Full text: Hessenland (2.1888)

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fleißige junge Mensch hat, wie ich vernommen, in 
den Zapfenstreich in einer engen Gasse sich eingedrängt, 
ein Tambour soll ihn mit dem Trommelstock einen 
Schlag gegeben, den er mit einer Ohrfeige erwiedert. 
Hierauf ist er in Carcer gebracht und endlich zu 
einem Jahr Arrest in Spangenberg vernrtheilt worden. 
Es ist nothwendig in diesen Zeiten die Studenten 
in Ordnung zu halten und ich bin von der Gerechtig 
keit der Strafe überzeugt. Inzwischen ist ein Jahr 
Verlust in seinen Studien ein großes Unglück für 
den jungen Mann und um seines würdigen Vaters 
willen wünschte ich Milde und Gnade erbitten zu 
können. Fragen Sie doch den Herrn Justizminister 
von Schmerfeld mit meinem freundlichen Compliment, 
ob etwas für den Unglücklichen zu thun wäre. Ich 
würde alles als mir selbst erwiesen ansehen. — — 
Ganz der Ihrige 
Carl. 
Louisenlund, 21. Juli 1822. 
Lieber Starckloff! 
Ich danke Ihnen verbindlichst für ihre vielen 
Bemühungen für den jungen Kaup. Wenn die 
weniger schuldigen loskommen, bitte mir es zu schreiben, 
dann werde ich die Bitte des Vaters mit der meiuigen 
begleiten. — — 
Gantz der Ihrige 
Carl. 
Gottorff, 16. Febr. 1823. 
Lieber Starckloff! 
Ich würde gewiß Selbst an den Churfürsten 
schreiben, um die Loslassung des jungen Kaup zu 
erbitten, wenn ich nicht befürchtete, Ihn zu incommodiren. 
Ich ersuche Sie aber lieber Freund, Ihm meine 
besten Empfehlungen zu hinterbringen und in meinem 
Namen um die Gnade des jungen Menschen zu bitten, 
wenn nehmlich alle geringere Mitschuldige ihre 
Erlassung erhalten haben. Um seines würdigen 
Vatters des Hof Jägermeister Kaup's willen, der als 
Ober-Jnspector meinen Schleswigschen Gütern vor 
steht, wünsche ich die Erfüllung meiner Bitte sehr. — 
Gantz der Ihrige 
Carl. 
Gottorff, 10. März 1823. 
Lieber Starckloff! 
So betrübt wie ich für meinen armen Kaup 
würklich bin, so kann ich nicht anders als aufrichtig 
bekennen, daß mir die Gerechtigkeit des Churfürsten 
respectabel ist. . Seine Worte oder Zusatz sind mir 
sehr angenehm, daß er für mich alles gern thun 
würde was möglich ist. — — 
Mit wahrer Freundschaft 
Gantz der Ihrige 
Carl. 
Louisenlund, 10. August 1323. 
Lieber Starckloff! 
Ich ersuche Sie an den Major Kaup in Marburg 
100 Thaler hessisch (für seinen Neffen) zu senden. 
Der junge Kaup studirt nun wie ich höre in Jena. 
Leben Sie glücklich, gesund und wohl. 
Gantz der Ihrige 
Carl. 
I. Schwk. 
Am 20. Dezember 1775 unter der Regierung 
des Landgrafen Friedrich II. wurden den Straßen 
in Kassel durch landesherrliche Verordnung neue 
Namen beigelegt, welche dieselben auf dem Papier 
und in den Inschriften an den Ecken, im wirklichen 
Leben aber niemals geführt haben. „Alle Apostel 
und ganze Scharen von Heiligen, St. Paulus, St. 
Jacobus, St. Johannes und St. Vincentius, St. 
Thomas und St. Dionysius, St. Lazarus, St. 
Leopold und St. Antonius, die heilige Elisabeth, 
die heilige Dorothea, die heilige Apollonia und die 
heilige Theresia wurden aufgeboten, aber sie haben 
allesammt von ihren Straßen nichts wissen wollen, 
selbst der heilige Martinas nicht, der doch der Nächste 
dazu war. St. Paul hat seine Gasse den Pferden 
uud den Schweinen, St. Peter den Enten, St. Jacob 
und St. Christoph den Ziegen wieder überlassen, 
denen sie früher gehörten, St. Andreas den Fliegen, 
St. Augustus den Füchsen, die Straße des heiligen 
Aegidius ist nach wie vor die Wildemannsgasse, die 
Straße des heiligen Lambertus die Pommeranzen 
gasse, die Straße des heiligen Lazarus die Essiggasse, 
die Straße der heiligen Dorothea die Judengasse ge 
blieben. Herbeikommandiren lassen sich die lieben 
Heiligen einmal nicht", meint Vilmar in seiner 
„Hessischen Chronik." 
Aus Aeimath und Fremde. 
Prinz Alexander von Hessen und bei 
Rhein si. Am 15. Dezember 1888, Vormittags 
10 Uhr, ist Seine Großherzogliche Hoheit Ludwig 
Georg Friedrich Emil Alexander Prinz von 
Hessen und beiRhein verschieden. Ein thaten- 
reiches Leben, das der Geschichte angehört, ist voll 
endet, eine Fürstengestalt, gleich ausgezeichnet durch 
reiche Gaben des Geistes und des Herzens, zum 
ewigen Frieden eingegangen. 
Geboren am 15. Juli 1823 und frühzeitig in 
den Großh. Hessischen Kriegsdienst eingetreten, wurde 
er am 10. September 1833 zum Lieutenant, am 
15. Juli 1839 zum Hauptmann und am 14. Juni 
1840 zum Obersten befördert. In diesem Jahre 
gab er seiner Schwester, der hochseligen Kaiserin 
Marie von Rußland, das Geleite nach St. Peters 
burg, trat als Garde-Rittmeister mit dem Range
        

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