer Abriß der 
Geschichte des Landes. In recht gelungener Weise 
legt Verf. dann die wechselseitigen Beziehungen zwischen 
Land und Leuten dar, erörtert die anthropologischen 
Verhältnisse, giebt uns eine Schilderung der Volks 
tracht, der Wohnungsverhältnisse, der Ernährungs 
und Lebensweise der Bewohner, führt uns in das 
ganze soziale und geistige Leben der Rhöner ein. 
Beide Schriften sind allen Verehrern unseres schönen
        

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