Full text: Hessenland (2.1888)

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Krieges in Hannover, Hessen und Westfalen von 
1757 bis 1763", Bd. III., S. 571 flg. — 
Nach dem siebenjährigen Kriege wurde das 
Schloß vom Landgrafen Friedrich II. wieder in 
Stand gesetzt, die Wände wurden mit Gemälden 
und Tapeten geschmückt, welche Jagden und zur 
Strecke gebrachte Thiere darstellten, ja sogar die 
Zimmer erhielten wieder, wie das schon früher 
der Fall gewesen war, Namen der verschiedensten 
Jagdthiere, und alles erinnerte wieder daran, 
daß die Sababurg ein fürstliches Jagdschloß sei. 
Es liegt uns eine Beschreibung des Jagdschlosses 
aus jener Zeit vor, die wir nachstehend folgen 
lassen: 
„Das Schloß, so auf einem mäßig hohen 
Felsen angelegt ist, hat die äußere Figur eines 
länglichen Vierecks, ist mit festen starken Mauern 
und einem Graben umgeben, worüber eine 
steinerne Brücke in das Innere des Schloßhofes 
führt. Die Burg selbst besteht aus drei Haupt 
theilen : 
1) dem alten Schlosse, welches von Holz ge 
baut, kleine dicke spitze Thürme und in 
wendig niedrige enge Zimmer hat; 
2) dem andern Theile des Schlosses zwischen 
beiden Thürmen, deren einen wahrscheinlich 
die Bürger von Hofgeismar erbauten; auch 
dieser scheint ein sehr hohes Alter zu haben; 
3) dem neuen Schloßflügel, 1701 von Land 
graf Karl angelegt. In diesem Theile des 
Schlosses ist die Bel-Etage blos für die 
Aufnahme der anwesenden Herrschaft be 
stimmt. 
Auf der gegen Norden gekehrten Seite ist 
zwischen jenen alten Thürmen ein mit Hirsch 
köpfen ausgezierter Vorsaal, worin dieselben an 
den unbehangenen weißen Wänden befestigt und 
diese mit lauter solchen Geweihen ausgeschmückt 
sind, welche vorhin von Hirschen getragen worden 
waren, die fürstliche Personen erlegt haben. Alle 
diese verschiedenen Zimmer des Schlosses ließ Land 
graf Friedrich II. mit wilden Thieren, die auf 
einem viereckigen Blatt gemalt, an dem Aeußeren 
der Thüre befestigt sind, bezeichnen und danach 
das Zimmer benennen. Nur jener vorhin er 
wähnte Vorsaal heißt der „Thiergarten". Aus 
diesem gelangt man in ein kleineres Gemach, 
welches zur Schenke dient. In demselben hängt 
an der Wand das Bild eines großen fürchter 
lichen wilden Schweines, von dem man erzählt, 
daß es 1673 auf der Söhre am schwarzen Pfühl 
von dem Landgrafen Karl zu Fuß abgefangen 
worden sei. Dieses Thier soll 4 Centner 
52 Pfund gewogen und Speck einen Spannen 
hoch gehabt haben. Aus der „Schenke" tritt man 
in einen schönen geräumigen, mit einer künstlich 
gewirkten Tapete behangenen Speisesaal. Auf 
derselben sind Auftritte aus der älteren Geschichte, 
von den Königen Croesus, Cyrus und der 
Königin Tomyris dergestalt abgebildet, daß 
inan die Mühe und den Fleiß, der jenen 
Zeiten des Soliden vorzüglich eigen war, billig 
bewundern muß. Landgraf Wilhelm IV. hatte 
damit seinem Schloß zu Kassel eine besondere 
Zierde zu geben gesucht, und da hing diese Tapete, 
bis Landgraf Friedrich sie abnehmen und hier 
aufhängen ließ. Durch den Speisesaal kommt 
man zu dem „goldenen Löwen" und daraus zu 
dem „weißen Hirsch", ersteres war das Zimmer 
des Fürsten, dieses aber dessen Schlafgemach. 
Die Zimmer für die Landesfürstin befanden sich 
in einem anderen Theile des Schlosses. In einem 
Zimmer auf dem Erdboden findet man eine, 
ihrer Struktur, Größe und Weite nach, besondere 
Bettstelle nebst einer kleinen daneben stehenden, 
wovon jene in inventario die Bettstelle der 
Königin Saba, diese diejenige ihrer Hofdame 
benannt wird.*) 
Vor dem Schlosse, auf der Nordseite desselben 
ist ein kleiner unmuthiger Lustgarten mit Rasen 
plätzen, welche mit verschiedenen Blumengewächsen, 
Rosenstöcken u. s. w. bepflanzt sind, und der ein 
kleines Lusthaus und zwei Hütten in sich faßt. 
Aus demselben kommt man in die Eremitage, 
welche in einem schmalen Gange zwischen der 
Schloßmauer und dem Schloßgraben um die Burg 
herumgeht. In dieser Anlage sind mancherlei 
fremde Holzarten, vermischt untereinander hin 
und wieder angebracht." Die Beschreibung der 
anderen zu Sababurg gehörigen Gebäude, des 
Thiergartens u. s. w. ist von geringerem Interesse, 
wir unterlassen daher die Wiedergabe derselben. 
Landgraf Friedrich II. hielt sich gern, nament 
lich zur Zeit der Jahreswende, zu Sababurg 
auf und veranstaltete hier Sauhatzen, welche in 
der Regel mit größeren Festlichkeiten verbunden 
waren. 
Am 18. September 1806, also nur wenige 
Tage vor der Okkupation Kurhessens durch die 
Franzosen, ließ der Kurfürst Wilhelm I. seinen 
Silberschatz sowie die werthvollsten Kunstschätze 
des Museums in den unterirdischen Gewölben des 
Schlosses Sababurg verbergen. In 42 theils großen 
theils kleinen Kisten kamen die Kostbarkeiten auf 
zwei mit je 4 Maulthieren bespannten Wagen 
daselbst an. Die Vermauerung der Thür, durch 
welche diese Schütze in die Kellergewölbe verbracht 
werden mußten, wurde so geschickt ausgeführt, 
*) Welche Bewandtniß es mit der Riesenjungfrau 
Saba hatte, haben wir bereits früher dargethan. — Geh. 
Hofrath Ruhl führt die Sage von der ,Saba, Trenta 
und Thesa" auf die altnordischen Nornen zurück. S. 
Zeitschrift für hessische Geschichte und Landeskunde, 
5. Bd. 1850, S. 369 flgg.
	        

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