Volltext: Hessenland (2.1888)

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gründet hat; hoffentlich nimmt sich die Lokalforschung 
der Sache an. Daß übrigens schon früher eine be 
trächtliche Glasindustrie im Lande bestanden hat, geht 
aus Daten hervor, welche C. Nyrop dem geheimen 
Archiv in Kopenhagen entnommen hat. Danach 
erbat sich Friedrich II. von Dänemark von dem 
Landgrafen Wilhelm einige Glasarbeiter, worauf der 
Letztere 1565 antwortete, die hessischen Glasbrenner 
seien nicht dafür „solchen weilten weg vorzunehmen, 
sintemahl sie sich besorgen, wenn sie in Ew. Kön. 
Mas. Königreich ziehen würden, daß sie gar Ausz 
der weldt und nimmer wider heim kämen, wie sie 
dan ohne dasz also genaturt, daß sie desz Sommers 
Ausz ihren Hutten (be) (zirkh) nit bald zu Pringen, 
sondern da diese Hasen geheckelt vndt die Mutter 
flaschen vor Augen haben, Pleiben sie viellieber bey 
Ihrem Kohll oder waszer vndt brodt, Als dasz sie 
In Andern Königreichen vndt gutten eisten Lan 
den herlich leben suchen sotten." Nichtsdestoweniger 
schickte der Landgraf einen Liborius Trebing, der 
dann eine Reihe von Jahren die Hütten zu Silke 
borg geleitet hat. 
Kunst und Literatur. 
Gemischte Gesellschaft. Novellen von M Her 
bert. Druck und Verlag von I. P. Bachem. 
Köln 1888. 
M. Herbert ist nicht nur in Hessen bekannt und 
geschätzt, sondern hat sich überhaupt in der deutschen 
Leserwelt zahlreiche Freunde erworben. Wir Hessen 
dürfen aber mit ganz besonderem Interesse das 
dichterische Wirken unserer jungen Landsmännin ver 
folgen, drnn es wurzelt in unserm Boden und schöpft 
aus unserm Volksleben. Die vorliegende Sammlung 
bietet uns zehn kleine Novellen oder Skizzen, ver 
schieden in Stoff, Anlage und Behandlung. M. Her 
bert ist Realistin im besten Sinne des Wortes: sie 
greift in's volle Menschenleben und schildert es uns, 
wie es ist. Sie leuchtet in die Hütten der Armen 
und Elenden und zeigt uns Noth, Kummer und 
Plagen die dort hausen. Mit Meisterschaft weiß 
sie die Charaktere gerade aus diesen Kreisen zu 
zeichnen, aber sie vertheilt Licht und Schatten ge 
recht ; sie hat mit jenem rüden und unkünstlerischen 
Naturalismus, der sich neuerdings breit macht, na 
türlich nicht das Geringste gemein. Man lese ein 
mal diese kleinen einfachen Geschichten, die von 
armen und unbedeutenden Menschen handeln und in 
ärmlichen Kreisen sich bewegen und man wird freu 
dig eingestehen, daß die Verfasserin eine Meisterin 
naturwahrer Schilderung ist. Einige der Novellen 
bewegen sich auch auf anderm Boden und auch in 
ihnen offenbart sich das' Talent der Verfasserin, 
Schreiber dieses aber stellt die hessischen Dorf- und 
Kleinstadtgeschichten allen andern voran. Wünschen 
wir der trefflichen Sammlung, die für den Weih 
nachtstag wie geschaffen ist, einen recht zahlreichen 
Leserkreis. d. 8. 
Die Kaiserpfalz Gelnhausen von Schulte 
vom Brühl. Leipzig, Voß. 1888. (31 S.) 
50 Pf. 
In dem vorliegenden Büchlein, liegt uns ein 
weiteres Hest des Schulte vom Brühl'schen Werkes 
„Deutsche Schlösser und Burgen u vor. Es behan 
delt die unter Barbarossa erbaute, geschichtlich wie 
architektonisch hochinteressante Kaiserpfalz in der 
alten Kinzigstadt, dem Geburtsort Grimmelshausens, 
der den Simplicissimus schrieb, dem Orte, welcher 
den Erfinder des Telephons, Philipp Reis, zu 
seinen Söhnen zählt und in welchem Brentano 
sein Märchen von Gockel, Hinkel und Gackelcia 
spielen läßt. 
Wir möchten gerade jetzt auf das Heftchen auf 
merksam machen, wo auch von anderer Seite und 
auf andere Weise der Vergleich zwischen der Kaiser- 
und Reichsherrlichkeit der ersten Hohenstaufen und 
der Blüthe des neudeutschen Reiches uns nahegelegt 
werden wird. a. 
Vor Kurzem erschienen im Verlage von Hans 
Licht in Leipzig drei Lieder von Franz Ludwig, 
dem trefflichen Oboenbläser des Königlichen Theaters 
zu Kassel, welcher sich schon vor Jahresfrist durch 
einige, im Verlage von Paul Voigt in Kassel und 
Leipzig erschienene Liedertondichtungen bekannt ge 
macht hat. Während Franz Ludwig den zuerst 
herausgekommenen Liedern vornehmlich Dichtungen des 
den Lesern des „Hessenlandes" bekannten hessischen 
Dichters Karl Weber unterlegt hatte, berücksichtigte 
er bei den zuletzt erschienenen Tondichtungen haupt 
sächlich Gedichte von Edgar Kramer-Bangert, 
ebenfalls einem Hessen. Da wir uns über die erste 
Liedersammlung noch nicht geäußert haben, werden 
wir derselben nunmehr bei der Besprechung der 
zweiten Erwähnung thun. Die ersten drei Lieder 
heißen: „An Lucia", „Schneeglöckchen" und „Allein" 
(die beiden letzteren Gedichte von Karl Weber). Von 
dieser Sammlung gefällt uns ausnehmed das Lied 
„Schneeglöckchen". Unsere Leser entsinnen sich gewiß 
noch des Gedichtes von Weber in Nr. 7 des 
Hessenlandes" von vorigem Jahrgang. Dasselbe 
ist von Ludwig musikalisch trefflich gesetzt worden. 
Wir haben dieses Lied wegen seiner einfachen, zu 
Herzen gehenden Weise mit der Zeit so lieb gewonnen, 
daß wir uns eine schönere Tondichtuug des Weber'schen 
Gedichtes nicht denken können. Auch die beiden
        

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