Full text: Hessenland (2.1888)

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eines Oberstlieutenants in das russische Heer ein und 
winde bereits int August desselben Jahres zum 
Obersten ernannt. Im Oktober 1843 avancierte er 
zum Generalmajor. Im Feldzuge von 1845 gegen 
die Bergvölker des Kaukasus fand der hessische Prinz 
als Befehlshaber der äicitcici Gelegenheit zur Aus 
zeichnung. Insbesondere that er sich rühmlichst her 
vor bei An di am 14. Juli, sowie bei der 
Einnahme von Dargo am 18. desselben Monats 
als Führer einer freiwilligen Sturm-Kolonne; das 
Ritterkreuz des Militär-St. Georgenordens wurde 
ihm hierfür zuerkannt. Im Herbste 1853 trat er 
sodann als Generalmajor in das kaiserlich öster 
reichische Heer ein. Für seine am 20. Mai 1859 
in der Schlacht von ÜÜl ontebcllo bewiesene 
Tapferkeit wurde er zum Feldmarschall-Lieutenant 
und Divisionär befördert. Mit hohem Ruhme be 
deckte sich Alexander am 24. Juni in der Schlacht 
von S o l f e r i n o als Divisionär im 7. Armee- 
Korps und als Führer dieses ganzen Korps beim 
Rückzüge. Es glückte ihm, die französische Garde 
und das Korps Mac Mahons auszuhalten und das 
Schlachtfeld so lange zu behaupten, bis das öster 
reichische Heer seinen Rückzug über den Mincio be 
werkstelligt hatte. Durch einstimmigen Beschluß 
des Kapitels wurde Alexander zum Flitter des 
Maria-Theresienordens erhoben. Jur Feldzuge 1866 
übernahm der Prinz das Kommando des 8. deutschen 
Bundes-Korps. Wenn diesmal seine Kriegsführung 
nicht erfolgreich war, so ist ihm hieran keine 
Schuld bcizumcssen. Er war Führer von mangel 
haft ausgerüsteten Truppentheilen von fünf ver 
schiedenen Kontingenten, deren Sonderintcressen stets 
Rechnung getragen werden sollte; hierdurch wurden 
seine Anordnungen, so zweckmäßig sie sein mochten, 
stets durchkreuzt; alle süddeutsche Staaten waren 
durch den schnellen Ausbruch des Krieges überrascht 
worden, bevor sie schlagfertig waren. (Wir verweisen 
hier auf die klarstellenden Ausführungen des „Feld 
zugs-Journal" des Prinzen, 1867 bei Zernin er 
schienen, Darmstadt und Leipzig, sowie auf: „Der 
Feldzug von 1866, redigiert vom preußischen General 
stabe", 1867 bei Mittler ersch. in Berlin, S. 564 
ff.). Im Jahre 1868 wurde Alexander vom Kaiser 
von Oesterreich zum General der Kavallerie erhoben. 
Zu einer ganz besonderen Freude und Befriedigung 
aber gereichte dem Prinzen die Werthschätzung, die 
Kaiser Wilhelm ihm entgegenbrachte, indem er 
ihn 1883 zum Inhaber des Schleswig-Holstein'schen 
Dragoner-Regimentes Nr. 13 ernannte. Ebenso 
durften die Thaten Alexanders, Fürsten von Bul 
garien, des Siegers von Slivnitza, sein Herz mit 
berechtigtem Vaterstolze erfüllen. 
Auch Kunst und Wissenschaft wurden eifrig 
von dem Prinzen gepflegt, insbesondere Geschichte, 
Münzkunde, Musik. Seine edelsten Eigenschaften 
aber waren der unendliche Wohlthäti gkeitssinn 
und die liebenswürdige H e r z e n s g ü t e, die ihm in allen 
Schichten des hessischen Volkes treue Verehrer erworben. 
Auf seinem reizenden Landsitze „Heiligeuberg", da 
er so gerne weilte, an der Statte, die er selbst aus 
gewählt, schläft er nun den ewigen Todesschlaf. Un 
vergessen aber und gesegnet bleibe immerdar das 
Andenken des Prinzen Alexander von Hessen 
und bei Rhein! — Dr. A. R. 
Am 3. Dezember fand in dem weißen Saale des 
Schlosses zu Philipps ruhe die Trauerfeierlichkeit 
für den am 14. Oktober d. I. auf der Fahrt von 
Batavia nach Singapore verunglückten Land 
grafen Friedrich Wilhelm von Hessen 
statt. Es liegen jetzt, nachdem die Reisebegleiter des 
Landgrafen in die Heimath zurückgekehrt sind, authen 
tische Berichte über das tragische Ende desselben vor, 
auf welche wir zurückkommen werden. 
Vortrag des carul. hist. H. D i e nt a r am 
22. Oktober im „Verein für hessische Geschichte und 
Landeskunde" über „das Wappen und Zeichen 
rechtlicher Verhältnisse mit besonderer 
Berücksichtigung Hessens." 
(Schluß.) 
Nach dem Aussterben der Landgrafen v. Thüringen 
und Herren v. Hessin mit dem Tod des Deutschen 
Königs Heinrich Raspe, 12-17, hatte der junge 
Heinrich v. Brabant, „ein Sohn der Tochter St. 
Elisabethen", wie er sich noch lange begründend 
nennt, ein Anrecht auf die Erbschaft der Thüringer. 
Er war jedoch nicht der einzige Erbberechtigte, und 
seine Eltern, Herzog Heinrich II. v. Lothringen u. 
Brabant und Sophia, Landgraf Ludwigs IV. und 
der hl. Elisabeth Tochter, scheinen die für ihren Sohn 
geltend gemachten Ansprüche beide von Anfang an 
im Wesentlichen auf Hessen beschränkt zu haben. 
Trotzdem nennt sich der junge Heinrich bis zum 
Jahre 1266 meist „Landgraf v. Thüringen", behält 
auch später den Titel „Landgraf" und führt das 
Wappen der Thüringer Landgrafen mit dem gestreiften 
Löwen, alles um seiner Erbberechtigung Ausdruck zu 
verleihen. (Übrigens nahm der Vortragend^ auch 
die gewöhnliche Bezeichnung Heinrichs als „Kind v. 
Hessen" für einen Anspruchstitel). 
Aber auch der ebenfalls durch Verwandtschaft, 
daneben auch durch Belehnung, berechtigte Erbe des 
eigentlichen Thüringen, Markgraf Heinrich der Erlauchte 
v. Meissen, nahm das Wappen der alten Landgrafen 
an, das deshalb bis heute sowohl das Thüringische 
wie das Hessische geblieben ist. Daß aber die 
Führung des gleichen Wappens seitdem als Zeichen 
eines gegenseitigen Erbanspruchs betrachtet wurde, 
das zeigt das Folgende: 
Als im Jahre 1413 Landgraf Hermann v. Hessen 
starb, war sein Sohn und Nachfolger Ludwig I. erst 
11 Jahre alt, wie schon in anderem Zusammenhange
        

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