Full text: Hessenland (2.1888)

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in einigen Ausnahmefällen für alle drei die Bezeich 
nung „t>. Löwenstein" urkundlich vorkommt. 
Diese 3 Brüder hatten Frauen aus den Geschlechtern 
v. Schweinsberg, v. Westerburg und v. Romrod. 
Merkwürdigerweise nennen sich nun die Söhne in 
allen 3 Linien nach ihren Müttern, allerdings nicht 
ausschließlich, denn auch noch in ihrer Generation 
(c) führt dieselbe Person mehrere Zunamen. Ebenso 
sind auch hier die Wappen noch persönlich, obgleich 
die alten Bilder sich, mit oder ohne Veränderungen, 
vererben. 
1) Heinrich (b), der Stammvater der Schweins 
berger Linie, hatte 2 Söhne: Werner und Heinrich. 
Werner (c) heißt anfangs „v. Bischofshausen", bald 
„v. Schweinsberg" und „v. Löwcnstein, genannt v. 
Schweinsberg". Im Siegel führt er wie sein Vater 
den Löwen von Itter, aber mit der Umschrift „v. 
Löwenstein", nicht wie jener „v. Bischofshausen". 
— Heinrich (c) heißt ebenfalls „t>. Schweinsberg" 
und „D. Löwen stein genannt v. Schweinsberg „. 
Bon Werners (e) Söhnen pflanzte Hermann (ä) 
v. Schweinsberg den Mannsstamm fort, der erst 
1660 mit Adolf Sittich v. Löwenstein genannt v. 
Schweinsberg erlosch. Anstatt des von seinem Groß 
vater und Vater angenommenen Jtterschen Löwen 
führte er (und ebenso seine Nachkommen) wieder das 
alte Bischofhausen'sche Stammwappen, nur daß die 
Zinne schräglinks lief. Um so merkwürdiger ist, 
daß einer seiner Brüder, der Fritzlarer Kanonikus 
Johann, (d), als „v. Löwenstein genannt v. Itter" 
bezeichnet wird. 
2) Werner (b), der Stammvater [ber West er 
bn r g e r Linie, hatte ebenfalls 2 Söhne: Werner und 
Krafto. Doch heißt Krafto (c) „v. Löwenstein", und nur 
Werner (c) nennt sich in Urkunden wie im Siegel 
„v. Westerburg"; doch kommt urkundlich auch „v. 
Bischofshausen genannt v. Westerburg" vor. Seine 
Nachkommen starben mit Werner v. Westerburg 
ungefähr 14 92 aus. 
3) Hermann (b), der Stammvater der Nomroder 
Linie, hatte 5- Söhne, von denen 3 hervorzuheben 
sind.- Hermann (e) v. Romrod, (er heißt ausnahms 
weise auch „v. Löwenstein, Sohn des Hermann v. 
Bischofshausen"), der Fritzlarer Kanonikus Werner 
(e) v. Romrod und Heinrich (c) v. Löwenstein, 
Deutschordenskomthur. — Nicht „Romrod" sondern 
„Löwenstein" heißt aber auch Hermanns (c) Sohn, 
und von ihm stammt die noch blühende Familie v. 
Löwenstein ab, die den gekrönten Löwen von Itter 
mit den Farben von Bischofshausen, weiß-roth, im 
Wappen führt. (In von Weiß und Roth getheiltem 
Feld ein goldgekrönter Löwe verwechselter Tinkturen). 
Uebrigens bleibt der gemeinsame Name „v. Löwen 
stein" im Gegensatz zu dem älteren „v. Bischofshausen" 
in allen drei Linien neben dem Unterscheidungsnamen 
bestehen. An ihn knüpft sich gern der Herrentitel, 
daher finden wir die Bezeichnungen: „v. Schweins 
berg Herr zu Löwenstein" — „v. Westerburg Edler 
v. Löwenstein" oder „v. Westerburg Herr gen. v. 
Löwenstein" — „v. Romrod Herr v. Löwenstein". 
Das obige Beispiel zeigt, wie der Gebrauch, be 
stimmte Wappenbilder mehr oder weniger verändert 
schließlich in ganzen Geschlechtern festzuhalten, sich 
allmählich immer mehr herausbildete. Dadurch erst 
entstand neben der rechtlichen Bedeutung des Ritter 
wappens als Standeszeichen auch eine solche des 
Einzelwappens, d. h. des bestimmten Bildes, nämlich 
die Bedeutung als Erbezeichen. Der Vortrag be 
trachtete deshalb nun dies Erbezeichen in seinen 
mannigfachen Erscheinungen, von deren wichtigsten eine 
das Anspruchswappen ist, das eben in den weitaus 
meisten Fällen eine besondere Art des Erbezeichens 
bildet. 
Für Anspruchswappen aber bot die Geschichte des 
Hessischen Landgrafenwappens eine ganze gliederreiche 
Kette lehrreicher Beispiele. Vor allem war hier die 
interessante Erscheinung zu beobachten, daß die Land 
grafen ihr Stammwappen schon früh ganz aufgaben, 
und daß gerade das eigentliche Hessische Wappen, das 
man öfter ^Hessisches Stammwappen" genannt findet, 
ursprünglich ein Anspruchswappen war. 
(Schluß folgt..) 
— In der Monatsversammlung >Ks Vereins für 
hessische Geschichte und Landeskunde am 27. Novbr. 
hielt der Vorsitzende Major a. D. von Stamford 
den angekündigten Vortrag über „das erste 
Bataillon des zweiten hessischen Infan 
terie-Regiments (Landgraf Wilhelm) in 
den Septembertagen 1 84 8 zu Frankfurt 
a. M." Wir werden auf den Bortrag zurückkommen. 
— Dem Baron E r n st Wolf gang Heß von 
Wichdorff in Gotha, dem Verfasser der in unserer 
Zeitchrift veröffentlichten „Beiträge zur Geschichte des 
Städtchens Niedenstein und der Familie Heß von 
Wichdorff" ist das Ehren bürg errech t von Nieden 
stein seitens der dortigen Gemeindebehörde verliehen 
worden. 
Zur Glasindustrie in Hessen. Inder 
neuesten Nummer der „Mittheilungen des K. K. 
österreichischen Museums für Kunst und Industrie" 
finden wir folgenden Artikel, der für uns Hessen 
von Interesse ist: Gläser von Veckerhagen kommen 
in Sammlungen selten vor. Sie haben den Vor 
zug, mit aller Sicherheit bestimmt werden zu können, 
da in die Fußplatte der hessische .Löwe (der sich 
durch erhobene Vorderpranken von dem pfälzischen 
der Marke von Frankenland unterscheidet) klar ein 
geschliffen ist. Verschiedene Stücke finden sich in der sehr 
interessanten kulturgeschichtlichen Sammlung des Herrn 
Dr. G. Gläßner in Kassel. Von der Fabrik ist nur bekannt, 
daß Landgraf Karl von Hessen (1675 — 1730) sie ge-
	        

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