Full text: Hessenland (2.1888)

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daß gegen das Mauerwerk des Treppengewölbes 
kein Unterschied zu erkennen war und ein Un 
eingeweihter auf die Vermuthung der hier ge 
borgenen Schätze nicht kommen konnte. Aber 
mit der Ueberführung der letzteren nach Saba 
burg hatte nicht geheim genug verfahren werden 
können, so war denn auch dem französischen 
Marschall Mortier die Sache verrathen worden 
und der Silberschatz mußte dem französischen 
Obersten d'Albignac und einigen französischen 
Civilbeamten ausgeliefert werden.*) 
Wir haben früher schon erwähnt, daß das 
Schloß Sababurg auf einem Basaltkegel aufge- 
*) Vergl. Schwede?, „Nachrichten über die Verbergung 
des Silbergeräthes k. des kurfürstlichen Hofes im Jahre 
1806 auf dem alten Jagdschlösse Sababurg im Rein 
hardswalde und dem Raub dieses Schatzes von den 
Franzosen", in der Zeitschrift des Vereins für hessische 
Geschichte und Landeskunde, neue Folge, I. Bd. 1867, 
S. 251 flgg. 
Heinrich von Wbra- 
Von F. 
Wir müssen uns in dem heutigen Schluß 
artikel kurz fassen und werden uns deshalb nur 
mit dem Privatleben des Fürstbischofs Heinrich 
von Bibra beschäftigen, uns vorbehaltend, später 
in einem besonderen Artikel Ergänzungen folgen 
zu lassen. Wir legen unserer heutigen Schil 
derung die bereits früher erwähnte treffliche 
Schrift des Oberlandesgerichtsraths Wilhelm 
Freiherrn von Bibra in München „Zur Bio 
graphie des Heinrich von Bibra, Fürstbischofs 
von Fulda"*) zu Grunde, die wir als zuver 
lässige Quelle meist wörtlich benutzen. 
Der Fürst verband natürlichen Verstand und 
geistige Bildung mit einem hohen Grade von 
Wohlwollen gegen alle, welche mit ihm in Be 
rührung kamen; mit fürstlichem Anstande ver 
einigte er jenen Grad von Würde, welche über 
all Hochachtung erweckt. Gegen sich selbst streng, 
trat seine Milde gegen andere um so mehr zu 
Tage. Seit seiner Jugend an Regelmäßigkeit 
gewöhnt, unermüdet thätig bis in sein hohes 
Alter, hatte er bei seiner Ordnungsliebe seine 
Zeit so eingetheilt, daß er sich in Erfüllung 
seiner Regentenpflichten weder durch hohe Be 
suche noch durch Hoffeste stören ließ. Schon in 
früher Morgenstunde erhob er sich und nahm, 
*) Separatabdruck aus Bd. III. der Familien-Ge- 
schichte des Freiherrn von Bibra. München 1887. 
baut worden ist. Der dort vorkommende Basalt, 
„der schwarze Teufelsmohr", wie Goethe dieses 
Eruptivgestein in einem geognostischen Scherz 
gedichte nennt, ist von besonderer, seltener Art. 
Es besteht, nach dem Urtheile von Fachgelehrten, 
aus Hyalomelan und nicht aus Tnchylyt, wie 
man früher angenommen hat. Die älteren, auf 
diesem Basaltkegel errichteten Gebäude, nament 
lich die schadhaft gewordenen Holzbauten, ließ 
Kurfürst Wilhelm II. im Jahre 1826 nieder 
legen, dagegen blieb die Burg in ihren nörd 
lichen massiven, sich noch in gutem Zustande be- 
flndenden Gebäuden bestehen. 
Reiche geschichtliche Erinnerungen knüpfen sich, 
wie wir gesehen haben, an diese Burg, möge sie 
uns noch recht lange erhalten bleiben als ein 
beredter Zeuge von der Pracht und Herrlichkeit 
des Lebens, das einst auf derselben geherrscht. 
•j- 
Mstbischos von Nulöa. 
wenger. 
rß.) 
sofern er nicht in seiner Hauskapelle die heilige 
Messe las, nach verrichtetem Gebete sein einfaches 
Frühstück ein. Hierauf ging er zur Durchsicht 
der an ihn gerichteten Eingaben und Berichte, 
sowie zur Prüfung der eingelangten Relationen 
über; die von ihm getroffenen Entschließungen 
schrieb er auf ein besonderes Blatt nieder. Der 
Ausfertigung setzte er seinen Namen unter Bei 
fügung der Buchstaben B. u. F. (Bischof und 
Fürst) bei, weshalb ihm der Volkswitz den Bei 
namen „Bus" beilegte. 
Nachdem er sich angekleidet hatte, empfing er 
seine Minister und höheren Räthe, hörte ihre 
Vorträge an und besprach eingehend die Art der 
Erledigung der Geschäfte. In wichtigen geist 
lichen und weltlichen Angelegenheiten versäumte 
er es jedoch niemals, sich mit seinen geheimen 
Referendaren zu benehmen und nöthigenfalls die 
einschlägige Oberbehörde zum Gutachten auf 
zufordern ; in vielen Fällen ging er auch das 
die Landstandschaft vertretende Domkapitel um 
dessen Aeußerung und Zustimmung an, ohne 
dessen Bewilligung ohnehin keine Steuer auf 
erlegt und ausgeschrieben wurde. 
Nachdem er um 10'/- Uhr dem Gottesdienste in 
der Schloßkapelle beigewohnt hatte, gewährte er 
Audienzen, zu welchen Jedermann Zutritt hatte. 
Bei seinem leutseligen und wohlthätigen Sinn
        

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