Full text: Hessenland (2.1888)

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war er gern zur Hülfe bereit, seine ganze Per 
sönlichkeit drückte den Geist christlicher und 
herzlicher Theilnahme an dem Glücke und Un 
glücke seiner Unterthanen aus; nicht selten er 
kundigte er sich nach dem Wohlergehen seiner 
Staatsdiener, Gewerbsleute und Bauern und 
freute sich, wenn er über deren Wohlstand 
günstige Mittheilungen vernahm. Um 12 Uhr 
ging er zur Tafel. Der Fürst war, obwohl er 
einen ansehnlichen Hofstaat besaß, kein Freund 
des Prunkes und übermäßigen Aufwandes. Er 
liebte deshalb für seine Person auch nur eine 
einfache Hoftafel. Von Natur zwar ernst, freute 
sich der Fürst, wenn er heitere Gäste um sich 
sah, besonders bei der in seinem Privatzimmer 
stattfindenden Abendtafel, wo er sich über die 
strengen Formen der Hofsitte hinwegsetzte; bei 
solchen Gelegenheiten waren außer dem dienst 
habenden Kammerjunker, Leibarzte, Beichtvater 
und geheimen Referendare oster noch einige hoch 
gestellte Beanite eingeladen. Nach aufgetragenem 
Dessert forderte der Fürstbischof, wenn sich die 
Dienerschaft entfernt hatte, seine Gäste selbst zur 
freimüthigen Meinungsäußerung über die Tages 
fragen auf. Bei diesen Abendtafeln, welche der 
Fürst seine wirklichen Erholungsstunden nannte, 
war er stets ein ebenso munterer und unter 
haltender Wirth als angenehmer Gesellschafter. 
Gegen 10 Uhr Abends zog er sich zur Ruhe in 
seine Privatgemächer zurück. Bei guten! Wetter 
machte der Bischof täglich eine kleine Spazier 
fahrt und beschäftigte sich nachher bis zur Abend- 
tafel mit dem Lesen der eingetroffcnen Briefe 
und Zeitungen, sowie mit wissenschaftlichen 
Studien. Das Hoflager wechselte er mit der 
Jahreszeit; von November bis Ende April resi 
dierte er in Fulda, im Mai bezog er das Lust 
schloß Fasanerie (Adolfseck), im Juli ging er 
nach Bad Brückenau, zu Anfang September nach 
Hammelburg und kehrte erst zu Ende Oktober 
nach Fulda zurück. 
Mit dem tausendjährigen Erinnerungsfeste an 
den Todestag des hl. Sturmius, des Gründers 
und ersten Abtes von Fulda (ch 17. Dezember 
779), fiel durch Zufall auch die Jubiläumsfeier 
des vor fünfzig Jahre erfolgten Eintrittes 
des Fürstbischofes Heinrich von Bibra in den 
Venediktinerorden zu Fulda zusammen, welche 
am 14 November 1779 in der Kathedrale mit 
großer Feierlichkeit begangen wurde. Der Bischof 
wollte dieses Fest nicht ohne einen Akt fürstlicher 
Liberalität vorübergehen lassen; er ließ daher in 
Augsburg für den Domschatz den sog. silbernen 
Altar, sowie einen großen Schrein zur Ver 
wahrung des mit vielen Edelsteinen geschmückten, 
künstlerisch eingefaßten Schädels des hl. Sturmius, 
ferner vierzehn Tafelstücke, neue Schreine zur 
Aufnahme von Reliquien, ein Tabernakel rc., 
alles aus Kupfer gearbeitet uud reich versilbert, 
mit getriebener Arbeit, aus seine Kosten ver 
fertigen, nicht minder wurde ein neuer Bischoss- 
ornat von Seidenstoff, mit Gold durchwirkt, auf 
fürstlichen Befehl hergestellt. 
Diesem Doppeljubelfeste folgte fünf Jahre 
nachher, am 22. Oktober 1784, eine weitere 
Feier zur Erinnerung an die vor 25 Jahren er 
folgte Erwählung des Kapitulars Heinrich von 
Bibra zum Fürstbischof von Fulda, sowie am 
9. April 1785 dessen fünfzigjähriges Priester 
jubiläum, endlich am 14. September die Er 
innerungsfeier an seine vor 25 Jahren erfolgte 
Konsekration als Abt und Fürstbischof. 
Allgemein geliebt unb tief betrauert ist Fürst 
bischof Heinrich von Bibra am 25. September 1788 
in einem Alter von 77 Jahren nach einer fast 
neunundzwanzigjährigen Regierung in seiner 
Residenz zu Fulda nach kurzer Krankheit ge 
storben. Seine Leiche wurde in der dortigen 
Hauskapelle, angethan mit allen fürstlichen und 
bischöflichen Insignien, in hergebrachter Weise 
ausgestellt. In feierlichem Zuge wurde sodann 
seine sterbliche Hülle zur Domkirche geleitet und 
daselbst in dem vor der Kanzel befindlichen 
Grabgewölbe beigesetzt. Sein Herz aber wurde, 
wie üblich, in einer silbernen Kapsel eingeschlossen, 
in der Gruft des hl. Bonifatius verwahrt. 
Er war ein hochsinniger, edler, gerechter Fürst, 
der Besten Einer unter den geistlichen Regenten 
seiner Zeit. Und wenn auch kein prangendes 
Monument an seine hohen Verdienste erinnert, 
so hat er sich doch selbst durch seine segensreiche 
Regierung in der Geschichte des ehemaligen 
Hochstiftes Fulda ein Denkmal gesetzt, das 
dauern wird für alle Zeiten.
        

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